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Wirtshaustipp Gasthaus Unterwirt in Fridolfing

In den südöstlichsten Winkel Deutschlands, an die bayerisch-österreichische Grenze, hat es Wirtshausexperte Wolfgang Schneider diesmal verschlagen. Der Gasthof Unterwirt in Fridolfing, im oberbayerischen Landkreis Traunstein, hat ihn nicht nur wegen des guten Essens beeindruckt, sondern auch wegen seiner besonderen Historie.

Stand: 07.09.2018 | Archiv

Gasthaus Unterwirt in Fridolfing außen | Bild: Konstantin Höhne

Das Besondere an diesem Wirtshaus

"Es sind zwei Geschichten aus dem Leben, die hier ineinandergreifen, wobei die erste eine durchaus traurige ist. Sie handelt von Vito Calabretta, einem Italiener, der den darniederliegenden 'Unterwirt', für den bereits eine Abbruchgenehmigung vorlag, im Jahre 2012 kaufte und zusammen mit seiner Lebensgefährtin Anneliese Kiermeier in seiner ganzen historischen Schönheit sanierte und wiederauferstehen ließ. Die Eröffnung im Januar 2015 hat Signore Calabretta leider nicht mehr erleben dürfen. Die Skulptur eines heimischen Künstlers im Biergarten erinnert an diesen Mann, der, so seine Ex-Lebensgefährtin, immer gesagt hat: 'Der Unterwirt steht traurig da, die Piazza von Fridolfing muss wieder leben.' Das tut sie zunehmend mehr in diesem lauschigen Biergarten mit zwei Kastanien und einer gewaltigen 100 Jahre alten Rotbuche.

Denn - jetzt kommt die zweite Geschichte - der 'Unterwirt', der wieder geschlossen hatte, wurde im Juni letzten Jahres vom Gastro-Profi Bernd Weinhart entdeckt. Den hatte es nämlich bei einer Motorradtour nach Fridolfing verschlagen, und es war das Objekt, nach dem er und seine Frau Margit gesucht hatten. Liebe auf den ersten Blick. Das kann ich gut nachvollziehen, handelt es sich doch beim 'Unterwirt' um ein historisches Schmuckstück, das Ende des 16. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt wurde. Damals schon als Tavernwirtschaft, gelegen an der Salzach, einem bedeutenden Salzhandelsweg. Die Gaststube für etwa 40 Personen mit ihrem teilweise historischen Mobiliar und dem Eichenboden fällt in die Kategorie 'Es-geht-kaum-schöner'."

Küchenart

"Fast 40 Jahre ist Bernd Weinhart Koch, seit 30 Jahren selbständiger Gastronom, der in seinem ereignisreichen Leben Hotels, Gastwirtschaften und Restaurants geführt hat. Immer mehr ist er dabei zu jemandem geworden, für den die Produktqualität über allem steht. Etwa die Hälfte seiner Lebensmittel hat Bioqualität. Noch wichtiger ist ihm allerdings zu wissen, woher das einzelne Produkt stammt. Seine regionalen Lieferanten kennt er selbstredend alle persönlich, weiß wie deren Geflügel oder deren Rindviecher heranwachsen. Klar, dass hier alles kompromisslos frisch und handgemacht ist. Die regionale Ausrichtung mündet in eine 'bayerische Küche mit italienischen Ausrutschern'. Vito Calabretta, der verstorbene Begründer des modernen 'Unterwirts', hätte wohl seine Freude gehabt an Spaghetti alla vongole oder an dem Klassiker Ossobuco alla milanese."

Wolfgang Schneiders Hauptspeise

"Auch ich habe mir das Gericht ausgesucht, das beim 'Unterwirt' die Nummer 1 ist: Ein Rückensteak vom Voralpenstrohschwein. Bestes Fleisch, denn solch ein Schwein wächst langsam auf Stroh heran und hat genügend Auslauf. Zudem weckt Stroh das natürliche Instinktverhalten der Tiere, insbesondere das Wühlen. Dazu ein bestens mit frischem Koriander abgeschmecktes Ratatouille samt dekorativer Schafgarbe sowie Kartoffelgratin und eine klassische Cognac-Pfeffersoße aus Schweinejus, mit Speck, Zwiebeln, Knoblauch und eben Cognac sowie grünem Pfeffer. Wahrhaft formidabel!"

Wolfgang Schneiders Nachspeise

"Als Nachspeise gab es etwas Italienisches, und das lieben wir Bayern ja besonders: Panna Cotta, in diesem Falle durchaus raffiniert in der Schoko-Vanille-Variante. Das Ganze auf Himbeer- und Pfirsichmark sowie mit gesprenkelter, weißer Schokolade. Sehr gut bei einem wirklich sensationellen Preis-Leistungsverhältnis."

Preise

Die Panna Cotta kostet 5,20 Euro, das Schweinesteak 18,90 Euro. Weitere Hauptgerichte liegen zwischen 14 und 35 Euro. Das teuerste Gericht ist eine Fleckvieh-Kuhlende, acht bis zwölf Wochen am Knochen gereift.

Anreise
Das Wirtshaus ist an der bayerisch-österreichischen Grenze, im südöstlichsten Winkel Deutschlands. Von München aus sind es ca. 130 km, von Nürnberg etwa 300 km.

Öffnungszeiten
Mittwoch bis Samstag 17.30 bis 24.00 Uhr
Sonntag 11.30 bis 14.00 Uhr und 17.30 bis 22.00 Uhr
Das Wirtshaus ist barrierefrei.

Adresse

Gasthaus Unterwirt
Weinhart GmbH
Hadrianstraße 26
83413 Fridolfing
Telefon: 08684-9697609
info@gasthaus-unterwirt.de
www.gasthaus-unterwirt.de

Freizeittipp

"Direkt neben dem 'Unterwirt' liegt die neoromanische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, erbaut Ende des 19. Jahrhunderts. Sie wird auch 'Dom vom Salzachtal' genannt und gilt als größte Dorfkirche Deutschlands. Dieser Freizeittipp ist bei jedem Wetter machbar und wenn es sonnig ist, bietet sich ein Spaziergang an der Salzach oder in den Salzachauen an. Zusammen mit ihrem Hund Ghali, einem Rhodesian Ridgeback, hat mir das Wirtepaar Weinhart seine Lieblingsplätze gezeigt."


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