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Zahnmedizin Zahnvorsorgeuntersuchungen bei Kindern

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt sind für Kinder extrem wichtig, denn anders als häufig angenommen, hat z. B. Karies an Milchzähnen Auswirkungen auf die bleibenden Zähne. Wird die Zahnpflege und Vorsorge bei Kindern vernachlässigt, können diese ihr ganzes weiteres Leben darunter leiden. Tipps von Zahnarzt Dr. Dietmar Hellebrand.

Stand: 17.01.2020

Kind wird beim Zahnarzt untersucht | Bild: dpa-Bildfunk/Patrick Pleul

Gesunde Milchzähne als Basis für gesunde bleibende Zähne

Regelmäßige Zahnpflege und Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt sind für Kinder extrem wichtig, da bereits im Baby- und Kleinkindalter der Grundstein für ein gesundes Gebiss im Erwachsenenalter gelegt wird.

Durch Früherkennung von Zahnfehlstellungen sind Behandlungen oft vermeidbar. Bereits bei Durchbruch des ersten Milchzahns können Lutschgewohnheiten (Daumen, Finger, Schnuller) und das Kariesrisiko der Mutter ermittelt und gegebenenfalls besprochen werden.

Karies ist eine Infektionskrankheit und wird über den Speichel übertragen. Somit ist der Mundhygienezustand, insbesondere der Mutter, wichtig für die gesunde Entwicklung der Zähne des Kindes. Ziel ist es, den Ausbruch der Krankheit von Anfang an zu unterbinden.
Dennoch unterschätzen viele Eltern die Auswirkungen von Karies an Milchzähnen auf die bleibenden Zähne.

Milchzähne können Karies auf bleibende Zähne übertragen

Weit verbreitet ist die Meinung, dass das Problem Karies spätestens dann erledigt ist, wenn die Milchzähne ausfallen. Das Gegenteil ist der Fall: Kariöse Milchzähne können bleibende Zähne infizieren. Für bleibende Zähne besteht ein vierfach erhöhtes Kariesrisiko, wenn an Milchzähnen Karies aufgetreten ist, vor allem wenn die Zahnfäule über einen längeren Zeitraum nicht behandelt wird. Zudem bedeutet der frühzeitige Verlust der Milchzähne oftmals ein erhöhtes Risiko für Fehlstellungen der folgenden Zähne.

Prophylaxe beim Zahnarzt

Spätestens ab dem 15.-18. Lebensmonat sollte eine Beratung zur Mundhygiene und den Gewohnheiten des Kindes angestrebt werden.

Zweimal jährlich zur Kontrolle ab dem 2. Lebensjahr

Im Alter von 2 Jahren sind fast alle Milchzähne durchgebrochen, dann sollten Kinder zweimal jährlich zur Kontrolluntersuchung zum Zahnarzt gehen. Das hat zudem den Vorteil, dass es für die Kinder ganz normal wird, zum Zahnarzt zu gehen und sie so keine Angst entwickeln. Die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um Karies früh zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln. Unbehandelt kann Karies sich ausbreiten, Entzündungen auslösen und sogar auf den Kieferknochen übergehen. Zudem können bleibende Zähne durch kariöse Milchzähne angesteckt werden.

Bei den Kontrolluntersuchungen werden die Zähne der Kinder in der Regel prophylaktisch mit Fluoridlack behandelt, um Karies vorzubeugen. Zudem werden meist auch die Kauflächen der Backenzähne versiegelt (Fissurenversiegelung), damit in den Rillen keine Karies entstehen kann.
Des Weiteren kontrolliert der Zahnarzt, wie sich das Gebiss beim Zahnwechsel entwickelt. So können bei Fehlentwicklungen rechtzeitig kieferorthopädische Maßnahmen begonnen werden.

Übrigens

Viele gesetzliche Krankenkassen übernehmen einmal pro Jahr die Kosten für eine professionelle Zahnreinigung bei Kindern. Fragen Sie einfach mal bei Ihrer Krankenkasse nach.

Zahnpflege bei Kindern

Eine gründliche Zahnpflege ist vom ersten Zahn an wichtig.

Spezielle Kinderzahnbürsten sind auf Grund der Größe des Bürstenkopfes sinnvoll.

Bis zum 7./8. Lebensjahr nachputzen

Bis zu einem Alter von etwa sieben bis acht Jahren sollten die Zähne von einem Erwachsenen nachgeputzt werden. Grundsätzlich gilt: Erst wenn ein Kind sauber schreiben kann, kann es auch sauber putzen.

Bei Kindern zwischen acht und zehn müssen Eltern die Zähne in der Regel zwar oft nicht mehr nachputzen, sie sollten dennoch regelmäßig nachkontrollieren, ob die Kinder ihre Zähne gründlich geputzt haben.

Achtung: Karies ist ansteckend. Deshalb sollten Erwachsene niemals den Schnuller oder den Löffel von Kindern in den Mund nehmen, falls bei ihnen schon einmal Karies diagnostiziert wurde.

Fluorid

Ab dem ersten Zahn sollte eine spezielle Kinderzahnpasta mit einem Fluoridgehalt von 500ppm (=0,05%) verwendet werden. Fluorid wirkt in erster Linie lokal, also durch den direkten Kontakt mit dem Zahn. Es beschleunigt die Wiedereinlagerung von Mineralien in den Schmelz, was beginnende Karies sogar rückgängig machen kann. Zudem verbessert es die Säureresistenz des Zahnschmelzes. Eine Verabreichung von Fluorid in Tablettenform wird nicht mehr empfohlen. Die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz kann aber hilfreich sein.

Wenn Kinder Zahnpasta zuverlässig ausspucken (ungefähr ab dem Grundschulalter) sollten Kinder die Zähne zweimal täglich mit einer Zahncreme mit mehr Fluoridgehalt (1000ppm) putzen.

Tipp

Meiden Sie gerade bei jüngeren Kindern Zahnpasta mit Fruchtgeschmack, da diese eher heruntergeschluckt wird.

Tipps gegen Angst vorm Zahnarztbesuch

  • Bereiten Sie ihr Kind positiv auf den Besuch vor. Ein Besuch beim Zahnarzt ist keine Strafe, sondern ein Zurschautragen des geleisteten guten Putzens und der schönen Zähne.
  • Drohen sie nicht mit dem Zahnarzt, wie: "Wenn Du nicht putzt, dann müssen wir zum Zahnarzt", denn damit ist der Besuch in jedem Fall negativ vorbehaftet.
  • Spielen Sie zu Hause mit einem Teelöffel als Spiegelersatz Zahnarzt und loben Sie die gute Mitarbeit.
  • Seien sie nicht enttäuscht und zeigen sie es vor allem dem Kind nicht, wenn es beim ersten Besuch beim Zahnarzt nicht den Mund öffnet. Es ist auch ausreichend, wenn der erste Besuch "nur" ein gutes Erlebnis mit Auf- und Abfahren des Behandlungsstuhls oder ein Kennenlernen mit Beratung ist.

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