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Erbrecht Schenken oder vererben - was ist sinnvoll?

Schenken oder vererben? Mit dieser Frage beschäftigt sich unser Erbrechtsexperte Prof. Klaus Michael Groll. Denn egal, ob es sich um ein großes oder um ein kleines Vermögen handelt, vererben muss nicht immer die beste Lösung sein. Sicher hingegen ist, egal, wofür Sie sich entscheiden, es muss wohlüberlegt und gut geplant sein.

Stand: 04.12.2018

Ein Papierhaus, das mit Geschenkband eingewickelt ist und von zwei Händen an zwei andere Händen überreicht wird. | Bild: picture-alliance/dpa

Welche Gründe sprechen für eine Schenkung?

Die eigenen Kinder unterstützen

Manche Eltern sehen in einer vorzeitigen Schenkung den Vorteil, dass sie die Dankbarkeit der Kinder noch erleben und auch sehen, was mit dem Vermögen passiert.

Steuern sparen

Mit einer Schenkung lässt sich bares Geld sparen, weil die steuerlichen Freibeträge besser genutzt werden können und das ganz legal. Bei Ehegatten und eingetragenen Lebenspartnern beträgt der Freibetrag 500.000 Euro, bei Kindern 400.000 Euro. Die Freibeträge bei der Schenkung- oder Erbschaftsteuer können alle zehn Jahre neu ausgeschöpft werden, so dass eine Schenkung bei Lebzeiten dazu führen kann, dass das Vermögen steuerfrei oder steuerbegünstigt auf die Vermögensnachfolger übertragen werden kann. Teilschenkungen sind unter diesem Aspekt empfehlenswert.

Hinweis: Sowohl der Beschenkte als auch der Schenker ist verpflichtet, die Schenkung innerhalb von drei Monaten beim Finanzamt anzuzeigen, sofern sie nicht notariell oder gerichtlich beurkundet wird. Dies gilt auch für Vermögen, das nur im Ausland vorhanden ist, z. B. eine Ferienwohnung. Die Anzeigepflicht entfällt ebenfalls, wenn die Schenkung eindeutig nicht zu einer Besteuerung führt, also bei Gelegenheitsgeschenken.

Vermögen auf sonstige Familienmitglieder oder andere nahestehende Personen übertragen

Das Schenken kann die Lösung für diejenigen sein, die nicht ihre Kinder oder Ehepartner als Erben einsetzen wollen, sondern z. B. Neffen und Geschwister. Denn hier sind die Freibeträge bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer deutlich niedriger.

Unliebsame Verwandte kürzer kommen lassen

Die eigenen Kinder haben, wenn sie enterbt wurden, einen gesetzlichen Pflichtteilsanspruch. Dieser kann zu Lebzeiten durch eine Schenkung an andere gemindert werden. Und zwar mindert sich der Anspruch für jedes Jahr, das dem Tod des Erblassers vorausgeht, um zehn Prozent.

Immobilien lieber verschenken oder hinterlassen?

Für die eigene Wohnung oder das eigene Häuschen gilt eine Sonderregelung. Soll ein Grundstück oder eine Eigentumswohnung an den eigenen Ehepartner geschenkt werden, kann die Immobilie sogar ohne Inanspruchnahme des Freibetrags steuerfrei geschenkt werden. Dieser muss dann nicht eine bestimmte Zeit lang in dem Objekt wohnen bleiben. Beim Vererben dagegen fallen für die Immobilie erst dann keine Steuern an, wenn die Erben (Ehepartner oder Kind) das Eigentum mindestens zehn Jahre lang nach dem Tod des Erblassers selbst nutzen.

Wo lauern mögliche Gefahren bei einer Schenkung?

Eine Gefahr lauert darin, dass man die Folgen einer Schenkung nicht zu Ende gedacht hat. Wenn man eine größere Geldsumme, ein Haus oder eine Eigentumswohnung schenkt, dann ist das ein wirklich endgültiger Schritt, denn "geschenkt ist geschenkt". Jeder sollte sich also gut überlegen, ob er jemandem Teile seines Vermögens schon zu Lebzeiten überlassen möchte und mögliche Folgen bedenken. Lassen Sie sich von niemandem unter Druck setzten, schon gar nicht von den eigenen Kindern und auch vom Steuerberater oder Notar sollten Sie sich nicht überreden lassen. Sollten Sie eine Schenkung in Erwägung ziehen, lassen Sie sich in jedem Fall von einem Erbrechtsexperten individuell beraten.

Schenkung einer selbst genutzten Immobilie

Gerade wer seine selbst genutzte Immobilie verschenkt, der sollte sich vertraglich die Nutzungsrechte auf jeden Fall vorbehalten. Dabei wird zwischen Wohnrecht und Nießbrauchrecht unterschieden. Beim Nießbrauch kann die Wohnung selbst bewohnt, aber auch vermietet werden. Beim reinen Wohnrecht ist die Vermietung ausgeschlossen.

Nur eines von mehreren Kindern wird beschenkt

Wenn nur einem von mehreren Kindern eine Immobilie übertragen wird, muss berücksichtigt werden, dass auch die anderen Kinder im Erbfall einen festgeschriebenen Pflichtteilsanspruch haben. Unter bestimmten Umständen kann es dazu kommen, dass das beschenkte Kind einen finanziellen Ausgleich für die empfangene Immobilie an seine Geschwister zahlen muss.

Kann ich eine Schenkung auch rückgängig machen?

Die Schenkung lässt sich - anders als ein Testament, das geändert werden kann - nur unter bestimmten Bedingungen rückgängig machen. Sie können sich aber vertraglich ein Hintertürchen offenlassen und Regeln oder weitere Gründe für eine mögliche Rückgängigmachung der Schenkung mit aufnehmen. Diese Hintertürchen werden im Fachjargon "Rückfallklauseln" genannt. Die Klauseln können in Kraft treten im Falle groben Undanks des Beschenkten oder bei dessen Tod vor dem Ableben.


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