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Reise Wanderherbst in der Wildschönau

Im Herbst ist die Wildschönau das perfekte Reiseziel für alle Natur- und Wanderliebhaber. Im Herzen der Kitzbüheler Alpen in Tirol gelegen, eignet es sich von Bayern aus auch wunderbar für ein verlängertes Wochenende. Reiseexpertin Annette Eckl verrät ihre ganz persönlichen Tipps, u. a. was Sie dort unbedingt unternehmen und essen sollten.

Stand: 26.09.2018 | Archiv

Wanderherbst in der Wildschönau - Markbachjoch | Bild: Annette Eckl

Was ist für Annette Eckl das Besondere an der Wildschönau?

"Das wunderschöne Hochtal im Herzen der Kitzbüheler Alpen in Tirol besticht allein schon durch seine reizvolle Lage ohne Durchgangsverkehr. Noch bis Ende Oktober gibt es geführte Wanderungen auf 300 km Wanderwegen. Da ist für jeden etwas dabei. In der Wildschönau haben die vielen kleinen Orte ihren ganz eigenen Charme: Niederau, Oberau, Mühltal, Auffach und Thierbach. Gerade Thierbach gilt durch seine hohe abgeschiedene Lage als wahres Bergidyll und ist der kleinste Ort in der Wildschönau.

Besonders romantisch sind die vielen schönen Dorfrundwege, oft am Bach entlang mit den typischen Bauernhäusern. Wer im Herbst die Sonne sucht, findet sie auf jeden Fall in Oberau auf 935 Metern, mit seiner barocken Kirche. Das Bergdorf Auffach besticht durch seine Bachpromenade, dem sogenannten Holzweg entlang der Wildschönauer Ache und dem einzigartigen, sehenswerten Holzmuseum.

Das ist nicht das einzige kleine, feine Museum im Hochtal. Auch das Bergbauernmuseum in Oberau (donnerstags immer mit dem traditionellen Handwerksmarkt) oder das Silberbergwerk in Thierbach sind weit mehr als nur eine Schlechtwetter-Alternative.

Auf jeden Fall einen Besuch wert ist das nur ein paar Kilometer entfernte Rattenberg, die kleinste Stadt Tirols. Sie liegt malerisch am Inn, mit kleinen Gässchen sowie schönen Fassaden und ist auch für Glasbläserei bekannt."

Anreisemöglichkeiten

Auto
München - Oberau: 120 km, ca. 1 Std. 40 Min.
Nürnberg - Oberau: 290 km, ca. 3 Std. 30 Min.

Bahn
München - Wörgl: 1 Std. 10 Min., ab 19,90 Euro einfach (Super Sparpreis Europa)
Nürnberg - Wörgl: 2 Std. 40 Min., ab 29,90 Euro einfach (Super Sparpreis Europa)
Weiterfahrt mit Postbussen in die Wildschönau, z. B. nach Oberau: ca. 30 Minuten, ca. 4,50 Euro

Tipp

Mit der Gästekarte ist die Fahrt mit den Bergbahnen gratis, beliebig oft, auch der Eintritt ins Bergbauernmuseum und ins Silberbergwerk ist frei. Besonders originell im Tal ist die Fahrt mit den Bummelbahnen, die verschiedenste Orte anfahren, bis hinauf nach Thierbach zur Kundlerklamm oder zur Schönangeralm. Gut geeignet, um einfach mal das Auto stehen zu lassen.

Was sollte man in der Wildschönau unbedingt unternehmen?

Panoramawandern und Hüttenflair

"Bei über 300 km Wanderwegen ist für jeden etwas dabei: von einfachen Bach- oder Almen-Wanderungen bis zu anstrengenderen Tal-Gipfel Pfaden mit so einigen Höhenmetern. Oder wir starten schon gleich ganz oben und genießen die Panoramablicke bis zum Wilden Kaiser und die Einkehrmöglichkeiten in den vielen bewirtschafteten Hütten.

