Respekt - Respekt

Influencer*innen

RESPEKT Influencer*innen

Stand: 30.07.2020

  • Das Wort Influencer kommt aus dem Englischen von "to influence". Das heißt "beeinflussen". Als Influencer*innen werden Menschen bezeichnet, die in den sozialen Netzwerken sehr aktiv sind und dort viele Follower haben.
  • Follower bewundern nicht selten "ihre" Influencer*innen und schätzen deren Meinung. Deshalb können Influencer*innen auch oft sehr leicht ihre politischen Ansichten unters Volk bringen.
  • Influencer*innen gibt es zum Beispiel auf YouTube, wo sie für Beauty oder für Lifestyle werben. Oder es gibt die Gamer aus der Spielerszene.
  • Problematisch wird es, wenn Influencer*innen extreme politische Meinungen verbreiten, wie zum Beispiel Verschwörungsideologien.
  • Wenn du auf zweifelhafte oder radikale Inhalte stößt, überprüfe immer die Quellen, um herauszufinden, was dran ist.

Influencer*innen erreichen sehr viele Menschen mit ihrer Meinung. Oft vertrauen wir ihnen auch deshalb, weil sie viele Follower haben. Jemand, dem so viele zuhören, muss ja was Wahres zu sagen haben, oder? - Ganz so einfach ist das allerdings nicht. Es gibt viele Kategorien von Influencer*innen: Mode und Beauty zum Beispiel: Da ist Meinung eher Geschmacksache. Jemand, der eine bestimmte Lidschattenmarke besser findet als alle anderen, macht höchstens Schleichwerbung. Was zwar verboten ist, allerdings nicht so gefährlich wie etwa rechtsradikales Gedankengut.

Politik und Meinungsmache durch die Hintertür

Gefährlich wird es, wenn extremistische Influencer*innen vordergründig total sympathisch und unpolitisch wirken. Wenn sie über harmlose, persönliche Dinge plaudern wie über Hobbies und Kochrezepte. Und dann über die Hintertür versuchen, ihre Follower zu radikalisieren. So wie der Rechtsextremist Martin Sellner: Der Österreicher ist Sprecher der rechtsextremen sogenannten "Identitären Bewegung Österreich" und pflegt enge Kontakte zur deutschen rechtsextremen Szene. Ein anderes Beispiel ist der Verschwörungsideologe Heiko Schrang: Er propagiert seine persönliche Sicht auf die Coronakrise und erreicht damit 172.000 Follower.

Wer ist immun gegen Meinungsmache?

Grundsätzlich ist Meinungsvielfalt etwas sehr Gutes. Freie Meinungsäußerung ist ein Grundrecht in Deutschland und wichtig für die Demokratie. Bedenklich wird es dann, wenn Influencer*innen so gezielt Falschinformationen verbreiten, dass dadurch Aggressionen gefördert und bedient werden. Dass dadurch also etwa manchen Menschen(gruppen) wie Migrant*innen oder Juden/Jüdinnen die Grundrechte abgesprochen werden. Anders gesagt: Wer behauptet, dass eine Gruppe nur dann zu ihrem Recht kommt, wenn eine andere dafür ihre Rechte aufgibt oder darin eingeschränkt wird, ruft zur Radikalisierung und Spaltung der Gesellschaft auf.

Rechtsextreme - Social-Media-Profis

Rechtsradikale und Rechtsextreme erreichen heute über die sozialen Medien viel mehr Menschen als früher. Und sie sind, was die Nutzung der Medien angeht, oft auch fitter als die meisten politischen Parteien. Influencerin Louisa Dellert beklagt, dass beispielsweise die CDU als etablierte und seriöse Partei viel weniger prägnant im Netz textet als Rechtsradikale und deshalb einfach weniger Menschen anspricht. Einige rechtextreme Influencer*innen sind da geschickter. Sie betreiben im Internet, was sie "Infokrieg" und "Emokrieg" nennen.

