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Wein Deutsche Weinetiketten richtig lesen

Oft genug steht man vor dem Weinregal im Supermarkt und ist mit der großen Auswahl überfordert. Doch im Grunde sagt das Etikett alles, was Sie wissen müssen, um den passenden Wein zu finden. Wie Sie deutsche Weinetiketten richtig lesen, erklärt Sommelière und Weinexpertin Conny Ganß.

Stand: 09.09.2019

Weinflaschen aus Deutschalnd im Supermarkt | Bild: picture-alliance/dpa

Pflichtangaben auf dem Etikett, die schon viel über den Wein aussagen, z. B.:

  • Qualitätsstufe: Tafelwein, Landwein oder Qualitätswein. Faustregel hier ist, dass der Qualitätswein schon mal kein schlechter Griff ist.
  • Herkunft: Hier gilt: Je kleiner das Gebiet ist, das auf dem Weinetikett steht, desto besser ist meist die Qualität des Weines, da der Winzer selektiver arbeiten musste.

Steht beispielsweise „Qualitätswein aus Deutschland“ auf dem Etikett, haben wir schon einmal eine gute Basis. Steht dann auch noch die Region wie z. B. Franken drauf, wird der Wein noch mehr Charakter haben. Das geht rauf bis zur einzelnen Parzelle aus einem einzigen Weinberg wie beispielsweise „Iphöfer Kalb“.

Keine Pflichtangaben:

  • Jahrgang: Schauen Sie sich also unbedingt die Flasche genau an und suchen Sie den Jahrgang. Falls der bei einem Stillwein um die 5 Euro nicht angegeben ist, wird es etwas schwierig mit der Qualität.
  • Aufmachung: Lassen Sie sich nicht von der Aufmachung der Flasche blenden! Hier gilt: Weniger ist mehr. Die Kosten für eine aufwendige, extrem schwere Flasche, Sonderausstattung etc. zahlt natürlich am Ende der Kunde mit. Und Sie wollen ja vor allem den Inhalt zahlen und nicht das Drumherum.

2018 Justinus K. trocken, Weingut Karl Haidle, Württemberg

Anbaugebiet: Württemberg

Preis:              ca. 9,90 Euro

Conny Ganß: "Moritz Haidle ist ein junger Nachwuchswinzer, der sich bereits einen großen Namen gemacht hat und das Weingut Karl Haidle weiterführt. 'Gute Weine werden im Weinberg gemacht und nicht im Keller', so der Grundsatz dieses Weinguts. Moritz Haidle setzte stellte gleich zu Beginn das Weingut komplett auf biologischen und naturnahen Weinbau um. Die Flasche und Aufmachung ist schlicht und auf den Punkt gebracht. Die Herkunft ist klar: Qualitätswein aus Deutschland/Württemberg. Der Jahrgang 2018 aus der Rebsorte Justinus K. ist trocken ausgebaut. Die Rebsorte wurde 1929 von August Herold gezüchtet und ist eine Kreuzung von Trollinger und Riesling.
Dieser schöne Einstiegswein vom Weingut Haidle ist in der Nase feinfruchtig, leicht exotisch, mit etwas Kräutern. Am Gaumen ist er vielschichtig und elegant.
Justinus K. ist ein toller Speisebegleiter und passt auch mal zur etwas schärferen Asia-Küche. Oder genießen Sie einfach ohne Essen ein schönes Glas Wein."

2018 Pündericher Marienburg Riesling Spätlese trocken, Weingut Lay

Anbaugebiet: Mosel, Deutschland

Preis:              ca. 7,80 Euro

Conny Ganß: "Das Weingut Lay ist ein familiengeführter Betrieb, der seit über zehn Jahren an der Mosel im schönen Ort Pünderich wunderbare Weine produziert. Der Fokus liegt ganz klar auf der Rebsorte Riesling, die in extremen Steillagen in mühevoller Handarbeit geerntet und bearbeitet wird. Dieser Wein ist ein wunderbares Beispiel für die Eingrenzung der Herkunft auf den kleinstmöglichen Nenner – einer einzelnen Parzelle in einem Weinberg. Der Winzer Matthias Lay arbeitet hier extrem selektiv, da diese kleine Parzelle sich einfach anders entwickelt, schmeckt und zu bearbeiten ist, als der Rest des Weinbergs. Außerdem lohnt es sich, diese Besonderheit als eigene ‚Serie‘ zu verkaufen. Zusätzlich zu dieser sehr eingegrenzten Herkunft, trägt der Wein ein sogenanntes Prädikat „Spätlese“. Prädikatsweine sind in Deutschland typisch und dafür sind wir auch weltbekannt. Spätlese bedeutet, wie der Name schon sagt, dass der Wein recht spät gelesen wurde. Dies hat natürlich Einfluss auf den Geschmack, denn je länger man als Winzer abwartet zu lesen, desto reifer werden die Trauben. Aber es steigt auch die Gefahr, dass die zarten, vollreifen Trauben durch Regenwetter oder Sturm verletzt werden. Dann wären die Geduld und das Risiko umsonst.
Der 2018 Riesling Spätlese trocken zeigt voller Glanz und Typizität, was einen Riesling aus der weltberühmten Weinregion Mosel ausmacht. Klar und straff mit saftiger Säure, komplex und tiefgründig, ohne dabei an Finesse einzubüßen. Die vollreifen Trauben, die für die Spätlese benötigt werden, kommen hier von sehr alten Reben, die teilweise schon 65 Jahre alt sind.
Genießen Sie diesen feinduftenden Riesling am besten zu geschmorten Hühnerkeulen mit Kürbis."

2016 „Blutsbruder“ Rot trocken, Weingut Karl May

Anbaugebiet: Rheinhessen

Preis:              ca. 12,50 Euro

Conny Ganß: "Bereits in der siebten Generation steht die Familie May für handwerklichen Weinbau. Peter und Fritz, zwei Brüder, produzieren zusammen mit ihrer Familie Weine nach ökologischen Richtlinien. Und nein, die Familie hat nichts mit dem berühmten Schriftsteller Karl May zu tun. Mit der Serie ‚Blutsbruder‘ wollen die Brüder ihren Zusammenhalt und ihre enge Verbindung darstellen. Es ist ein sehr schönes Beispiel für eine deutsche Rotweincuvée. Die Rebsorten, die sie für diese Cuvée sorgfältig ausgewählt haben, sind Cabernet Sauvignon, Merlot und Dornfelder. Selten finden diese Rebsorten in Deutschland so ideale Bedingungen zum Wachsen und Gedeihen vor, wie im schönen Wonnegau. Es ist absolut normal, mehrere Rebsorten in einer Komposition zu vereinen. Für mich ist es eine ganz große Kunst, das Beste der einzelnen Rebsorten so miteinander zu vermählen, dass am Ende noch etwas Besseres rauskommt. Auf dem Etikett stehen nicht immer die verwendeten Rebsorten, denn es geht bei einer Cuvée meist um die Komposition und nicht um die einzelnen Rebsorten. Wir sind es in Deutschland nur gewöhnt, eher reinsortige Weine zu trinken. In anderen Ländern sieht das ganz anders aus.
Der Blutsbruder Rot ist ein stolzer, tiefdunkler Rotwein mit einer markanten Struktur. Kraftvoll und geschmeidig zugleich. Er begeistert nicht nur Winnetou-Fans, sondern jeden, der gerne volle Rotweine genießt.
Dieser Wein passt besonders zu geschmortem Rehschäuferl mit Maronipüree."


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