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Wein Internationale Weinetiketten richtig lesen

Wissen Sie, welche Angaben auf jedem Weinetikett stehen müssen und welche freiwillig sind? Sommelière und Weinexpertin Conny Ganß gibt Tipps, wie Sie internationale Weinetiketten richtig lesen. Denn so manches verrät die Qualität des Weines. Außerdem empfiehlt sie drei Weine - aus Österreich, Italien und Frankreich.

Stand: 17.09.2019

Weine aus Italien | Bild: picture-alliance/dpa

Weinrecht

Das Weinrecht der Europäischen Union bildet den Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen innerhalb der europäischen Weinwelt. Da die vorherrschenden klimatischen und geologischen Grundvoraussetzungen von Land zu Land und von Region zu Region unterschiedlich sein können, werden in bestimmten Fällen Kompetenzen an die weinbautreibenden Länder der EU übertragen. Somit hat das Weinrecht innerhalb der EU Gemeinsamkeiten, es weist aber auch nationale Unterschiede auf.

Das europäische Weingesetz regelt, welche Angaben auf dem Etikett stehen müssen und welche freiwillig sind. Somit sind die Informationen, wie wir sie von deutschen Etiketten kennen, auch in Ländern wie z. B. Österreich, Italien und Frankreich zu finden.

Pflichtangaben sind

  • Herkunft
  • Erzeuger bzw. Abfüller
  • Alkoholgehalt
  • Nennvolumen

Keine Pflichtangaben sind z.B.

  • Jahrgang
  • ob der Wein trocken oder halbtrocken ist
  • Rebsorten

Um in etwa abschätzen zu können, ob sich der Wein qualitativ auf einer guten Ebene befindet, sollten wir also vom Etikett folgende Informationen erhalten:

  • Wo kommt der Wein her? (Faustregel: je genauer die Herkunft angegeben ist, desto selektiver wurde gearbeitet)
  • Welcher Jahrgang? (Damit kann man selbst abschätzen, ob der Wein alt oder jung genug für den Anlass ist)
  • Ist der Erzeuger bzw. Abfüller in etwa in der gleichen Region wie die Herkunftsangabe es mir angibt? (In der Regel sollte der Erzeuger bzw. Abfüller in der Region vor Ort sein, wo auch der Wein geerntet und produziert wird. Natürlich gibt es auch positive Ausnahmen, aber, wenn man nicht viel über den Wein weiß, ist das schon ein ganz guter Anhaltspunkt.)

Das alles sind Tipps und Faustregeln, die einem bei der Auswahl helfen können. Am Ende gilt allerdings: Der Wein muss vor allem schmecken! Und Ausnahmen bestimmen bekanntlich die Regeln.

2015 Bordeaux AP, Jean-Pierre Moueix

  • Anbaugebiet: Bordeaux, Frankreich
  • Preis: ca. 9,80 Euro

"Man könnte sagen, dass die französischen Qualitätsstufen Vorbild für die restliche Weinwelt sind. Ihre Einteilung in die sogenannten ‚Appellation d’Origine Protégée‘ (geschützte Herkunftsbezeichnungen) gilt als eine der ersten Einteilungen weltweit, um die Besonderheit, Tradition und Typizität einzelner Regionen und Rebsorten zu schützen. Sobald diese drei Buchstaben (A.O.P.) auf dem Etikett zu finden sind, kauft man geprüfte Qualität ein. So hat auch die Region Bordeaux diesen Standard vor langer Zeit erhalten und zählt zu den berühmtesten Weinbauregionen der Welt. Große Namen wie Château Mouton-Rothschild oder Petrus stammen aus dem Bordeaux. Ebenso berühmt wie die Region selbst sind auch die Rebsorten: Carbernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc. Die Familie Moueix zählt zu den bedeutendsten Winzern und Händlern im Bordeaux. Dieser ‚einfache‘ Bordeaux aus dem Hause Jean-Pierre Mouiex verkörpert alles, was einen Bordeaux ausmacht: ein vielschichtiger Duft von roten Früchten, feine Noten von Tabak und dunklen Beeren. Am Gaumen ist er vollmundig und verführerisch, mit schöner Saftigkeit. Die wunderbare Würze und das feine Tannin ergeben einen hervorragenden und sehr typischen Bordeaux. Gebratenes Rinderfilet mit Trüffel-Waldpilz-Pappardelle ist ein wunderbares Gericht zu diesem Wein."

