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Umwelt 6 Tipps für mehr Klimaschutz im Alltag

Auch wenn die Schlagzeilen diesen Sommer von anderen, ebenfalls wichtigen Themen dominiert werden: Der Klimawandel macht keine Pause. Ganz im Gegenteil, 2020 könnte das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen werden. Einen großen Anteil daran hat der menschengemachte CO2-Ausstoß. Wie Sie Ihren persönlichen, ökologischen Fußabdruck verkleinern können, erklärt die Biologin und Expertin für Nachhaltigkeit Dr. Alexandra Achenbach.

Stand: 14.07.2020

Alexandra Achenbach, Nachhaltigkeitsexpertin | Bild: Alexandra Achenbach

"Haben wir im Moment nicht genug andere Probleme?“ - diesen Satz hört die Biologin Dr. Alexandra Achenbach, die sich aktiv für den Klimaschutz einsetzt, derzeit häufig. Die Wahrheit ist, dass wir auch andere Probleme haben. Aber ein Problem macht das andere Problem nicht weniger drängend. Und was könnte drängender sein, als den Planeten, auf dem wir alle leben, auch für nachfolgende Generationen noch bewohnbar zu halten?

Der Klimawandel schreitet ungeachtet aller gesellschaftlichen Debatten voran. Aufhalten lässt er sich ohnehin nicht mehr. Das Ziel kann nur noch sein, ihn in einem Rahmen zu halten, der das Schlimmste noch verhindert.

Sechs einfache Tipps für den Klimaschutz im Alltag hat Dr. Alexandra Achenbach für Sie zusammengefasst.

Tipp 1: Umstieg auf Ökostrom

Hinter zahlreichen Energiequellen stecken riesige Mengen an Treibhausgasen, vernichtete Lebensräume, Raubbau an der Natur und nicht zuletzt das unberechenbare Risiko einer nuklearen Katastrophe, wie zuletzt in Fukushima. Doch Sie haben die Wahl, ob aus Ihrer Steckdose Strom aus Kern- und Kohlekraft, oder aber aus Sonnen-, Wind- oder Wasserkraft kommen soll. Der Wechsel des Stromanbieters zu Ökostrom ist nicht teuer, da mittlerweile die Anbieter um Kunden konkurrieren.

Am besten informieren Sie sich zunächst bei Ihrem bisherigen Anbieter, da viele Stadtwerke mittlerweile eigenen Ökostrom anbieten. Falls nicht, empfehle ich die Hilfe seriöser Vergleichsportale.

Tipp 2: Mobilität aus eigener Kraft

Wir leben im Zeitalter der Mobilität, im Hinblick auf das Klima ist allerdings das "Wie" entscheidend. Anbei ein paar simple Faustregeln:

  • Öffentlicher Personennahverkehr sticht Individualverkehr
  • Verkehrsmittel teilen, statt alleine ins Auto zu steigen
  • Flugzeuge und Schiffe möglichst vermeiden
  • am besten: Bewegung aus eigener Kraft, also Fahrradfahren oder zu Fuß gehen

Natürlich lassen sich alle Punkte weder jederzeit noch sofort umsetzen, doch Schritt für Schritt kann man so die eigene, kleine Verkehrswende einläuten. Schluss mit Staus, Lärm und Abgasen!

Gut zu wissen:

Einige Städte und Kommunen bieten mittlerweile interessante Förderprogramme an, beispielsweise zur Anschaffung von Elektro- oder Lastenfahrrädern.

Tipp 3: Ökologische Ernährung

Rund 20% unseres CO2-Fußabdrucks macht unsere Ernährung aus. Kein Wunder: Alles, was wir essen, muss angebaut, geerntet, gefüttert, geschlachtet, transportiert und ggf. weiterverarbeitet werden. Das kostet Fläche, Energie und Treibhausgase. Und auch im eigenen Zuhause geht dieser Prozess noch weiter: Wir kühlen unsere Lebensmittel, verarbeiten sie und schlimmstenfalls landen sie am Ende dieser langen Produktionskette im Müll.

