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Finanzen Tipps zur Wohngebäudeversicherung

Versicherungen gibt es viele - braucht es denn auch eine für Wohngebäude? Nun, mancher Eigentümer, der sich diese Versicherung sparte, stürzte durch Schäden an Immobilien, etwa durch Feuer oder Blitzeinschlag in den finanziellen Ruin. Doch viele Versicherungen weisen große Lücken auf. Finanzexperte Sebastian Hanisch gibt Tipps, worauf Sie bei Ihrer Gebäudeversicherung achten sollten, damit Sie im Schadensfall nicht eine böse Überraschung erleben.

Stand: 23.02.2021 10:38 Uhr

brennendes Haus | Bild: BR

Wohngebäudeversicherungen sind nicht gesetzlich vorgeschrieben. Dennoch sind sie für alle, die eine Immobilie besitzen, ein Muss - unabhängig davon, ob sie selbst darin wohnen oder die Immobilie vermieten. Schäden am Haus oder der Eigentumswohnung, z. B. durch einen Brand, einen Sturm oder eine Überschwemmung können schnell mehrere Hunderttausend Euro betragen und das finanzielle Aus für die Eigentümer bedeuten. Aber viele Versicherungen haben große Lücken, vor allem ältere Verträge. Deshalb lohnt es sich, auch bestehende Versicherungsverträge zu überprüfen. Finanzexperte Sebastian Hanisch erklärt, worauf Sie achten sollten.

Wohngebäudeversicherung für Immobilien und fest verbundenes Inventar

Wohngebäudeversicherungen kommen bei Schäden an Immobilien und dem fest verbundenen Inventar auf. Sie ersetzen die Kosten für notwendige Reparaturen und gegebenenfalls den Wiederaufbau. Zum festen Inventar gehören z. B. Heizungsanlagen, fest verlegte Fußböden, Sanitäranlagen sowie Einbauküchen. Wohngebäudeversicherungen kommen grundsätzlich für folgende Schäden auf (Basisschutz):

Feuerschäden durch Brand, Explosion und Blitzeinschlag. Die Versicherung zahlt nicht nur für die direkten Schäden, sondern auch für die Folgeschäden. Es sind jedoch häufig nur Schäden versichert, die durch Feuer entstanden sind, das sich aus eigener Kraft ausbreiten kann. Sengschäden sind oft ausgeschlossen.

Leitungswasserschäden, z. B. durch Rohrbruch, aber auch Schäden, die auf austretendes Wasser aus Aquarien oder Wasserbetten zurückgehen.

Sturmschäden ab Windstärke 8, z. B. durch abgedeckte Dächer oder auf das Haus gestürzte Bäume. Auch Folgeschäden, wenn es z. B. aufgrund eines beschädigten Dachs ins Haus regnet, sind im Regelfall im Versicherungsschutz enthalten. 

Hagelschäden, z. B. kaputte Fensterfronten, Rollläden oder Glasüberdachungen.

Wohngebäudeversicherungen zahlen auch bei Schäden an Nebengebäuden, die sich auf dem Grundstück befinden, sofern diese im Vertrag aufgeführt sind.

Achtung: Bei sehr alten Policen können teilweise wichtige Bestandteile des Versicherungsschutzes fehlen. Überprüfen Sie daher Ihre Versicherung, vor allem, wenn Sie diese schon vor langer Zeit abgeschlossen haben.

Kein Versicherungsschutz für bewegliches Inventar

Bewegliches Inventar (z. B. Möbel) sind nicht durch die Wohngebäudeversicherung versichert. Für Schäden an beweglichem Inventar kommen Hausratversicherungen auf.

Elementarschadenschutz

Schäden durch Naturgewalten sind in der Regel nicht in Wohngebäudeversicherungen enthalten. Diese Schäden werden durch die Elementarversicherung ("Elementarschutz") abgedeckt. Den Elementarschutz kann man oft auch einfach als Zusatz zur "Basisversicherung" abschließen.

Zu den versicherten Risiken gehören z. B.:

  • Starkregen
  • Überschwemmung durch Grundwasser, Regen oder Hochwasser
  • Erdrutsch
  • Schneedruck
  • Lawinen
  • Erdbeben
  • Rückstau, d. h. Wasser dringt durch Ableitungsrohre ins Haus ein, z. B. aufgrund von Regen oder Überschwemmungen
  • Erdsenkung, d. h. das Erdreich sackt über einem natürlichen Hohlraum ab

Der Abschluss einer Elementarversicherung ist in jedem Fall sinnvoll, nicht nur, wenn die Immobilie in einem Risikogebiet liegt.

Befindet sich das Gebäude in einem besonders gefährdeten Gebiet (z. B. für Hochwasser oder Lawinenabgänge), ist die Elementarschadenversicherung in der Regel teurer bzw. enthält eine hohe Selbstbeteiligung.

Wichtig: Schäden abwenden

Um den Versicherungsschutz nicht zu riskieren, müssen Eigentümer alle Maßnahmen ergreifen, die Ihnen möglich sind, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, um (Folge-)Schäden an der Immobilie abzuwenden, z. B. bei einem Wasserrohrbruch den Hauptwasserhahn abdrehen.

Weitere sinnvolle Leistungsmerkmale einer Wohngebäudeversicherung

  • Grobe Fahrlässigkeit

Viele Tarife schließen grobe Fahrlässigkeit aus, d. h. die Versicherung zahlt nicht oder nur einen Teil, wenn der Schaden durch grobe Fahrlässigkeit verursacht wurde. Dazu zählt z. B. ein Brand, der durch eine unbeaufsichtigte Kerze oder eine vergessene Herdplatte verursacht wurde.