Conny Ganß, Weinexpertin

2018 Grüner Veltliner "Hirschvergnügen" Kamptal DAC, Weingut Hirsch

  • Anbaugebiet: Kamptal, Österreich
  • Preis: ca. 9 Euro

"In Österreich wurde mit dem DAC-System eine Einteilung der Qualitäten mit dem französischen AOP-System als Vorbild eingeführt. DAC ist die Abkürzung für ‚Districtus Austriae Controllatus‘ und steht auch hier für besonders gebietstypische Qualitätsweine. Die strengen Auflagen und Regeln für Weinbau und Weinbereitung etc. bringt uns am Ende tolle und geprüfte Qualität in die Flasche. Das familiengeführte Weingut Hirsch aus Kammern in der niederösterreichischen Weinregion Kamptal konzentriert sich seit nunmehr 20 Jahren auf zwei weiße Rebsorten - Grüner Veltliner und Riesling. Dieser klare Rebsorten-Fokus in Kombination mit biodynamischem Weinbau, ergibt hervorragende Weinqualitäten, die zu 100 Prozent ihre Herkunft wiederspiegeln. Der Grüne Veltliner mit dem schönen Namen 'Hirschvergnügen' bereitet vor allem eines: Vergnügen. Er hat Schmelz und Mineralität, tollen Trinkfluss und eine wunderbare Würze, für die der Grüne Veltliner berühmt ist. Den DAC-Status für diese Region gibt es nur für Grünen Veltliner oder Riesling. Die Tradition und die Qualitäten, die aus diesem Gebiet mit den beiden Rebsorten erlangt werden, sprechen für sich. Der 2018 Grüner Veltliner vom Weingut Hirsch zeigt, wie harmonisch und fein Grüner Veltliner sein kann. Er begeistert mit einem tollen Schmelz im Gaumen und der gewissen Würze durch die perfekten Böden. Dieser Wein ist ein Klassiker zum Backhendl mit Erdäpfel-Vogerlsalat."

Conny Ganß, Weinexpertin

2016 Rosso di Montalcino DOC, Weingut Altesino  

  • Anbaugebiet: Toskana, Italien
  • Preis: ca. 15,50 Euro

"Die Toskana zählt definitiv zu den ganz großen Weinanbaugebieten der Welt. Neben dem Chianti zwischen Florenz und Siena ist im Süden die Region um die Stadt Montalcino weltberühmt für ihre Weine, hauptsächlich aus der Rebsorte Sangiovese. Der Vorzeige-Wein der Region mit langer Tradition und typischer Stilistik, ist der bekannte Brunello di Montalcino. Es muss aber nicht immer gleich der ganz große Wein sein, denn mit der 'kleinen Elite', dem Rosso di Montalcino hat man sehr viel Freude und der Geldbeutel hat dann auch noch etwas übrig für andere schöne Dinge. Hier erkennen wir auf dem Etikett die Abkürzung D.O.C., was so viel bedeutet wie 'Denominazione di origine controllata', was in Deutschland in etwa der Qualitätswein ist. Der Zusatz in Italien mit D.O.C.G. ('e garantita') steht für Gebiete mit einem besonders prestigeträchtigen Hintergrund und noch strengeren Auflagen. Ähnlich dem deutschen Prädikatswein. Das Weingut Altesino ist ein Vorreiter in der Region um Montalcino. Zu den wohl fortschrittlichsten Entwicklungen zählt, dass das Weingut Altesino 1979 den Barrique-Ausbau (Holzfass-Ausbau) erstmals in der Anbauregion Montalcino einführte. Unter anderem verhalf diese Neuerung der ganzen Region zu großem Ansehen. Durch die sehr guten Weinbergslagen, die im Besitz von Altesino sind, erhalten wir im Glas sehr feine, aber trotzdem komplexe und vielschichtige Weine. Sie sind geprägt durch eine saftige und dunkelbeerige Frucht nach Brombeeren. Dieser Wein hat eine typische, leicht mediterrane Würze mit schöner, dunkler, runbinroter Farbe. Die Rebsorte Sangiovese glänzt bei diesem Rosso mit Fülle und Schmelz am Gaumen. Der Gerbstoff ist wunderbar weich und saftig. Ein stolzer Toskaner, der sehr schön das Terroir (= Boden, den man im Wein schmecken kann) der Maremma widerspiegelt. Er passt perfekt zum Bistecca alla Fiorentina."

Conny Ganß, Weinexpertin


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