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Wirtshaustipp Gasthaus Laurer in Birgland in der Oberpfalz

Auf seiner Suche nach empfehlenswerten Wirtshäusern hat Andi Christl in der Oberpfalz eine experimentierfreudige und trotzdem traditionelle Küche entdeckt, in der Vater und Sohn gerne neue Kreationen austüfteln. Wer hier eine Schlachtschüssel und Blutwurst sucht, ist fehl am Platz. Heutzutage werden im Gasthaus Laurer eher regionales Bio-Rind und hausgemachtes Roggenbaguette serviert.

Stand: 11.09.2020

Gasthaus Laurer innen | Bild: BR

"Wir in Bayern" hat mit dem Wirtshausexperten Andi Christl gesprochen, der seine Bewertung für das "Gasthaus Laurer" in Birgland gegeben hat.

Das Besondere an diesem Wirtshaus

"Wo früher Schlachtschüssel und Blutwurst serviert wurden, bestellt man heute Carpaccio vom regionalen Bio-Rind oder ein hausgemachtes Roggenbaguette. Wer jetzt ein hochpreisiges Speiselokal erwartet, hat sich geschnitten. Obwohl das Hauptaugenmerk auf Handwerk und Regionalität liegt, sind die Preise im Gasthaus Lauerer alles andere als unverschämt.
Im Jahr 1899 erbaut, wird das Wirtshaus heute in der sechsten Generation von Wirt Andreas Laurer geführt. Zusammen mit Papa Rainer schmeißt er die Küche. Gemeinsam tüfteln sie allerlei neue Kreationen aus.
Obwohl Andreas in vielen Spitzenküchen zwischen Kitzbühel und Hamburg unterwegs war, hat er seine Wurzeln nie vergessen. So finden sich in vielen Gerichten Zutaten aus seiner Oberpfälzer Heimat."

Experimentierfreudige, aber trotzdem traditionelle Küche

"'Weil die Kürbissaison vorbei war, haben wir eben eine warme Suppe aus Honigmelonen entworfen', erzählt der Seniorchef. Gemeinsam mit seinem Sohn hat er auch schon einen Erdburger entworfen, eine süße Dessertvariante des Fast Food-Klassikers, die aus zwei Biskuitböden, einem Panna Cotta Patty und einer Pfefferminzsahne besteht. Allein an diesen beiden Gerichten merkt man schon, dass die zwei Küchenprofis schon mehr von der Welt gesehen haben, als das Sunzendorfer Ortsschild von hinten.
Die Küche im Gasthaus Laurer ist experimentierfreudig und trotzdem traditionell. 'In der Küche haben wir noch einen alten Holzofen, weil er dem Braten einfach einen besseren Geschmack gibt als das elektronische Modell', so der Koch.
Nudeln, Brot oder Bratwürste werden noch hausgemacht und die Kälber vom Nachbarhof ausschließlich mit Milch und nicht mit Silage oder Heu gefüttert. Dadurch erhält man eine Fleischqualität, die für uns Normalbürger nur sehr schwer zu bekommen ist.“

Andi Christls Hauptspeise

"Als Hauptspeise hatte ich Surf & Turf vom Birkländer Bio-Rind und Garnele mit Pastinakenpüree, Thai-Gemüse und Weißbier-Zabaione. Das Rindersteak aus der Hüfte wird auf beiden Seiten gewürzt, zusammen mit Thymian und Knoblauch scharf angebraten, bevor es ein paar Minuten im Ofen ruhen darf. Dadurch kann das Fleisch entspannen und es tritt beim Anschneiden weniger Saft aus. Zwei gebratene Garnelen komplementieren das Surf & Turf-Gericht.
Für die Beilage brät Andreas Laurer feine Gemüsestreifen mit etwas Butter und Olivenöl in der Pfanne an. Abgeschmeckt wird das Gemüse mit einer hausgemachten Teriyaki-Soße, bestehend aus Sojasoße, Knoblauch und Pflaumensaft.
Als zweite Beilage gibt der Küchenchef außerdem noch ein Pastinakenpüree auf den Teller. Zuletzt wird aus Eigelb, regionalem Weißbier, Olivenöl und Salz eine Weißbier-Zabaione gezogen. Eine herrlich würzige Kombination aus heimischem Rind und exotischem Fisch, das durch das Thai-Gemüse einen weiteren internationalen Touch erhält und durch die geschmeidige Weißbier-Zabaione die Oberpfälzer Heimat nicht in den Hintergrund rücken lässt."