Sehr Wichtig: Achten Sie unbedingt darauf, dass in Ihrem Tarif grobe Fahrlässigkeit eingeschlossen ist und dass die Leistungssumme bei grober Fahrlässigkeit nicht gedeckelt ist.

  • Schäden durch Überspannung

Häufig sind nur Schäden versichert, die durch direkten Blitzeinschlag verursacht werden, nicht solche, die durch Stromspitzen entstehen, wenn ein Blitz in eine externe Stromleitung (z. B. Überlandleitung) einschlägt. Die Eigentümer bleiben ohne entsprechende Tarifanpassung auf den Reparaturkosten für defekte Elektrogeräten sitzen. Das kann sehr teuer werden, wenn beispielsweise die Elektrik der Zentralheizung oder eine Smart-Home-Anlage durch Überspannung beschädigt wurde.

  • Abbruch und Aufräumkosten

Auch die Kosten für Abbruch und Aufräumarbeiten, z. B. nach einem Brand, sollten eingeschlossen sein, denn hier können ohne Versicherungsschutz hohe Kosten auf die Eigentümer zukommen.

  • Dekontamination des Erdreichs

Gelangen Giftstoffe ins Erdreich, z. B. durch den Austritt von Heizöl oder Löscharbeiten der Feuerwehr mit Schaum, muss die kontaminierte Erde abgetragen und erneuert werden. Das kann hohe Kosten verursachen.

  • Mutwillige Beschädigung

Auch die mutwillige Beschädigung (Vandalismus) durch Dritte ist häufig nicht versichert, macht aber durchaus Sinn.

  • Transport- und Lagerkosten

Sind Transport- und Lagerkosten (Bewegungs- und Schutzkosten) nicht in Ihrem Tarif enthalten, müssen Sie dafür selbst aufkommen, wenn z. B. Möbel während der Sanierung aufgrund eines Versicherungsfalles ausgelagert werden müssen.

  • Mehrkosten durch Bauauflagen

Muss eine Immobilie nach einem Schaden wiederaufgebaut werden, kann das aufgrund aktuell geltender behördlicher Bauauflagen teurer werden, als den ursprünglichen Standard wiederherzustellen, z. B. aufgrund einer teureren Wärmedämmung, die nun Pflicht ist. Sind diese Mehraufwendungen nicht explizit im Tarif eingeschlossen, müssen sie vom Eigentümer getragen werden. Das kann v. a. bei älteren Häusern teuer werden.

  • Rauch- und Rußschäden

Auch die Beseitigung von Rauch- und Rußschäden kann hohe Kosten verursachen. Häufig sind jedoch nur Schäden versichert, die durch offene Flammen entstanden sind.

  • Sachverständiger

Die Kosten für Sachverständige sind nicht in allen Tarifen enthalten, können aber je nach Schadenshöhe sehr hoch sein.

  • Hotelunterbringung

Ist eine Immobilie aufgrund eines Schadens nicht bewohnbar, kann es sinnvoll sein, dass die Versicherung die Kosten für die Unterbringung in einem Hotel oder einer Mietwohnung übernimmt.

  • Mietausfall

Bei vermieteten Immobilien sollte auch der Mietausfall aufgrund eines Schadens versichert sein, v. a. dann, wenn die Mieteinnahmen dazu dienen, den Immobilien-Kredit abzuzahlen.

Nicht versicherbare Schäden

Schäden an Immobilien, die durch Krieg, innere Unruhen, Kernenergie (Reaktorunfall) oder Vorsatz verursacht wurden, sind grundsätzlich nicht versichert.

Kosten für eine Wohngebäudeversicherung

Die Kosten für eine Wohngebäudeversicherung ergeben sich aus der Größe, der Ausstattung, dem Alter und der Lage der Immobilie (Risikogebiete). So wird Deutschland beispielsweise bei Leitungswasserschäden, abhängig vom Härtegrad des Wassers, in der Regel in vier Risikogebiete eingeteilt, denn hartes Wasser greift die Rohre stärker an, so dass eher Schäden zu erwarten sind.

Aber auch die Tarife für ein und dieselbe Immobilie können bei gleichem Versicherungsschutz bei verschiedenen Versicherungen um mehrere 100 Euro pro Jahr voneinander abweichen. Vergleichen lohnt sich daher.

Wichtig: Wertverbesserungen unbedingt melden

Nehmen Sie eine Wertverbesserung an Ihrer Immobilie vor, z. B. Bau einer Sauna oder eines Wintergartens, müssen Sie das Ihrer Wohngebäudeversicherung melden, um im Schadensfall nicht unterversichert zu sein und somit den Schaden nicht vollständig ersetzt zu bekommen. Bei einer Wertverbesserung darf der Versicherer jedoch die Prämie erhöhen.

Fazit

Eine Wohngebäudeversicherung ist ein Muss für alle Immobilieneigentümer. Es lohnt sich, v. a. bei älteren Verträgen, regelmäßig zu überprüfen, ob der Versicherungsschutz noch ausreichend und das Preis-Leistungs-Verhältnis noch angemessen ist.

Aber: Kündigen Sie Ihren bestehenden Vertrag erst, nachdem Sie einen neuen abgeschlossen haben, denn die Versicherungen müssen Sie nicht versichern. Vor allem für Altbauten kann es schwierig sein, eine neue Versicherung zu guten Konditionen zu bekommen. In jedem Fall sollten Sie zuerst beim aktuellen Versicherer nachfragen, ob er Ihnen bessere Konditionen anbieten kann.


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