Nockherberg


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Nockherberg 2018 Standing Ovations für Kinseher, Singspiel im Western-Style

Luise Kinseher glänzte als "Mama Bavaria" - zum letzten Mal, das verkündete sie in ihrer Fastenrede über den "großen Umbruch in Bayern und Berlin". Das neue Singspiel fand in einer Western-Kulisse statt.

Stand: 01.03.2018

Die Schauspielerin Luise Kinseher spricht beim traditionellen "Politiker-Derblecken" am Münchner Nockherberg als Bavaria bei der Fastenpredigt. | Bild: dpa-Bildfunk/Matthias Balk

Vieles war neu beim Starkbieranstich 2018 auf dem Nockherberg in München. Der Festsaal wurde umgestaltet. Das Singspielteam gab seine Premiere. Erstmals seit neun Jahren saß nicht nur der Ministerpräsident, sondern auch sein Nachfolger im Publikum: Horst Seehofer ist der scheidende, Markus Söder der zukünftige Landesvater. Dazu gab es durch die noch nicht amtierende große Koalition in Berlin gehörig Stoff für die "Mama Bavaria" Luise Kinseher und die Singspieldarsteller.

"Bayern ist im Umbruch" als Leitthema der Fastenrede

Die aus Geiselhöring in Niederbayern stammende Kabarettistin derbleckt die Politiker seit dem Jahr 2011. Gleich zu Beginn wies die 49-Jährige auf die aktuelle Besonderheit hin. "Heute ist ein historischer Nockherberg! Sowas hat es hier noch nie geben! Noch nie hatte Bayern so viele Ministerpräsidenten – und zwar zwei - einen amtierenden und einen gefühlten!", sagte die Kabarettistin. Ihre Kernbotschaft lautete: "Bayern ist im Umbruch! Nichts ist mehr wie es mal war!". Allem voran knöpfte sie sich dementsprechend das potenzielle zukünftige Kabinett unter Söder und die dann vielleicht scheidenden Minister vor. "Sowie ich das überschaue, ist der Nockherberg von heute für viele der letzte", warnte sie die Politiker.

Luise Kinsehers beste Sprüche

Doppelter Ministerpräsident

"Noch nie gab es in Bayern so viele Ministerpräsidenten – und zwar zwei: einen amtierenden und einen gefühlten."

Schweigen der Lämmer

"Also Friede in der CSU: Das klingt für mich noch viel unheimlicher wie das Schweigen der Lämmer."

Freundschaft Söder-Seehofer

"Markus Söder und Horst Seehofer sind jetzt befreundet. Also nicht miteinander, aber es ist schon mal ein Anfang."

Schicksal

"Das hätte Ihr euch auch nicht träumen lassen, das euer Schicksal noch mal von der SPD abhängt.

Superministerium

"Aber dass Du Dich da nicht übernimmst mit Deinem Superministerium! Innen reicht Dir ja nicht, es muss auch noch Heimat sein. Und für was Du da alles zuständig bis, für Migration, Integration, Polizei, Cyberkriminalität ... Man kann sagen: ein Ministerium für alles - außer Tiernahrung."

Scheuers Zukunft

"Ich hab' gehört du solls Verkehrsminister werden - da hängt ja die Messlatte nicht hoch." (zu Andreas Scheuer)

CSU-Mehrheit

"Wann habt Ihr es versäumt, die absolute Mehrheit der CSU in die Bayerische Verfassung aufzunehmen? Das muss schon ein Versagen unter Franz Josef Strauß gewesen sein!"

Revolution

"Was ist heutzutage schon revolutionär? Für viele Münchner ist es ja schon revolutionär, wenn überhaupt die S-Bahn geht."

Frauen in der CSU

"Aber man wird in der CSU als Frau nicht belästigt, zumindest nicht mit den höchsten politischen Ämtern. In der CSU da gibt es kein #Metoo, da heißt es von vorne herein #Younot."

SPD statt AFD

"Liebe Niederbayern, ich habe eine Idee, wählt bei der Landtagswahl im Oktober aus Protest nicht die AFD, sondern die SPD? Das wäre mal richtig revolutionär!"

Rücktritt mit Paukenschlag

Den größten Paukenschlag erzielte die Kabarettistin aber am Ende ihrer Rede, als sie völlig überraschend ihren Abschied vom Nockherberg bekannt gab. Acht Jahre lang habe sie nun "ermahnt, getröstet, geschimpft". Doch "gute Eltern" wüssten, wann es Zeit sei, loszulassen.

Reaktionen auf Kinsehers Rede und Abschied

Ministerpräsident Horst Seehofer

"Insgesamt finde ich, hat sie ein sehr gute Menschenkenntnis, also den Kern von vielen Anwesenden hier getroffen. Ich bedaure, und das ist der größte Ritterschlag, den man erteilen kann, dass sie offensichtlich aufhört in dieser Funktion. Es ist dann schon berührend, wenn man ehrlich ist. Und sie ist ja auch selbst ein bisschen sentimental geworden."

