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Zahnmedizin Weisheitszähne

Wenn’s weit hinten im Kiefer drückt, sind es oft die Weisheitszähne, die sich melden. Fordern sie Platz ein, der nicht vorhanden ist oder werden sie zum Entzündungsherd, müssen sie raus. Das Wichtigste zum Thema Weisheitszähne erklärt Zahnarzt Dr. Dietmar Hellebrand.

Stand: 25.09.2018

Weisheitszähne | Bild: picture-alliance/dpa

Weisheitszähne

Die Weisheitszähne, auch Achter genannt, wachsen als letzte der insgesamt 32 Zähne aus dem Kiefer heraus. Achter heißen sie, weil sie als achter Zahn in jedem Quadranten des Kiefers ganz hinten liegen. Meistens kommen sie erst ab dem 15. Lebensjahr, manchmal jedoch auch früher oder sehr viel später, bei manchen auch gar nicht. Verbleibt ein Weisheitszahn ganz oder zum Teil im Kiefer, spricht man von einem retinierten bzw. teilretinierten Weisheitszahn. Dieser kann, genauso wie ein ausgebildeter Weisheitszahn, Probleme machen, so dass eine Entfernung nötig wird.

Wann sie bleiben dürfen

Wenn im Kiefer genug Platz ist, kann man die Weisheitszähne komplett herauswachsen lassen. Der Zahnarzt kontrolliert in Abständen, ob der Zahn selbst, die angrenzenden Zähne und das Zahnfleisch in Ordnung bleiben und ob die Zahnreihenstellung sich nicht gravierend verschiebt. In manchen Fällen können sogar retinierte Weisheitszähne im Kiefer verbleiben, was Zahnarzt und Patient individuell mit Hilfe eines Röntgenbildes entscheiden.

Wann sie raus müssen

Bei Jugendlichen ist das Wurzelwachstum noch nicht beendet und die Entfernung eines Weisheitszahns aus der weicheren Knochensubstanz daher meist unkomplizierter als bei Erwachsenen. Im Jugendalter werden oft vorsorglich die Weisheitszähne gezogen, oft im Rahmen einer kieferorthopädischen Therapie, z. B. wenn offensichtlich zu wenig Platz für ein Herauswachsen der Weisheitszähne vorhanden ist.

Es gibt zahlreiche Gründe dafür, dass ein oder mehrere Weisheitszähne entfernt werden müssen:

  • wenn die Lage der Weisheitszähne die angrenzenden Zähne oder deren Wurzeln schädigt und Entzündungen, Abszesse oder Taschen entstehen
  • bei Karies
  • wenn sich an im Kiefer verbliebenen Weisheitszähnen Zysten bilden
  • wenn die Lage der Weisheitszähne Fehlstellungen oder Verschiebungen der Zahnreihe auslösen
  • wenn die Weisheitszähne zu wenig Platz zum Herauswachsen haben und eine kieferorthopädische Therapie nicht in Frage kommt
  • wenn eine Reinigung nicht gewährleistet werden kann, weil die Weisheitszähne nur schwer mit der Zahnbürste erreicht werden können (Hygienehemmnis)

Weisheitszahn-OP & Narkose

Wird ein herausgewachsener Weisheitszahn mit gerader Wurzel gezogen, lässt sich dies unter örtlicher Betäubung erledigen, wie bei jedem anderen Zahn auch. Doch je nach Lage des Zahnes, z. B. tief im Kiefer oder gekippt, ist ein operativer Eingriff notwendig. Dieser kann meist ebenfalls in örtlicher Betäubung erfolgen. Falls erwünscht, kann der Eingriff auch unter Narkose erfolgen. Die Narkose wird individuell besprochen, das Spektrum reicht von leichten Sedierungen bis zur Vollnarkose, z. B. bei Angstpatienten.

Alle vier oder einer nach dem anderen?

Wenn mehrere Weisheitszähne entfernt werden müssen, gibt es die Möglichkeit, alle vier auf einmal ziehen zu lassen. Dies hat den Vorteil, dass "alles in einem Aufwasch" erledigt ist, ist jedoch nach der OP unangenehmer - es entstehen schließlich vier Wunden auf einmal. Letztlich wird individuell je nach Art und Umfang des Eingriffs und nach Patientengemüt entschieden, ob dann jeweils der obere und untere Weisheitszahn einer Seite getrennt oder beide Seiten gemeinsam Entfernt werden.

Tipps für die Weisheitszahn-OP

Um die Geräusche während der OP zu reduzieren und sich abzulenken oder zu beruhigen, helfen meist Musik oder Hörbücher, die man über Kopfhörer während des Eingriffs hören kann. Manche berichten auch von guten Erfahrungen mit Meditationstechniken, sich in Gedanken z. B. an einen schönen Ort zu versetzen und dabei eine Distanz zur OP-Situation zu erreichen.

Das ist nach der OP zu beachten

Gerade nach einer OP im Sommer sollte man sich nicht in die pralle Sonne begeben. Wärme oder gar Hitze sind zu vermeiden. Stattdessen viel von außen kühlen und bis zu zwei Tage nach der OP dreimal täglich Ibuprofen einnehmen, danach nach Bedarf.

Für eine noch bessere Heilung des Gewebes empfiehlt Dr. Hellebrand Platet riched-fibrin (PRF). Hier wird dem Gewebe Plättchen- und Leukozyten-reiches Fibrin gespritzt, das die Wundheilung verbessert. Die Kosten hierfür werden nicht von den Krankenkassen übernommen und betragen ungefähr 150€ je Knochenfach das entsteht.


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