Andi Christls Nachspeise

"Gazpacho von Himbeeren und Paprika mit Biskuit-Crumble und hausgemachtes Meersalz-Lavendel-Eis - dieses Dessert schmeckt genauso abgefahren wie es klingt. Wer nur die Gazpacho probiert, stellt einen intensiven Paprikageschmack fest, der einen eher an eine Vorspeise als ein Dessert erinnert.
Gleich danach übernimmt aber die angenehme Himbeernote das Ruder und zusammen mit den anderen Komponenten ist das Dessert auf jeden Fall das richtige Gericht für experimentierfreudige Gäste.
Für die Gazpacho werden rote Paprika und Himbeeren zu gleichen Teilen in Süßwein weichgekocht und anschließend durch ein Sieb passiert. Ein wenig Chili verleiht dem Dessert etwas Schärfe und den letzten Schliff.
Belädt man den Dessertlöffel mit allen Komponenten, entsteht eine wunderbare Harmonie im Mund.
Das Meersalz-Lavendel-Eis wird aus Ei, Sahne, Crème fraîche, Lavendel sowie Meersalz hergestellt und ist hausgemacht. Der Biskuit-Crumble gibt dem Gericht Struktur und rundet das Gericht ab.
Wer ansonsten nur Vanilleeis mit heißen Himbeeren isst, wird von diesem Dessert wohl etwas überrascht sein und sollte sich vielleicht für eine der anderen hausgemachten Dessertspezialitäten entscheiden. Gästen, die aber immer wieder auf der Suche nach neuen, interessanten Geschmacksexplosionen sind, kann ich dieses Gericht wärmsten ans Herz legen."

Preise

"Sieht man sich die Speisekarte an, kosten fast alle Hauptgänge zwischen 12 und 19 Euro, wodurch die 26,80 Euro für den Surf & Turf-Hauptgang vergleichsweise teuer erscheinen. Vergessen Sie aber nicht, dass es sich bei den Zutaten um absolute Top-Ware handelt. Deshalb finde ich den Preis für den Hauptgang angemessen.
Brotzeiten sind mit durchschnittlich 7 Euro absolut bezahlbar. Das Dessert für 8,80 Euro ist das neue Geschmackserlebnis auf jeden Fall wert, zumal jede Komponente hausgemacht ist. Wer einen schönen kulinarischen Abend verbringen möchte, sollte sich für das 4-Gang-Menü mit Weinbegleitung für 57 Euro entscheiden."

Adresse

Gasthaus Laurer
Sunzendorf 2 ½
92262 Birgland

Tel: 09666/276
E-Mail: info@gasthaus-laurer.com
www.gasthaus-laurer.com

Dieses Wirtshaus ist barrierefrei.

Anreise

"Das Gasthaus Laurer liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Nürnberg und Regensburg und ist weit weg von der nächsten Autobahn. Sportliche Gäste können sich überlegen, von Amberg aus mit dem Fahrrad nach Sunzendorf zu fahren. Grundsätzlich empfehle ich aber eine Anreise mit dem Auto."

Öffnungszeiten

Montag Ruhetag (außer an Feiertagen)
Dienstag bis Freitag 10.00 bis 14.00 Uhr und 17.00 bis 23.00 Uhr
Samstag 10.00 bis 23.00 Uhr
Sonntag 10.00 bis 22.00 Uhr

Warme Küche:
11.30 bis 14.00 Uhr und 17.00 bis 21.00 Uhr

Freizeittipp: Burgruine Lichtenegg

"Ein 3,6 km langer Wanderweg führt Sie zur nahe gelegenen Burgruine Lichtenegg. Hier sollten Sie sich auf jeden Fall den Zauberwald-Orchideenweg anschauen, der durch märchenhafte Felsformationen und verschiedenste Blumenarten besticht.
Die Burgruine ist durch ihre grandiose Aussicht von jeher ein beliebtes Ausflugsziel für das Sulzbacher und Hersbrucker Land. Erbaut wurde die Burg wohl Ende des 12. Jahrhunderts. Noch heute werden Ausgrabungen von damals, wie Nägel oder Tonscherben, in Schaukästen ausgestellt.
Oben angekommen hat man eine herrliche Sicht über das hügelige Hersbrucker Tal. Wer eine Brotzeit im Rucksack hat, kann sich mitten in der Burgruine auf zwei Bänken und einem netten Tisch niederlassen. Wer ganz viel Glück hat, bekommt von den Einwohnern Lichteneggs einen Apfel oder eine Birne aus dem eigenen Garten geschenkt.
Eine wunderbare Wanderung mit herrlicher Aussicht und ein guter Freizeittipp für alle, die nach dem Wirtshausbesuch etwas Bewegung brauchen."

"Es erwartet Sie eine kreative und experimentierfreudige Küchenkunst in einem kleinen, versteckten 35-Einwohner-Ort im westlichen Zipfel der Oberpfalz."

Andi Christl, Wirtshausexperte


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