BR Fernsehen - Zwischen Spessart und Karwendel


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Mit Kamera im Fels Die legendäre Watzmann-Ostwand

Sie ist die höchste Felsmauer der Ostalpen. 1.800 Meter stürzt die Watzmann-Ostwand in die Tiefe und ist für Bergsteiger eines der ganz großen Ziele. Wir haben Thomas Huber, den Vater der Huber-Buam, auf dieser Tour begleitet.

Stand: 04.10.2014 | Archiv

Wie oft Thomas Huber schon hinaufgestiegen ist, hat er nicht gezählt, 100 Mal sind es sicher. Einmal hat die ganze Familie mit Ehefrau, den als Extremkletterer berühmt gewordenen Söhnen Thomas und Alexander und ihren Partnerinnen sogar einen "Betriebsausflug" durch die Riesenwand gemacht. Diesmal will Thomas Huber die Ostwand mit seinem Kletterfreund Rainer durchsteigen.

St.Bartholomä am Königssee.

Knapp 2.500 Höhenmeter insgesamt liegen vor ihnen, vom kleinen "Ostwandlager" in einer Blockhütte in St.-Bartholomä über den "Berchtesgadener Weg" auf den Südgipfel und dann über die Gratüberschreitung, die allein schon eine ausgewachsene Bergtour darstellt, hinunter zum Watzmannhaus.

Wer von St.-Bartholomä am Königsee eine gute Stunde in die Schlucht zur Eiskapelle geht, der kann die Wucht spüren, die von der Ostwand ausgeht. Thomas und Rainer gehen dieses erste Wegstück frühmorgens noch im Dunkeln, denn die Länge der Tour fordert einen frühen Aufbruch und zügiges gehen. Am Ende des Eisbachtals, der Eiskapelle gähnt die große Höhlung im Altschneefeld, das von den Lawinen zurückgeblieben ist.

Von hier aus steigt die Ostwand an. Lange Wegstücke in Schrofen und leichtem Klettergelände werden ohne Seil begangen, um Zeit zu sparen. An der Wasserfallwand, einer großen Felsplatte im III.Schwierigkeitsgrad zeigt sich dann erst richtig, wie routiniert und geübt die beiden "alten Haudegen" mit dem vertrauten Gelände umgehen. Hier ist noch nicht einmal die Hälfte der Wand geschafft, der Weg zieht sich, Konzentration und Kraft dürfen nicht nachlassen.

Ohne viel Worte, mit dem knappen Humor von Bergsteigern, die durch dick und dünn gegangen sind, steigen die beiden durch das System aus Rampen, Rinnen, Blöcken und Wänden. Dabei entfaltet sich mehr und mehr die großartige landschaftliche Schönheit dieser Felswildnis in der Weite der Berchtesgadener Alpen. Wegen der Filmaufnahmen dauert die Kletterei diesmal länger als gewöhnlich, aber nach 11 Stunden stehen beide schließlich auf dem Watzmann-Südgipfel.


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