BR Fernsehen - Wir in Bayern


4

Zahnmedizin Zahnfleischrückgang - unterschätzte Gefahr

Zahnfleischrückgang ist nicht nur ein optischer Makel. Unbehandelt kann der Verlust von Zähnen drohen. Je früher Zahnfleischschwund erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Zahnarzt Dr. Dietmar Hellebrand klärt über Symptome, Ursachen, Be-handlungsmöglichkeiten und Vorbeugemaßnahmen auf.

Stand: 09.04.2019

Zahnfleischrückgang bei einer Frau  | Bild: colourbox.com

Folgen von Zahnfleischschwund

Normalerweise sind die Zahnhälse vollständig vom Zahnfleisch bedeckt. Geht das Zahnfleisch zurück, werden diese freigelegt. Das Zahnfleisch schützt die Zahnhälse vor Bakterien, da diese nur von einer Schicht sogenannten Wurzelzements überzogen sind, die weniger isolierend und schützend ist als der Zahnschmelz. Eine Folge von Zahnfleischwund können deswegen Zahnhalskaries oder sogenannte keilförmige Defekte sein. Außerdem gibt das Zahnfleisch den Zähnen, die mit ihren Wurzeln im Kieferknochen verankert sind, zusätzlichen Halt.  

Erste Symptome

  • geschwollenes, gerötetes und/oder schmerzempfindliches Zahnfleisch (gesundes Zahnfleisch ist rosa)
  • Zahnfleischbluten
  • Mundgeruch und/oder permanenter schlechter Geschmack im Mund
  • erhöhte Schmerzempfindlichkeit der Zähne (heiß, kalt, süß)
  • optisch wirken die Zähne länger

Sind Zahnverfärbungen nur für die Optik unschön oder gibt es einen medizinisch relevanten Aspekt?

Verfärbungen sind meist nur eine ästhetische Einbuße. Es sei denn, sie werden durch säurehaltige Lebens- und Genussmittel verursacht, durch die nämlich die Zahnhartsubstanz angegriffen wird. Da wird der Zahnschmelz auf Dauer regelrecht weggeäzt und wächst bekanntlich auch nicht nach. Auch dadurch werden Zähne gelblicher, das Dentin im Zahninneren scheint durch. Zudem werden die Zähne anfälliger für Karies und oft empfindlicher auf thermische und chemische Reize.

Ursachen und Risikofaktoren für Zahnfleischrückgang

  • Durch mangelnde Mundhygiene verbleibt Zahnbelag auf den Zähnen, der Bakterien als Nahrungsgrundlage dient. Diese können sich übermäßig vermehren und zu Zahnfleischentzündungen und -rückgang führen.
  • falsche Putztechnik (mit zu viel Druck) oder eine zu harte Zahnbürste
  • Freiliegenden Zahnhälse können eine Folgeerscheinung einer Parodontitis sein (entzündlicher Abbau des Zahnhalteapparats). Unbehandelt kann Parodontitis den Kieferknochen angreifen und zu Zahnverlust führen. Parodontitis hat zudem einen erheblichen Einfluss auf die Allgemeingesundheit, denn sie erhöht unter anderem das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
  • Nächtliches Zähneknirschen schädigt durch die starke Druckbelastung nicht nur die Zähne, sondern auch das Zahnfleisch.
  • Schlecht sitzende Prothesen sowie Zahn-oder Kieferfehlstellungen können zu einer dauerhaften mechanischen Fehlbelastung und in Folge davon zu Zahnfleischrückgang führen.
  • Piercings im Mundbereich (Zunge, Lippenbändchen, Lippe)
  • Krankheiten (z. B. Diabetes, HIV, Krebs) schwächen das Immunsystem, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für Zahnfleischentzündungen und/oder Parodontitis) führt.
  • Lippenbändchen, das zu nah am Zahnfleischrand ansetzt
  • Hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren
  • genetische Veranlagung
  • altersbedingter Rückgang
  • Rauchen
  • Mangelernährung (vor allem Vitaminmangel)

Behandlung

Je früher Zahnfleischrückgang erkannt wird, desto besser lässt er sich behandeln. Deshalb sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt wichtig. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Fortschritt der Krankheit.

Ursachen beseitigen

  • bei Zähneknirschen eine Schiene anpassen lassen
  • Schlechtsitzende Restaurationen ausbessern oder erneuern
  • Zahn- oder Kieferfehlstellungen korrigieren
  • Lippenbändchen entfernen lassen (ist ein ganz kleiner Eingriff)
  • Piercings entfernen
  • Parodontitistherapie
  • Mundhygieneartikel anpassen

Zudem

  • professionelle Zahnreinigung
  • anti-entzündliche Mundspülungen

Ist der Zahnfleischrückgang bereits so weit fortgeschritten, dass es sich nicht mehr regeneriert, kann eine operative Deckung der Zahnhälse gemacht werden. Dabei wird Bindegewebe vom Gaumen an die Stellen verpflanzt, an denen Zahnfleisch fehlt und das bestehende Zahnfleisch in Richtung der Zahnkrone verschoben.
Auch können ggf. Zahnhalsfüllungen aus sog. Compositen angebracht werden.

Vorbeugung

  • nicht rauchen
  • vitaminreiche Ernährung
  • kein übermäßiger Alkoholkonsum
  • Verzicht auf Piercings im Mundbereich
  • gute Mundhygiene: Verwenden Sie eine weiche oder mittelharte Zahnbürste mit einem kurzen Bürstenkopf, die Sie spätestens alle acht Wochen wechseln. Am besten sind elektrische Zahnbürsten, ggf. Schallzahnbürsten, die nahezu ohne Druck auf den Zahn funktionieren.
  • Üben Sie beim Putzen generell keinen übermäßigen Druck aus.
  • Reinigen Sie die Zahnzwischenräume mit Zahnseide, denn gerade dort siedeln sich Bakterien an.
  • Zur optimalen Mundhygiene gehört auch das Reinigen der Zunge mit einem speziellen Zungenreiniger, denn auch auf der Zunge siedeln sich Bakterien an.
  • Zähne mindestens einmal im Jahr beim Zahnarzt kontrollieren lassen
  • Mindestens ein- bis zweimal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung (Prophylaxe) durchführen lassen.

4