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Wirtshaustipp Weinstube Altes Rathaus in Unterhaid

"Fränkisch anders, durchaus kreativ und überraschend" - so das Resümee unseres Wirtshausexperten Wolfgang Schneider über die Küchenart in der Weinstube Altes Rathaus. Und man kann sich in diesem ehemaligen Rathaus sogar noch trauen lassen.

Stand: 25.12.2017 | Archiv

Weinstube Altes Rathaus außen | Bild: BR

Das Besondere an dieser Weinstube

"Man spürt, dass hier Menschen arbeiten, die Spaß an ihrer Arbeit haben und Lust darauf, den Gast zu verwöhnen. 15 Jahre lang haben hier Christine Günthner und ihre Freundin Alexandra Sterzl bedient. Als vor zwei Jahren eine neue Pächterin gesucht wurde, hat Christine Günthner, die sich 'ein Leben ohne Weinstube nicht vorstellen konnte', zugeschlagen. Ihre Freundin Alexandra, eine gelernte Konditorin, ist für das Süße zuständig und schreibt zusammen mit Koch Marc Cornelius die Speisekarte. Serviert wird in einem historischen Haus, das, der Name der Weinstube verrät es, 1684 als Rathaus wurde. Hier kamen die Ratsmitglieder mit ihrem Bürgermeister zusammen. Ein Zimmer diente als Amts-, ein anderes als Krankenstube. Hier wurden auch die Utensilien für die Feuerwehr aufbewahrt. Diese Funktion hatte das Haus noch bis 1978. Dann drohte es zu verfallen. Gott sei Dank hat sich die Gemeinde Oberhaid (die Weinstube liegt im Ortsteil Unterhaid) dazu entschlossen, das Gebäude zu sanieren. So wurde 1991 aus dem Rathaus eine Weinstube. Eine Amtshandlung wird hier allerdings immer noch vollzogen: Es finden Trauungen statt."

Die Weinstube Altes Rathaus von innen

"Wenn man über den Boden geht, so sagt die Wirtin lachend, 'ist man nüchtern schon betrunken'. In der Tat vermitteln die eingetretenen, breiten Fichtenbohlen ein sanft schwankendes Auf und Ab. Selten habe ich ein Wirtshaus mit so viel Patina erlebt. Das viele Holz in Fachwerkbauweise, die umlaufende Eckbank, die Türen mit alten Beschlägen, der Kachelofen, das Klavier: All das summiert sich in drei kleinen Räumen, in denen etwa 50 Gäste Platz haben, zu einem harmonischen Ganzen."

Die Küchenart

"Fränkisch anders, durchaus kreativ und überraschend. Beispielsweise die Mohn-Polenta, die Spaghetti in Zimtbutter oder die Thunfischpraline auf dem Vorspeisenteller. Großen Wert wird auf allzeit frisches Gemüse gelegt. Das stammt - wie die Mehrzahl der Lebensmittel - aus der Region. Alles ist handgemacht. Das Bier wird aus dem benachbarten Bamberg angeliefert, Weine und Brände sind ausschließlich fränkischer Natur. Die erfreulich übersichtliche Speisekarte wechselt alle drei Wochen."

Wolfgang Schneiders Hauptspeise

"Als Hauptspeise hatte ich einen raffiniert zubereiteten Heilbutt - in Pergamentpapier eingepackt, gesalzen und mit Olivenöl beträufelt. Mit ins Packerl kommen Fenchel, Tomaten, Orangen und Orangenabrieb. Das Ganze wird bei 180 Grad für 10 bis 12 Minuten in den Ofen geschoben. Der Gast öffnet das Fisch-Packerl am Tisch und bekommt so die ganzen Aromen geballt in die Nase. Dazu wird Gewürzcouscous und Petersiliencremolata serviert. Ein eher außergewöhnliches Gericht, schön für das Auge und wirklich gut für den Gaumen."

Wolfgang Schneiders Nachspeise

"Ebenfalls ein Augen- sowie Gaumenschmaus war die Nachspeise: weißes Schokoladenküchle im Tartelette mit Kokoskrokant. Hierfür wird Kuvertüre erhitzt und mit Crème fraîche sowie Eigelb verrührt. Das Ganze kommt für 15 Minuten bei 170 Grad in den Ofen. Der mit Cointreau abgelöschte, karamellisierte Zucker wird mit Grapefruit, Orangen und Kumquat verfeinert. Drachenfrucht und Thai-Basilikum komplettieren diese Nachspeise. Ein süßer Traum, kreiert von einer gelernten Konditorin."

Preise

Der Heilbutt kostet 18,80 Euro, das Schokoküchle 6,80 Euro. Weitere Hauptspeisen liegen preislich zwischen 13 und 22 Euro.

Öffnungszeiten

Mittwoch bis Sonntag ab 17.00 Uhr
Montag und Dienstag Ruhetag, auf Wunsch allerdings geöffnet für mindestens 20 Personen.
Unbedingt reservieren!
Das Wirtshaus ist nicht barrierefrei!

Anreise

Von Nürnberg aus sind es zirka 70 km, von München etwa 240 km.

Freizeittipp

"Ich empfehle, gut zwei km von Unterhaid nach Oberhaid zu gehen oder zu fahren und die schöne Kirche St. Bartholomäus anzuschauen. Das ursprünglich aus dem 15. Jahrhundert stammende Gotteshaus erhielt in der Barockzeit ihre jetzige Ausstattung. Die alte Saalkirche mit den beiden Seitenaltären wurde 1975 mit der neuen Pfarrkirche verbunden. Ein durchaus spannender, architektonischer Kontrast."


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