BR Fernsehen - Wir in Bayern


5

Wein Irrtümer rund ums Thema Wein

Zum Thema Wein halten sich nach wie vor hartnäckig einige Irrtümer, z. B. dass Rotwein immer bei Zimmertemperatur getrunken werden sollte. Mit Irrtümern rund um das Thema Wein räumt unsere Sommelière und Weinexpertin Conny Ganß auf.

Stand: 17.10.2019

Wein | Bild: colourbox.com

Irrtum 1: Rotwein sollte bei Zimmertemperatur getrunken werden

Diese Aussage wäre richtig, wenn wir noch im späten Mittelalter leben würden und sich die durchschnittliche Zimmertemperatur zwischen 16 und 18 Grad bewegen würde. Damals konnte man den Rotwein im "Wohnbereich" lagern und wusste, wenn man ihn öffnet, hat er eine schöne Trinktemperatur. Gott sei Dank ist dies nicht mehr so und wir genießen heute in der Regel eine gemütliche Zimmertemperatur von knapp über 20 Grad. Somit trifft die Regel, dass man Rotwein bei Zimmertemperatur trinken sollte, nicht mehr zu.

Die perfekte Trinktemperatur für Rotwein liegt zwischen 14 und 18 Grad, für Weißwein zwischen 10 und 14 Grad. Leider wird dennoch Rotwein meist viel zu warm und Weißwein eiskalt getrunken.

Weintipp

2017 Etna Rosso DOC, Tenuta Terre Nere
Anbaugebiet: Sizilien, Italien
Preis: ca. 16 Euro

Die meisten verbinden mit Sizilien vor allem eines: Hitze. Doch dies gilt nicht für die Weinberge der Tenuta Terre Nere. Die Lagen befinden sich zwischen 700 und 1000 Metern über dem Meeresspiegel und sind damit die höchstgelegenen Rotweinlagen in Europa. Durch die Höhe ist es dort sehr kühl. Zu den niedrigen Temperaturen kommt ein sehr karger Boden in steiler Lage, denn die Weinberge liegen direkt am Fuße des Ätna. Alles muss von Hand bearbeitet werden und die Ausbeute ist sehr gering. Zudem schwanken die Temperaturen zwischen Tag und Nacht sehr stark. Diese Faktoren ergeben einen intensiven, extrem vielschichtigen und absolut eleganten Wein, der rein gar nichts mit einer "Fruchtbombe" aus einer heißen Region zu tun hat. Filigran und geschliffen, seidiges Tannin und feine Frucht - so schmeckt großartiger Wein vom Ätna. Dieser Rotwein sollte leicht gekühlt um die 12 Grad serviert werden, damit er dann beim Trinken etwa 13 bis 14 Grad hat. Diese Kühle lässt den Wein noch mehr strahlen und unterstützt seine Feinheit.

Irrtum 2: Käse passt immer gut zu Rotwein

Rotwein und Käse passen zusammen, aber nur in wenigen Fällen. Im Hartkäsebereich, z. B. zum reifen Bergkäse oder dem Klassiker Parmigiano Reggiano, ist ein Glas Rotwein eine wunderbare Wahl. Bei anderen Käsearten, wie Weichkäse, halbfestem Schnittkäse oder reiferem Frischkäse, passt selten ein Rotwein. Der Genuss kommt bei diesen Sorten in der Kombination mit Weißwein. Weißweine haben nämlich nur ganz selten Gerbstoff (Tannin), was bei Rotwein fast immer gegeben ist. Der Gerbstoff im Wein und das Eiweiß im Käse sind keine gute Kombination. Darum passt in den meisten Fällen Weißwein besser zum Käse.

Weintipp

2018 Riesling Classic, Weingut Kerpen
Anbaugebiet: Mosel, Frankreich
Preis: ca. 7,50 Euro

Mit seiner schönen Frucht, vollreif und typisch für einen Riesling aus der Mosel, überzeugt dieser Riesling Classic vom Weingut Kerpen in vollen Zügen. Die Spannung aus blumiger Aromatik, saftiger Frucht nach weißem Pfirsich mit der gewissen Frische durch die schmackhafte Säure, ist er ein absoluter Allrounder zum Käse. Wichtig ist hier, dass dieser Riesling Classic nicht ganz trocken ist. Aber keine Sorge, er ist auch weit weg von reiner Süße. Die Balance aus Restsüße und reifer Säure gibt ihm eine charmante und trinkfreudige Art mit auf dem Weg. Durch dieses Wechselspiel passt er sowohl zu leichten, feinen Ziegenfrischkäse-Sorten, klassischen Brie-Sorten, bis hin zum feinen Bergkäse. Und wer großer Blauschimmel-Käse Fan ist, wird mit dem Riesling Classic vom Weingut Kerpen auch seine Freude haben. Dieser Wein ist für mich ein perfekter Käse-Wein, wenn man sich nicht nur auf eine Käsesorte festlegen will und trotzdem mit einem Wein einen schönen Abend erleben möchte.

Irrtum 3: Weißwein sollte jung getrunken werden

Es gibt keinen wirklichen Grund, warum Rotwein besser altern sollte als Weißwein. Diese Aussage hat sich dennoch in die meisten Köpfe eingebrannt. Beide Arten von Wein entstehen aus Weintrauben und haben, bis auf den Gerbstoff-Anteil, exakt die gleichen Inhaltsstoffe: Säure, Zucker, Extrakt, Mineralik und natürlich Alkohol.

Und genau diese Inhaltstoffe benötigt jeder Wein, egal ob Rot- oder Weißwein, in der richtigen Balance, um über die Jahre reifen zu können. Je mehr davon im Wein enthalten ist und je intensiver das Weingut dafür gearbeitet hat, dass die Weine alles mit auf dem Weg bekommen, was einen guten Wein ausmacht, desto besser können sie reifen. Leider werden Weißweine häufig etwas stiefmütterlich behandelt, was sehr schade ist. Die besten Weine dieser Welt sind Weißweine und können genauso, wenn nicht sogar noch besser, altern wie Rotweine.

Also gerne mal einen etwas reiferen Weißwein kaufen und genießen. Sie werden feststellen, dass es sehr viel mehr Freude bereitet. Oder auch einfach mal einen Weißwein recht jung kaufen, weglegen und sich in ein paar Jahren freuen, dass man so viel Geduld hatte.

Weintipp

2015 Randersacker Marsberg Weißburgunder 1. Lage trocken, Weingut Störrlein Krenig
Anbaugebiet: Franken
Preis: ca. 14 Euro

Guter Wein wächst naturnah und wird nicht im Weinkeller "gemacht". Geduld und Ruhe im Weingarten, sowie viel Gefühl und Erfahrung im Weinkeller, ergeben herrlich ehrliche und feine Weine. Das Weingut Störrlein Krenig aus Randersacker in Franken überzeugt immer wieder aufs Neue mit seinen eleganten und zugänglichen Weinen. Dieser Weißburgunder aus der Einzellage Marsberg zeigt nun, nach ein paar Jahren Ruhe in der Flasche, all seine Facetten. Hätte man ihn früher getrunken, hätte man bestimmt schon die Schönheit und Qualität erkannt, aber der Wein hätte noch nicht alles gezeigt, was in ihm steckt. Das gleiche Phänomen wird man immer erleben, wenn vielschichtige, gut produzierte Weißweine zu früh aufgemacht werden. Man bekommt einfach nicht alles, was man "bezahlt" hat.


5