Zwei Aussichtsberge sind da auch gut mit der Bergbahn zu erreichen: der Schatzberg und das Markbachjoch. Gerade das Markbachjoch (1496) ist bekannt bei den Gleitschirmfliegern. Schon von der Bergstation aus sehen wir die vielen bunten Paraglider, wie sie sich zum Start fertigmachen. Alleine schon das Zuschauen ist ein Erlebnis. Dort bekommt der ein oder andere vielleicht auch Lust, es selber einmal auszuprobieren.

Für Familien mit kleineren Kindern sind folgende Touren gut machbar: der kurze Anstieg über eine romantische Kapelle zum Gipfel oder ca. 30 Minuten einfach zur Holzalm (auch Kasalm genannt), eine nette Alm mit einer Schaukäserei. Eine weitere Variante sind die ca. 30 Minuten zur Mittermoosenalm (1323 m), auf der es wunderbare Brotzeitbrettl gibt und sehr gastfreundliche Wirtsleute. Je nach Kondition und Wetterlage sind natürlich auch weitere Touren möglich."

Vom Mühltal zur Kundler Klamm

"Die Kundler Klamm an der Wildschönauer Ache zählt zu den schönsten Naturschluchten in Tirol. Sie liegt zwischen dem Mühltal und dem Inntal, verbindet die Wildschönau mit dem Ort Kundl und ist vor etwa 235 Millionen Jahren entstanden.

Ausgangspunkt ist das wunderschöne Mühltal mit seinen schönen Bauernhäusern entlang der Wildschönauer Ache und der kleinen, auf einem Felsen gelegenen Lourdes Kapelle.

Nach der kleinen Rundtour durchs Mühltal steigen wir in die Bummelbahn und landen direkt beim Einstieg in die Klamm. (Sie fährt von Mai bis Oktober stündlich zwischen 10 und 16 Uhr.)

Die idyllische Wanderung durch die Klamm führt uns vorbei an steilen Felswänden, rauschenden Wassermassen und durch markante Felstunnel. Das Schöne ist, dass dieses beeindruckende Naturspektakel gut machbar ist, einfach ca. 1 Stunde und wieder zurück. Außerdem ist die Tour auch sehr familienfreundlich und auch mit Kinderwagen ein gelungenes Erlebnis. Dazu gibt es eine Einkehrmöglichkeit am Ende der Klamm (bitte auf Ruhetage achten). Wer noch Lust und Kondition hat, geht noch das Reststück bis nach Kundl.

Der Sage nach hauste in dieser Gegend einmal ein Drache in einem See. Er wurde von einem Bauern getötet. Bevor er starb, biss er allerdings noch ein Loch in den Felsen Richtung Kundl und der See entleerte sich zu einem Fluss, der Wildschönauer Ache. So entstand die Wildschönau und die Kundler Klamm."

Thierbach - von Freiheitskämpfern und Silbersuchern

"Auf einer schmalen Straße geht es in Serpentinen auf 1200 m zum Ort Thierbach. Das ist der kleinste Ort, ein richtiges Bergidyll mit Silberbergwerk und v. a. viel Natur rund um den Thierbacher Kogel. Ein einfacher Höhenweg, Ausgangspunkt ist die Kirche des Ortes.

Einkehren können Sie z. B. beim über 300 Jahre alten Sollerer Wirt mit der berühmten Speckbacherstube, die noch aus der Zeit der Freiheitskämpfe (1809) stammt oder bei der Jausen-Station Hörbighof, dem Stammhaus der berühmten Schauspielerfamilie Hörbiger.

