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Herzblut für den Dialekt Das Wörterbuch von Bayerisch-Schwaben

„Herrgottskühlein“, „Lackel“, „Zwuzel“ oder „Klufa“ – Wörter wie diese finden sich im Wörterbuch von Brigitte Schwarz. Rund 35.000 Begriffe, die für die Gegend zwischen Allgäu und Ries typisch sind, hat die Sprachwissenschaftlerin zusammengetragen.

Stand: 19.03.2014 | Archiv

Des Rätsels Lösung gleich vorweg: Ein "Herrgottskühlein" ist ein Marienkäfer, ein "Lackel" ein grober Mensch, ein "Zwuzel“ ein Baby und „Klufa“ sind Wäscheklammern. Über 15 Jahre lang hat Brigitte Schwarz Begriffe gesammelt, die typisch für das Bayerische Schwaben sind.

"Man muß schon bodenständig sein, um das zu machen. Man muß den Leuten auf's Maul schauen. Es ist wichtig, dass man Dialekt spricht!“"

Brigitte Schwarz, Sprachwissenschaftlerin

Prof. Werner König hat das Bayerisch-Schwäbische Wörterbuch herausgegeben.

Schon in den Achtziger Jahren hat sie als Germanistikstudentin am Lehrstuhl von Professor Werner König in Augsburg am Schwäbischen Dialektatlas mitgearbeitet. Daraus ergab sich dann der Forschungsauftrag für das Wörterbuch.

"Sprache ist ein großer Teil der Heimat, das ist ein Teil der Heimat, der immer abrufbar ist!"

Prof. Werner König, Sprachwissenschaftler

"Es ist wichtig, dass man Dialekt spricht!" meint Brigitte Schwarz.

Eine ideale Tätigkeit für Brigitte Schwarz, denn mit dem Forschungsauftrag konnte sie von daheim aus arbeiten und ihre - inzwischen erwachsenen – drei Kinder betreuen. Zuhause ist sie in Edelstetten im Landkreis Günzburg. Die verganenen fünf Jahre arbeitete die Sprachwissenschaftlerin unentgeltlich. „Sponsored by my husband“ meint sie schmunzelnd. Die Mittelschwäbin bereut die Arbeit nicht. Es war eine „wunderschöne Zeit“, in der sie auch viel über ihre Heimatregion und die Menschen dort erfahren hat. Denen will sie den Dialekt näher bringen.

"Es ist ein großer Spagat zwischen der Wissenschaft, es sollte ja auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügen und dann einfach den Leuten, die´s halt einfach interessiert. Das sind halt keine Wissenschaftler, die das alles sofort verstehen, wenn man das mit lateinischen Ausdrücken umgibt, wie es eigentlich der Sprachwissenschaftler macht. Und da immer das runter zu holen auf das Normalverständnis, das ist schon nicht einfach."

Brigitte Schwarz, Sprachwissenschaftlerin

Viele der von Brigitte Schwarz gesammelten Wörter bezeichnen landwirtschaftliche Gerätschaften, die keiner mehr braucht.

Es ist wichtig den Dialekt zu bewahren, sagt sie: „Jedes alte Haus versuchen wir zu erhalten, den Dialekt nicht!“ Dabei gibt er soviel Aufschluß über die Menschen und ihre Geschichte. Er gehört zu ihrer Heimat und in ihrem Dialekt sind die Menschen auch daheim. "Wenn man sich ständig mit Sprache beschäftigt, dann verfolgt sie einen auch!" sagt Brigitte Schwarz und muss dann herzlich darüber lachen, denn schließlich hat sie 15 Jahre ihres Lebens damit zugebracht schwäbische Wörter und Ausdrücke zu sammeln und „in Form“ zu bringen. Das Ergebnis: ein Schwäbisch-Bayerisches Wörterbuch.

Mehr zum Thema:

"Vom Allgäu bis zum Ries - Dialektwörterbuch von Bayerisch-Schwaben", Brigitte Schwarz, herausgegeben von Werner König
Erschienen in der Schriftenreihe der Bezirksheimatpflege Schwaben zur Geschichte und Kultur


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