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Kokoschkas Puppenmacherin Das Leben von Hermine Moos

Die Puppe, die sich Oskar Kokoschka von seiner Geliebten Alma Mahler anfertigen ließ, ist berühmt. Doch über die Puppenmacherin Hermine Moos weiß man fast nichts. Die Journalistin Justina Schreiber wollte das ändern. Eine schwierige und spannende Spurensuche.

Stand: 22.11.2015 | Archiv

Alles begann mit einem Foto ihrer Großmutter, sie war Glasmalerin und gehörte zur Berliner und Münchner Boheme. Justina Schreiber hörte gerne ihre Geschichten, aber immer wenn sie das besondere Foto mit der Alma-Puppe in die Hand nahm, sprach sie abfällig von ihrer Schöpferin.

"Hermine Moos hat von ihr immer so einen verächtlichen Gesichtsausdruck bekommen, und das hat mich immer gewurmt, und das war so der Grund warum ich gedacht habe, ich muss mich ein bisschen um Hermine Moos kümmern."

Justina Schreiber, Journalistin

Hermine Moos mit dem Skelett, das wohl für die Alma-Puppe angefertigt war.

Die Liebesgeschichte zwischen Oskar Kokoschka und Alma Mahler ist legendär. Der wilde Expressionist hatte sich unsterblich in die Witwe von Gustav Mahler verliebt.  Um sie, die ihn nach einer dramatischen Beziehung verließ, zu vergessen, zog er in den Krieg - doch das Gegenteil war der Fall. 1916 kehrt er schwer verwundet und traumatisiert von der Front zurück und vermisste Alma nur umso mehr. Nun hofft er, dass eine Puppe ihn trösten könnte, ein exaktes Abbild von Alma. Dieses Geschöpf seiner Begierde sollte ihm die Münchner Malerin und Puppenmacherin Hermine Moos kreieren. Im Sommer 1918 nahm sie den Auftrag an. Kokoschka fertigte Skizzen von Alma, die er Hermine Moos nach München schickte. Gab exakte Instruktionen und drängt in seinen Briefen: „Ist der Mund zu öffnen? Die Brüste bitte noch mehr detaillieren!“  Beeilen solle die Puppenmacherin sich, und seine neue Braut müsse unbedingt mit Haut aus Seide und echten Haaren ausgestattet sein. Dabei litten die Münchner Hunger, es war die wirre und dramatische Zeit am Ende des Ersten Weltkriegs und vor der Ausrufung der Räterepublik.

Justina Schreiber in ihrem Büro.

Trotzdem schaffte es Hermine Moos die Puppe im Februar 1919 fertigzustellen. Neun Monate hatte sie ununterbrochen an ihr gearbeitet, doch Kokoschka  war von dem „Fetzenbalg“ entsetzt, sein Urteil vernichtend. Dennoch stand die Puppe ihm Modell, je nach Laune, durfte sie in sein Bett oder wurde in den Schrank gesperrt. Die „Frau in Blau“ eines von Oskar Kokoschkas berühmtesten Werken, ist ein Abbild von Hermine Moos' Alma-Puppe.

Doch was wurde danach aus der Puppenmacherin Hermine Moos? Justina Schreiber, versucht seit Jahren das Leben der jüdischen Künstlerin zu rekonstruieren. Und sie fördert dabei immer mehr interessante Mosaiksteine zu Tage...


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