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Wer würde wen wählen? Rechter Wahlkampf mit Strauß und Luther

Wahlplakate mit Franz Josef Strauß und Martin Luther: Bei den rechten Parteien ist die Sehnsucht groß, sich mit vermeintlichen Unterstützern zu schmücken. Praktisch, wenn die "Zeugen" sich nicht mehr wehren können.

Von: Günter Mayr-Eisinger

Stand: 10.09.2017 | Archiv

Ein Wahlplakat der AfD mit der Aufschrift "Franz Josef Strauß würde AfD wählen" ist am 08.09.2017 in München (Bayern) zu sehen. | Bild: dpa-Bildfunk/Sven Hoppe

Wahlwerbung für die AfD - mit einem Bild des ehemaligen CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß. "Strauß würde AfD wählen", so die vollmundige Behauptung. Die Plakate wurden von einem "Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten" für den Wahlkampf vorbereitet. Plakatiert werden sollen sie nur in Bayern. Belegen lässt sich die Aussage des Plakates nicht - Franz Josef Strauß ist bekanntlich seit 29 Jahren tot.

Strauß-Kinder wehren sich

Die Strauß-Familie wehrt sich gegen die Behauptung. Franz Georg Strauß sagte dem "Handelsblatt" wörtlich: "Mein Vater würde auf gar keinen Fall AfD wählen."

"Er war ein christlicher Konservativer, kein Rechter."

Franz Georg Strauß

Ähnlich äußerten sich die CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier, Tochter von Franz Josef Strauß, sowie Max Josef Strauß. Zu Lebzeiten seines Vaters seien die Republikaner mit der heutigen AfD vergleichbar gewesen, so Max Josef Strauß. Und die habe sein Vater immer entschieden bekämpft.

Klagen will die Familie nach eigenen Angaben allerdings nicht gegen den Versuch der Vereinnahmung. Franz Georg Strauß erklärte laut Zeitungsberichten, die Aussage auf dem Plakat sei wohl durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt.

Die NPD beruft sich auf Martin Luther

Die AfD ist übrigens nicht die einzige Partei am rechten Rand des politischen Spektrums, die mit einem honorigen Zeugen für sich werben will. Die NPD greift bei der Bundestagswahl im Luther-Jahr sogar auf den Reformator selbst zurück und behauptet auf Plakaten: "Ich würde NPD wählen" - daneben ein Porträt Martin Luthers.

Ihre obskure Begründung: Auch Luther habe sich vor 500 Jahren gegen "Meinungsdiktaturen" und die "Beherrschung durch eine fremde Macht" gewehrt.


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