Ein paar Kilometer weiter - die Straße führt gefühlt ins Nirgendwo - kommen wir zum Silberbergwerk, noch ganz ursprünglich belassen. Mit Helm und Taschenlampe geht es teils auch recht eng durch den Berg. Man kann sich gut vorstellen, wie sich Bergleute damals gefühlt haben müssen. Eine dreiviertel Stunde lang kommen wir nicht mehr ans Tageslicht, ein tolles Erlebnis für die ganze Familie. Dort wurde hauptsächlich Kupfer und ein bisschen Silber (daher auch der Name) abgebaut. Besonders beeindruckend fand ich, dass in der Höhle Höhlenkreuzspinnen leben. Die kommen allerdings nur nachts raus, wenn alle Besucher weg sind. Sie wurden schon einmal zum Höhlentier des Jahres gewählt und leben ganzjährig in Naturhöhlen oder Bergwerksstollen."

Übernachtungsmöglichkeiten

"Urlaub auf dem Bauernhof: z. B. in Thierbach, mit einer idyllisch ruhigen Lage im Talschluss in einem 300 Jahre alten Gasthof und Bauernhof direkt neben der Dorfkirche mit einer familiären Atmosphäre. Das Doppelzimmer kostet ab 25 Euro pro Person mit Frühstück, ab 40 Euro mit Halbpension.

Ferienwohnungen: z. B. in Auffach direkt am Bach in der Nähe des Holzmuseums, mit Balkon, für zwei Personen ab 70 Euro.

Hotels: In Oberau z. B. gibt es in sonniger Hanglage ein kleines 4 Sterne Hotel, ein zertifiziertes Wanderhotel mit geführten Wanderungen und Sauna ab ca. 80 Euro für zwei Personen.

Oder für die ganz Romantischen: Eine eigene kleine Hütte mit eigenem Garten in Oberau, für ca. 50 Euro am Tag."

Kulinarisches

"Freunde der deftigen Küche und der selbstgemachten Kuchen und Mehlspeisen werden sich hier wohlfühlen. Typisches Gericht in der Wildschönau ist die sogenannte Breznsuppe, eher ein Auflauf als eine Suppe - aus weißen, ungesalzenen Brezen und Käse mit angerösteten Zwiebeln im Ofen überbacken.

Wanderungen lassen sich gut mit dem Besuch in den verschiedenen Käsereien verbinden, z. B. die Schönangeralm oder Holzalm (Kasalm). Hier werden die verschiedenen Käse (u. a. Graukäse) noch nach alter Tradition hergestellt. Zu bestimmten Zeiten sind sie auch geöffnet und wir dürfen zuschauen.

Klassiker sind auch Almspanferkel, Speckknödel mit Kraut oder Kaspressknödel. Auffallend gut sind die vielen selbstgemachten Kuchen (z. B. Marillen-Topfenkuchen oder Blaubeerkuchen), die es in den vielen Jausenstationen und Hütten gibt.

Eine Besonderheit im Herbst: die sogenannte 'Krautinger- und Herbstkulturwoche' vom 28. September bis 7. Oktober, in der v. a. der Krautinger gefeiert wird. Der Krautinger ist ein für das Tal typischer und einzigartiger Rübenschnaps (aus der weißen Stoppelrübe), der sogar ein eigenes Fest bekommt.

Der Krautinger wird ausschließlich in der Wildschönau gebrannt. Dieses Monopol hatte Kaiserin Maria Theresia den Talbewohnern verliehen, da diese sehr arm waren. Der rustikale Rübenschnaps wird jetzt noch von ca. 15 Betrieben produziert. Selbstgezogene Rübensamen und Buchenholz sorgen auch heute noch für den Geschmack von damals, intensiv und eigenwillig. Für die Wild-schönauer ist er Medizin und Lebenselixier.

Höhepunkt der Krautinger Woche ist am letzten Tag das Herbstfest, der Museumskirchtag am 7. Oktober im Bergbauernmuseum, natürlich mit dem Krautinger, aber auch anderen Spezialitäten wie Schmalznudeln aus der Museumsküche und mit Musik, Bauern- und Handwerksmarkt.

Interessant: Die Rübe gibt es nicht nur in flüssiger Form. Einige Gasthöfe der Wildschönau bieten auch Rübengerichte an, z. B. Stoppelrübencarpaccio mit Rucolapesto, Rübenschnitzel, Rübensuppe oder Rübentorte."


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