"Infokrieg heißt: Menschen, die was anderes glauben, andere Dinge im Netz vertreten, niederschreien mit Hass, mit organisiertem Trolling. Auf der anderen Seite den Emokrieg: Menschen für sich zu gewinnen durch schöne Gesichter, schöne Bilder, Geschichten und sie emotional an sich zu binden. Weil dann, das sagen sie auch ganz offen: Wenn ich jemanden mag und jemand ein nettes Gesicht hat, dann ist es vielleicht nicht so schlimm, dass er ein bisschen rassistisch ist. Und ich gewöhne mich schrittweise daran. Und das ist letztlich das Ziel."

Patrick Stegemann, Journalist und Autor des Buchs 'Die rechte Mobilmachung' (ullstein Verlag, 2020)

Besser als Teilen: erst mal kritisch die Quellen prüfen

  • Politische Inhalte kommen bei Jugendlichen nicht so gut an wie Mode, Lifestyle, Fitness, Reisen, Ernährung und Umweltschutz.  
  • Um junge Menschen zu erreichen, kapern deshalb extremistische Influencer*innen oft solche Themen.
  • Extremistische Inhalte könnn erstmal wie harmlose Videos oder Posts wirken.
  • Wichtig: Die Inhalte kritisch hinterfragen und einordnen: Was machen die Influencer*innen sonst noch? Welche Werte vertreten sie? Wer finanziert ihren Channel?
  • Wer Botschaften von Extremisten likt, teilt oder dazu selbst postet – ob zustimmend oder kritisch – befeuert die Maschinerie und macht sich mitunter sogar strafbar.

Zahlen und Fakten: Quellen

Mediennutzung Jugendliche, JIM-Studie 2019 (PDF, Seiten 12 und 24 f.)
Extreme politische Ansichten im Netz, JIM-Studie 2019 (PDF, Seite 51)
Sparkling Science-Projekt "SMART?Phone", Forschungsgruppe unter der Leitung von Prof. Jörg Matthes (Universität Wien) und Dr. Desirée Schmuck (LMU München); Die Studie wurde im August/September 2019 von der GfK durchgeführt.
Extremismus im Netz erkennen
Interview rechtsradikale Influencer
"Gekaperte" Themen PDF, S. 62
Extremistische Botschaften - Definition, PDF, S. 60
Filterblasen
Extremistische Inhalte melden
Hass im Netz melden
Jugendschutz im Netz - Hotline
Jugendschutz im Netz - Beschwerdestelle
Verstöße gegen den Jugendschutz/Extremistische Inhalte

Was tun bei extremistischen Inhalten?

Was tun, wenn Freund*innen oder Familienmitglieder extremistischen Influencer*innen folgen und glauben? Das kann die Beziehung sehr belasten und mitunter ihr Ende bedeuten, weil man sich in Glaubensfragen schlecht einig werden kann. Auf der praktischen Ebene hilft es, diese Inhalte gemeinsam faktisch zu untersuchen und zu besprechen, was da wirklich dran ist. Auf der emotionalen Ebene ist es sinnvoll, nachzufragen, welche Bedürfnisse die Behauptungen befriedigen: Geht es um mehr Sicherheit? Geht es darum, vermeintlich Schuldige zu finden? Oder geht es ganz einfach darum, sich nicht alleine zu fühlen? Wem es gelingt, auf diese Ebene zu kommen, dem gelingt auch eher ein Gespräch, in dem es um Verbindendes geht und nicht um das, was uns trennt. Denn Toleranz bedeutet ja gerade, dass man Achtung vor der Meinung eines anderen hat, auch wenn man sie selbst nicht teilt.

"Oft wissen wir ja, dass so tiefer liegende Ursachen irgendwo auch der Auslöser dafür sein können, warum Menschen sich in Verschwörungserzählungen flüchten. Und wenn ich versuche, diesen wunden Punkt quasi zu finden und vielleicht zu lindern, dann kann ich da wahrscheinlich mehr erreichen als durch den besten Faktencheck."

Katharina Nocun, Netzaktivistin und Bloggerin (Autorin von 'Fake Facts - wie Verschwörungstheorien unser Leben bestimmen', Quadriga Verlag 2020)

Autorin: Monika von Aufschnaiter

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