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Wirtshaustipp Gasthof Höhn im oberfränkischen Memmelsdorf

Ein Familienbetrieb, der bereits seit 1783 besteht, muss auch nach einem Lockdown noch existieren. Darum hat sich die Familie Höhn kurzerhand etwas einfallen lassen: Das erste Schäuferla Drive-In Bambergs. Wirtshausexperte Andi Christl hat es sich für uns angeschaut.

Stand: 03.02.2021

Landgasthof Höhn  | Bild: BR/Andi Christl

Und so beurteilt unser Wirtshausexperte Andi Christl den Gasthof Höhn:

In Familienbesitz seit 1783 und erstes Schäuferla Drive-In Bambergs

"Aufstehen, umdenken, weitermachen! Nachdem Familie Höhn ihren Gasthof wegen der Corona-Pandemie vorübergehend schließen musste, haben sie kurzerhand den ersten Schäuferla Drive-In Bambergs eröffnet. Bestellungen gehen telefonisch ein und das Essen kann anschließend kontaktlos abgeholt werden. Mit dem Auto fahren Gäste hier an ein Fenster am Gasthof, bezahlen die Bestellung und geben ihre mitgebrachten Töpfe ab. Diese werden dann von Küchenchef Sebastian mit den bestellten Speisen befüllt und direkt ans Auto gebracht.
Neben dieser kreativen Idee ist aber auf jeden Fall die Familiengeschichte der Höhns besonders. Seit 1783 befindet sich das Wirtshaus in Familienbesitz. Inzwischen schmeißt die siebte und achte Generation den Laden. Gemeinsam durchlaufen sie einen ständigen Optimierungsprozess, der durch Weitblick und Kreativität besticht. Birgit, Georg, Lisa und Sebastian sind gelernte Gastronomen oder wie der Senior sagt: 'als Familie simma a Pfund'.
Ein 'Pfund' ist auch die hauseigene, historische Brauerei, in der Georg die Sudkessel immer noch mit Feuerholz heizt. Auch in der Gaststube hat sich seit den 70er-Jahren wenig verändert und genau das macht für viele Stammgäste den Charme aus."

Traditionell fränkische Küche

"Das ganze Jahr über kocht Sebastian fränkisch und traditionell. Er  versucht, mit Schäuferla-Burger und vegetarischen Gerichten auch immer mehr das junge Publikum anzusprechen. 'Doch an Silvester hau ich drauf und koche so wie ich‘s in den Sternerestaurants gelernt habe.'
Sebastian hat aber nicht nur für Starköche wie Alexander Herrmann gekocht, sondern er ist selbst auch Küchenmeister und gelernter Brauer. Er macht die Soßenansätze mit Knochen und versucht so viel es geht hausgemacht auf den Teller zu bringen. Eines merkt man auf der Karte aber recht schnell: Das hauseigene Görchla Bier (Georg Bier) wird hier nicht nur getrunken, sondern auch liebend gerne für Soßen verwendet."

Die Hauptspeise: 650 Gramm fränkisches Schäuferla mit Görchlabiersoße, Klöße und Bamberger Wirsing

"Die Schulter vom Schwein wird an der Hautseite eingeritzt und mit Salz, Pfeffer und Kümmel gewürzt. Die Fleischstücke landen dann auf einem Bett aus Wurzelgemüse und werden bei 135 Grad für zweieinhalb Stunden ins Rohr geschoben. Natürlich darf auch bei diesem Gericht ein Schuss Görchla Bier nicht fehlen. Sebastian bindet die Soße anschließend nur noch mit Stärke ab, damit auch Gäste mit einer Gluten-Unverträglichkeit diese fränkische Spezialität essen können.
Der Wirsing wird geputzt, gekocht und minimalistisch mit Salz, Pfeffer, Muskat sowie Gänseschmalz gewürzt. Ein Esslöffel Natron sorgt beim Kochen der Blätter dafür, dass das Gemüse nicht grau wird. Zu guter Letzt bekommt das Schäuferla noch seine typische Kruste, indem es bei 250 Grad für ca. 15 Minuten von oben gegrillt wird.
Das Fleisch ließ sich ohne Probleme vom Knochen lösen, die Knödel waren seidig, der Wirsing gut abgeschmeckt und leuchtend Grün. Die 650 Gramm sind auf jeden Fall eine Ansage und hungrig geht hier sicher niemand nach Hause."

