Unternehmen


1

Bewerbung BR-Volontariat Talentsuche zu Corona-Zeiten

Während zahlreiche ARD-Anstalten ihren Auswahlprozess für die Volos wegen der Corona-Pandemie bis auf Weiteres verschoben oder gar ganz abgesagt haben, hat der BR den Prozess digital durchgeführt – mit sehr gutem Erfolg. Wie genau das vonstattenging, erklärt Ausbildungsleiter Clemens Finzer.

Stand: 29.06.2020

Ausbildungsleiter Clemens Finzer beim Test eines Kommunikationstools | Bild: BR

Als der Lockdown Mitte März begann, so richtig Fahrt aufzunehmen, hatten wir die erste Runde der Auswahl erfolgreich hinter uns gebracht. Die Bewerbenden hatten eine Probe-Reportage erstellt, dazu einen kreativen Lebenslauf und ihre Arbeitsproben eingereicht. Jetzt sollten aber die rund 50 Besten Anfang April für einen Testtag nach München kommen.

Corona-Pandemie zwingt zum Umdenken

Doch an eine "präsentische" Durchführung dieses Mega-Events war nicht zu denken. Denn zum einen hätten Kandidatinnen und Kandidaten, die im Ausland studierten, eine 14-tägige Quarantäne absolvieren müssen. Zum anderen standen ja auch keine Unterkünfte zur Verfügung wie Hostels, Jugendherbergen oder Airbnbs. Die Kandidatinnen und Kandidaten hätten privat unterkommen müssen. Und schließlich hätten wir einen Raum mit ausreichend Platz für 50 Leute unter den gebotenen Sicherheitskriterien gebraucht – selbst die großen Studios wären dafür nicht ausreichend. Natürlich hätten wir die Gruppen teilen und verkleinern können, doch die Probleme der Anreise wären damit nicht gelöst gewesen.

Instagram-Story vom Schreibtisch aus

Wir entschieden uns für die virtuelle Variante und suchten deshalb für die drei wesentlichen Test-Elemente – Wissens-, Sprech-und Social-Media-Test – eine digitale Alternative. Den Wissenstest haben wir mit Experten im Hause als eine pdf-Datei zum Befüllen erstellen lassen, den Sprechtest über ein Kommunikationstool durchgeführt und schließlich die Social-Media-Aufgabe in Form einer Instagram-Story zu einem vorgegebenen Thema von zu Hause umsetzen lassen. Dabei haben wir besonders darauf geachtet, dass niemand vor die Türe musste für diese Geschichte, sondern alles von zu Hause und "remote" erfüllt werden konnte.

Bis auf wenige Ausnahmen haben alle drei Elemente hervorragend geklappt. Hierfür hatten wir aber auch einen personell umfangreichen Support und "Helpdesk" eingerichtet, der am Telefon Tipps geben konnte.

Die Social-Media-Aufgaben 2020 Format: DOCX Größe: 11,99 KB

Finale Auswahlrunde ebenso "remote"

24 Kandidatinnen und Kandidaten qualifizierten sich dann mit ihren Ergebnissen für die letzte Runde, das Auswahlgespräch am 13. Mai. Und auch hier standen wir vor den Fragen, wie wir dieses "remote" und dennoch fair sowie gleichberechtigt gestalten konnten. Würden wenigstens das Auswahlgremium mit immerhin zwölf Mitgliedern zusammenkommen können? Und wie könnte das "Kreuzverhör" technisch in hoher Qualität umgesetzt werden?

Wir haben uns letztlich gegen ein Zusammenkommen des Auswahlgremiums entschieden und wieder auf das elektronische Kommunikationstool gesetzt. Mit MS Teams sind wir dabei sehr gut gefahren; vor allem die Warteraum-Funktion erleichterte das Vorgehen hier wie auch schon beim Sprechtest am Testtag. So konnten die Bewerberinnen und Bewerber nacheinander und gesteuert "eingelassen" werden. Anders, als wir das erwartet hatten, waren die Gespräche keineswegs ermüdend und das Nachmittagstief blieb aus. Regelmäßige Pausen und ein diszipliniertes Befragen unter Einhaltung der Kommunikations-Etikette ermöglichten für alle einen professionellen Ablauf.

Virtuell weniger nervös

Auffällig war, dass sich die Nervosität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr in Grenzen hielt. Offensichtlich macht es doch einen Unterschied, ob ich aus meinem vertrauten Umfeld heraus den Fragenden auf einem Bildschirm antworte, oder ob ich diesen gleich im Dutzend persönlich gegenübersitze. Nicht zu vergessen, dass das Auswahlgremium mit Direktoren und Hauptabteilungsleiterinnen ja hochgradig besetzt ist und auch das die Nervosität erhöht.

Ein Fazit

Der BR kann wirklich stolz sein, dass das Bewerbungsverfahren für das Programmvolontariat so professionell gelaufen ist. Während andere Häuser den Bewerbungsprozess erst einmal bis auf Weiteres verschoben oder gar ganz abgesagt haben, können bei uns im Herbst 2020 zehn Frauen und zwei Männer ihre Ausbildung beginnen.


1