Bayerischer Finanzminister Markus Söder

"Ein fulminantes Finale. Ich finde, es war ihr beste Rede bisher am Nockherberg. Mir hat es gut gefallen – natürlich nicht jeder Satz."

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter

"Es war eine wunderbare Abschiedsvorstellung von Luise Kinseher. Heute hat sie wirklich genau die Balance gefunden, die alle von ihr erwarten. Sie war durchaus spitz, aber auch immer wieder versöhnlich. Es hat uns alle sehr überrascht, dass sie heute zum letzten Mal die Mama Bavaria gegeben hat. Es ist ganz komisch - die Luise geht, der Horst Seehofer geht. Ein ganz merkwürdiges Gefühl."

Josef Schmid, 2. Bürgermeister München

"Es war die beste Rede von ihr bislang, es war heute sehr, sehr ausgewogen." Zu Kinsehers Abschied: "Der Wandel ist stetig und nichts ist stetiger als der Wandel. Wenn mal etwas Neues kommt, tut auch ganz gut – aber ich habe sie gemocht."

Ilse Aigner, Bayerische Wirtschaftsministerin

"Ich finde, dass sie es sehr ausgewogen gemacht hat, einerseits sehr spitz, dann auch wieder mütterlich-sanft."

Schauspielerin Luise Kinseher und der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer

Am Ende applaudierte das Publikum im Stehen. Seehofer sprach von einer sehr starken Leistung: Kinseher sei in Hochform, sehr amüsant und diesmal "sehr stark" gewesen. Er bedaure, dass sie aufhöre. Söder sprach von einem "fulminanten Finale" und Kinsehers bester Rede am Nockherberg. Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter lobte: Kinseher habe diesmal genau die Balance gefunden, die alle von ihr erwarteten.

Neues Singspiel mit Western-Kulisse

Ilse Aigner macht ein Selfie mit zwei Doubles

Für das Singspiel war in diesem Jahr ein neues Autorenduo verantwortlich, bestehend aus dem Musiker Richard Oehmann aus Weilheim in Oberbayern und dem Schauspieler und Drehbuchautor Stefan Betz aus Landshut in Niederbayern. Unter dem Titel "Die glorreiche 7" spielte es in einer Western-Kulisse - und präsentierte halbvertraute Helden wie Revolvermann El Marco Söder, den alten Horst, die Saloondame Angielina, Calamity Kohnen und den grünen Happy Hoppy Rider.

Die 10 besten Sprüche aus dem Singspiel

Im Kugelhagel

"Wir sind in unseren eigenen Kugelhagel geraten." Christoph Zrenner als Horst Seehofer

Unsichtbare SPD

"Wir haben uns auch schon eine super Fähigkeit erarbeitet. ... Wir können uns unsichtbar machen." Nikola Norgauer als Natascha Kohnen über die SPD

Merkel und die Langsamkeit

"Ach, es lassen sich die Männer ja so schrecklich einfach blenden mit verschärfter Langsamkeit." Antonia von Romatowski als Angela Merkel

Lieber nur zu zweit

"Müssen wir denn eigentlich immer einen Dritten dabei haben?" Seehofer-Darsteller zum Merkel-Double

Die Kraft der Illusionen

"Mit Illusionen bin ich eigentlich immer ganz gut gefahren." Seehofer-Double

Abschied

"Radle, trampe, reite, doch bitte such das Weite! Sieh es ein, alter Chorst, du musst jetzt gehen." Söder-Double und Band

Unzufriedener Ureinwohner

"Do mag i gar nimma wohna, in euerm brunzbieselblöden Biobullerbü." Indianer

Neue Zeiten

"Heimat muss man sich auch leisten können." Apanatschi als Investorin

Männer-Verein

"In meinem Verein hören die Männer nie hin. Dafür quatschen's gern mal dazwischen." Angela Ascher als Ilse Aigner

Humor als Waffe

"Ich bin's der Hoppy Rider! Dr. Hoppy Rider. ... Mein Waffe ist der Humor!" Wowo Habdank als Anton Hofreiter 

Zwei Neue - und eine bestens Bekannte

Zwei Neubesetzungen gab es auf der Nockherberg-Bühne zu bestaunen. Nikola Norgauer agierte erstmals als Bayern-SPD-Chefin Natascha Kohnen und Claus Steigenberger gab bei seiner Premiere einen Totengräber. Neben diesen beiden Figuren standen besonders Horst Seehofer und Markus Söder sowie die Doubles von Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter und dem Münchner OB Dieter Reiter im Mittelpunkt. Und dann gab es in diesem Jahr noch einen Überraschungsgast: Uschi Glas, die eine etwas andere Apanatschi zum Besten gab.


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