Das Dessert: Hausgemachte Apfelkräpfla in der Zimt-Zucker Kruste

"Dieses Gericht schmeckt fast besser als bei der Oma, vermutlich, weil sie damals noch keine Vanilleschote in den Teig gegeben hat. Die großen Gala Äpfel werden geschält, das Kernhaus entfernt und in dicke Scheiben geschnitten. Ihre knusprige Haut bekommen die Kräpfla, indem man die Apfelringe in einen Teig aus Mehl, Vanille, Eigelb, Bier und geschlagenem Eiweiß taucht. Goldbraun ausgebacken im Fett, bekommt das Dessert seinen letzten Schliff. Zimt und Zucker verleihen dem Dessert seinen typischen Geschmack, der bei so manchem Gast Kindheitserinnerungen wecken lässt.
Außerhalb des Lockdowns wird dieses Dessert mit einem Karamell-Vanille-Eis serviert und freundlicherweise durfte ich bei meinem Besuch eine Kugel probieren. Ein Karamell-Ansatz wird dazu mit Sahne abgelöscht, mit Vanille verfeinert und anschließend mit Eigelb zur Rose abgebunden. Ich liebe Eis und muss sagen, dass mir die Cremigkeit und der Geschmack dieses hausgemachten Eis ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben. Bei diesen 'Kleinigkeiten‘ merkt man einfach, dass Sebastian sein Handwerk nicht nur erlernt, sondern über die Jahre auch immer weiter perfektioniert hat."

Preise

"Georg ist der Finanzguru im Hause Höhn. Er kennt die Lieferanten und weiß ganz genau, wieviel und vor allem was da auf dem Teller liegt.
Das Schäuferla ToGo kostet mit Beilagen 14,90 Euro und 2 Stück der gebackenen Apfelkräpfla gibt es für 2,80 Euro. Es gibt sicherlich Wirtshäuser in Oberfranken, in denen man für einen Hauptgang weniger bezahlt, aber gerade bei Fleisch ist günstiger nicht immer besser."

Adresse

Gasthof Höhn
Hauptstraße 11
96117 Memmelsdorf

Tel: 0951/406140
hotel-gasthof-hoehn.de

Dieses Wirtshaus ist barrierefrei.

Küchenzeiten außerhalb des Lockdowns

Montag bis Freitag: 17.00 bis 21.00 Uhr
Wochenende und Feiertage: 11.30 bis 14.00 Uhr und 17.00 bis 21.00 Uhr

Schäuferla Drive-In während des Lockdowns

Freitag bis Sonntag: 17.00 bis 19.00 Uhr
Sonntag: 11.00 bis 14.00 Uhr

Anreise

"Von Bamberg aus erreichen Sie Memmelsdorf mit dem Fahrrad in 20 Minuten. Die Anbindung mit dem Auto ist perfekt, da der Ort fast direkt an der A70/A73 liegt. Ein Bus nach Memmelsdorf fährt außerdem stündlich vom Bamberger ZOB."

Freizeittipp: Schloss Seehof

"Zehn Gehminuten vom Gasthof entfernt befindet sich das Schloss Seehof. Dieses wurde ab 1686 als Sommerresidenz der Bamberger Fürstbischöfe errichtet und ist heute für Besucher und Spaziergänger frei zugänglich. Der Schlosspark eignet sich ganz wunderbar für einen entspannten Verdauungsspaziergang. Wer der Renaissance weniger abgewinnen kann und gerne tiefer ins Bier-Thema eintauchen möchte, wird entweder von Wirt Georg in ein Gespräch über seine Brauerei und die Geschichte des Brauens verwickelt, oder findet in Memmelsdorf die erste Station des 13 Brauereien Wanderwegs."

Fazit

"Die Familie Höhn gehört zur Gruppe Vollblutgastronomen, die sich auch von einem Virus nicht unterkriegen lässt. Jede Generation hat dem Wirtshaus seinen ganz eigenen Charme verliehen. Wenn sie auch weiterhin mit Ideenreichtum und Mut wachsen, dürfen wir wohl noch viele Jahrzehnte im Gasthof Höhn in Memmelsdorf einkehren."

Andi Christl, Wirtshausexperte


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