Deshalb können ein paar Gedanken rund ums Essen sicher nicht schaden:

  • Regional und saisonal einkaufen: Brauche ich Erdbeeren vom anderen Ende der Welt im Januar?
  • Reduzierung oder Vermeidung tierischer Lebensmittel: Muss es jeden Tag Fleisch geben?
  • Reduzierung verarbeiteter Lebensmittel: Kann ich statt der Tomatensoße aus dem Glas nicht selbst eine kochen?
  • Keine Lebensmittel wegwerfen: Ist der abgelaufene Joghurt nicht doch noch gut?

Gut zu wissen:

Um Lebensmittel vor einem Ende in der Mülltonne zu bewahren, wurde der Verein "Foodsharing" ins Leben gerufen. Sie können hier als Lebensmittelretter aktiv werden, oder den "Fairteiler" nutzen.

Tipp 4: Konsum überdenken

Wir leben in einer Konsumgesellschaft. Es ist daher höchste Zeit, sich auf ein "Weniger ist mehr" zu besinnen. Energieaufwendig produzierte und durch die halbe Welt transportierte Kleidung, Haushaltsgegenstände und Möbel - sie kommen in unser Leben und verschwinden ebenso schnell wieder. Doch mit "Weniger ist mehr" können wir nicht nur das Klima, sondern auch den eigenen Geldbeutel schonen.

So funktioniert es:

  • Kaputtes reparieren statt wegwerfen und neu kaufen
  • tauschen und leihen statt kaufen
  • gebraucht kaufen statt neu kaufen

Man muss kein Minimalist sein, um festzustellen, was man im eigentlichen Wortsinn tatsächlich "braucht".

Extra Tipp:

Vor jeder Anschaffung grundsätzlich gut überlegen, ob ich das Kleidungsstück, die Vase oder den neuen Fön wirklich brauche! Oft hilft es auch, eine Nacht darüber zu schlafen. Werbung und Newsletter abbestellen hilft ebenfalls, der täglichen Versuchung zu widerstehen.

Tipp 5: Gemeinschaftliches Engagement

Viele fragen sich: "Was kann ich alleine schon gegen den Klimawandel tun?" Doch die gute Nachricht lautet: Niemand ist alleine, wir sitzen alle im selben Boot und am allermeisten kann man als Gemeinschaft bewirken. Das haben nicht zuletzt auch die weltweiten "Fridays for Future"-Demonstrationen gezeigt, vor denen auch die Politik die Augen nicht mehr verschließen konnte.

Doch Demonstrieren funktioniert nicht nur auf der Straße. Auch im Kleinen, in den Gesprächen mit Familie, Freundes- und Kollegenkreis, oder in den sozialen Medien kann jede und jeder etwas für das Klima tun. Und wenn es nur ein kleiner Hinweis oder ein Kommentar ist.

Nicht zuletzt können Sie natürlich auch die Arbeit von Umweltorganisationen unterstützen, selbst im örtlichen Umweltschutzverband aktiv werden, oder politische Arbeit leisten. So wird die Demokratie gestärkt und das wichtige Thema Klimaschutz weiter in unsere Gesellschaft getragen!

Tipp 6: Starke Partner

Viele der Institutionen, die wir fast wie selbstverständlich an unserer Seite haben, gibt es auch "in grün": Vom Stromanbieter (siehe Tipp 1), über die Krankenversicherung, bis hin zur Bank. Klimaneutrale Krankenkassen setzen sich für Mobilitätswende und Artenvielfalt ein, und Ökobanken investieren in nachhaltige Projekte. Wenn Sie sich solche starken Partner an Ihre Seite holen, tragen Sie mit Ihrem Geld zum Klimaschutz bei!

Natürlich ist jeder dieser Tipps leichter gesagt als getan. Wandel braucht Zeit, nehmen Sie sich deshalb nicht zu viel auf einmal vor. Gehen Sie lieber Schritt für Schritt an Ihre Gewohnheiten ran. Es lohnt sich!


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