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Zahnmedizin Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Viele Patienten, die unter CMD leiden, haben eine längere Leidensgeschichte hinter sich. Bei Beschwerden wie beispielsweise Schwindel, Tinnitus, Kopf- oder Rückenschmerzen, denken viele Ärzte nicht daran, dass das Kiefergelenk die Ursache sein könnte. Zahnarzt Dr. Dietmar Hellebrand erklärt, welche Symptome auf CMD hinweisen können.

Stand: 09.10.2019

Eine Frau hält ihre Hände in ihren Unterkiefer. | Bild: picture-alliance/dpa

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist die Bezeichnung für eine Fehlfunktion zwischen Cranium (Schädel) und Mandibula (Unterkiefer), die zu Verspannungen der Kau- Kopf- und Gesichtsmuskeln führt und vielerlei Beschwerden im ganzen Körper nach sich ziehen kann.

Ursachen

  • Hauptursächlich führt Zähneknirschen bzw. Pressen (Bruximus) zu Problemen in Kiefergelenk und der Muskulatur, weil diese dabei weit über normal beansprucht werden.
  • Auch Zahn- oder Kieferfehlstellungen, entweder angeboren oder durch schlecht gemachte Kronen oder Füllungen verursacht, können das Problem verstärken. Durch die Fehlstellung werden die Zähne nicht gleichmäßig belastet. Beim Versuch die ungleiche Belastung auszugleichen, verspannen die Muskeln im Gesicht, Kopf und Kauapparat.
  • Fehlhaltungen, Unfälle oder Blockaden an der Wirbelsäule können ebenfalls eine CMD verursachen.

Symptome

Das Craniomandibuläre System, das aus dem Ober- und Unterkiefer, den Kiefergelenken und der Kaumuskulatur besteht, ist über Muskeln, Nerven und Bänder mit der Wirbelsäule, dem Mittelohr, dem Kopf und der Wirbelsäule verbunden. Eine Fehlfunktion kann daher Beschwerden an den verschiedensten Stellen im Körper verursachen. Das ist auch der Grund, warum viele Patienten eine lange Leidensgeschichte mit unzähligen Arztbesuchen hinter sich haben, weil z. B. bei Rücken- oder Knieschmerzen nicht das Kiefergelenk als Ursache in Betracht gezogen wurde. Symptome können sein

  • Schmerzen im Kiefergelenk und/oder eingeschränkte Mundöffnung
  • Zahnschmerzen und überempfindliche Zähne
  • Abplatzungen an Zähnen und Defekte an den Zahnhälsen
  • Kopfschmerzen
  • Schmerzen im Gesicht
  • Nackenverspannungen und -schmerzen
  • Schmerzen in den Schultern oder im Rücken
  • Knieschmerzen
  • Ohrenschmerzen, Ohrensausen oder Knackgeräusche im Ohr
  • Tinnitus
  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Schluckbeschwerden
  • Veränderte Stimme
  • Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Armen bis in die Fingerspitzen

Behandlung

Je früher die Ursache und bereits erfolgte Schäden bekämpft werden, desto besser sind die Heilungschancen und umso geringer sind die Aufwände bzw. Kosten auch bei einer etwaigen Wiederherstellung geschädigter Zähne.

  • Den meisten Patienten wird zunächst eine sog. Aufbissschiene angepasst, die die Zähne vor Abrieb schützen und für eine Entspannung der Kaumuskulatur und eine Entlastung des Kiefergelenks sorgen soll.
  • Zudem wird in der Regel eine Physiotherapie mit Massagen, Dehnübungen, Kälte- oder Wärmeanwendungen verordnet.
  • Medikamente wie Schmerzmittel, Entzündungshemmer oder Muskelrelaxanzien können zusätzlich Abhilfe schaffen.
  • Oftmals wird die ursprüngliche Bisshöhe, die durch das Knirschen an den Zähnen abgesenkt wurde, wiederaufgebaut, um eine wieder gleichmäßige Belastung des Kiefergelenkes zu erzielen.
  • Eine vielversprechende Methode stellt die Behandlung mit Botulinumtoxin (vielen bekannt als BOTOX) dar. Dabei wird die Kaumuskulatur gezielt behandelt und kann den übertriebenen Druck nicht mehr ausüben. Essen, Sprechen und alle üblichen Alltagsbewegungen sind dabei nicht beeinträchtigt. Allerdings lässt die Wirkung zunehmend nach, sodass in der Regel spätestens nach sechs Monaten eine erneute Behandlung erforderlich ist.
  • In sehr seltenen Fällen muss eine offene Operation am Kiefer durchgeführt werden.

Selbsthilfe: effektive Übungen gegen Schmerzen und zur Entspannung

  • Achten Sie tagsüber darauf, Ihre Zähne nicht zusammenzupressen. Diese sollten sich nur beim Kauen und Schlucken kurz berühren.
  • Versuchen Sie, Stress abzubauen und sich zu entspannen, z. B. mit Hilfe von Ausdauersport, Yoga, autogenem Training oder progressiver Muskelentspannung, Coaching, Psychotherapie.
  • Je nach Ursache kann Wärme (z. B. Rotlicht) oder Kälte (z. B. Coolpack) Linderung verschaffen.

Effektive Übung zur Soforthilfe

Massieren Sie mit kreisenden Bewegungen langsam und vorsichtig die Kaumuskulatur an der Stelle, an der Ober- und Unterkiefer aufeinandertreffen.

Weitere Übung zur Soforthilfe

Setzen Sie sich entspannt hin und legen Sie Ihre Zungenspitze locker an den oberen Gaumen (hinter die Schneidezähne). Öffnen und schließen Sie den Mund. Erst wenig, dann immer weiter.


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