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Umwelt Nachhaltigkeit im Badezimmer

Angesichts des Klimawandels ist Nachhaltigkeit eines der großen Themen unserer Zeit. Viele von uns fragen sich, was sie "im Kleinen" für den Klimaschutz tun können. Antworten hat die Biologin und Bloggerin Dr. Alexandra Achenbach. Sie gibt Tipps, wie sich Nachhaltigkeit im eigenen Badezimmer praktizieren lässt.

Stand: 10.01.2020

Das Badezimmer bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, mehr Nachhaltigkeit in unseren Alltag einzubauen. Ganz unkompliziert und Schritt für Schritt. Mit diesen Tipps können Sie unnötigen Müll sparen, Plastik vermeiden und unsere Umwelt schonen - und vielfach schonen Sie so auch Ihren Geldbeutel!

Tipp 1: Hygiene

Das Badezimmer ist der intime Ort für unsere persönliche Hygiene. Der erste Schritt zu mehr Nachhaltigkeit im Bad ist Recycling-Toilettenpapier statt Toilettenpapier aus sogenannten Frischfasern zu verwenden. Für eine einzige Benutzung und die Endstation Kanalisation werden Kiefern, Fichten, Birken oder Eukalyptus-Bäume gefällt, entrindet und zu Hackschnitzel verarbeitet, um daraus schließlich aufwendig Zell- und Holzstoff für die Papierproduktion zu gewinnen.

Recycling-Toilettenpapier spart nicht nur wertvolles Holz, sondern auch noch 60% Energie, sowie bis zu 70% Wasser und CO2-Emissionen, die durch den Transport und die Bearbeitung des Holzes anfallen.

Der zweite einfache Schritt ist Stückseife statt Flüssigseife aus der Kunststoffverpackung zu verwenden: Mehr Nachhaltigkeit durch weniger Plastikmüll.

Tipp 2: Monatshygiene und Inkontinenz

Auch Einlagen, Binden und Tampons produzieren Tag für Tag und Monat für Monat einen riesengroßen Müllberg aus Plastik, Fasern und Verbundstoffen. Dabei gibt es mittlerweile nachhaltige Alternativen, die nicht nur mehr Tragekomfort bieten, sondern auf lange Sicht auch noch jede Menge Geld sparen. Das Stichwort lautet "Wiederverwenden statt Wegwerfen". Waschbare Einlagen und Binden aus weicher und anschmiegsamer Baumwolle ersetzen teure und oftmals unbequeme Einmalprodukte.

Bei der Regelblutung kann eine flexible Menstruationstasse als ökologischer und hygienischer Ersatz für Tampons dienen.

Tipp 3: Rasur

Schon der Opa wusste, wie eine nachhaltige Rasur funktioniert und benutzte ein einfaches Rasiermesser oder einen klassischen Rasierhobel. Im Gegensatz zum modernen Wegwerfrasierer ist der große Vorteil dieser Rasur, dass außer den Metallklingen beim Hobel keinerlei Müll anfällt.

Heute ist Rasieren schon lange nicht mehr reine Männersache. Der Rasierhobel ist nach wie vor eine langlebige und umweltfreundliche Alternative für Jedermann und Jederfrau. Nachhaltig, plastikfrei und quasi "unkaputtbar".

Tipp 4: Zahnpflege

Wie wichtig gesunde Zähne und ein schönes Lächeln sind, weiß man spätestens, wenn der Zahnarzt den Bohrer ansetzt. Nachhaltigkeit bei der Zahnpflege muss also immer mit effektiver Zahnpflege Hand in Hand gehen. Eine Zahnbürste aus nachwachsenden Rohstoffen kann hier genauso ein erster Schritt sein, wie Zahnputztabletten ohne Plastiktube.

Für "Fortgeschrittene": Sie können sich eine nachhaltige Zahncreme auch selbst herstellen. Hierzu benötigen Sie

  • 3 TL Kokosöl (am besten Fairtrade und in Bioqualität)
  • 2 TL Natron
  • 2 TL Xylit (Birkenzucker)
  • 3 TL Kurkuma
  • 1 TL Zimt
  • 10 Tropfen Salbeiöl (in Bioqualität)

Achtung:

Sollten Sie vorhaben, eine selbsthergestellte Zahncreme zu verwenden, sollten Sie vorher Rücksprache mit Ihrem Zahnarzt/Ihrer Zahnärztin halten. Wenn Sie z. B. empfindliche Zähne haben, benötigen Sie eine andere Zahncreme.

Zubereitung: Das Kokosöl bei Zimmertemperatur oder auf der Heizung etwas weich werden lassen. Es sollte nicht ganz schmelzen, denn sonst sinken Natronkristalle und Gewürze beim Vermischen der Zutaten auf den Boden des flüssigen Öls und bleiben dort liegen. Nun müssen Natron- und Xylitkristalle im Mörser fein zermahlen werden, um beim Putzen dem Zahnschmelz nicht zu schaden. Nach Geschmack Salbeiöl, Zimt und Kurkuma zugeben. Alles gut verrühren, bis eine homogene Masse entsteht. In ein sauberes, möglichst verschließbares Glasgefäß umfüllen und schon ist die selbstgemachte Zahnpasta fertig.

Tipp 5: Haarpflege

Bei der Haarpflege ist das Plastik- und Müllsparen sehr einfach, denn konventionelles Shampoo aus der Kunststoffflasche kann durch festes Shampoo oder eine Haarseife ersetzt werden. Als Spülung und Conditioner wird Apfelessig verwendet und als leichter Haarfestiger dienen alkoholfreies Bier, Zuckerwasser oder ein Gel aus Leinsamen. Schönes und gepflegtes Haar ganz ohne unnötige Verpackungen.

Ein umweltfreundlicher Haarfestiger lässt sich auch selbst herstellen, dazu benötigen Sie

  • ¼ l alkoholfreies Bier (Sorte ist egal)
  • Sprühflasche

Zubereitung: Einfach das Bier pur auf die Haare oder den Kamm sprühen und die Frisur wie gewohnt formen. Keine Sorge! Der Biergeruch verfliegt in Windeseile.

Tipp 6: Kosmetik

Bei Kosmetik gilt: Weniger ist mehr. Je weniger verschiedene chemische Substanzen Tag für Tag auf unsere Haut einwirken, desto besser ist das für unsere Hautgesundheit. Und desto besser für die Umwelt, denn beim Duschen und Waschen gelangen die Inhaltsstoffe unserer Kosmetik auch ins Abwasser und schließlich in Flüsse, Seen und Meere. Besonders problematisch sind hier Kunststoffverbindungen, die als kleinste Mikroplastikpartikel und flüssige Kunststoffe in Cremes und Co. enthalten sind.

Spezielle Smartphone-Apps bieten hier Unterstützung beim Kosmetikkauf und all die, die es ganz schnell und unkompliziert haben wollen, können auf zertifizierte Naturkosmetik zurückgreifen. Die ist garantiert ohne Mikroplastik und Flüssigkunststoff.

Tipp 7: Badreinigung

Für hygienische Sauberkeit im Badezimmer reichen vier einfache Hausmittel völlig aus: Essigessenz, Natron, Kernseife und hochprozentiger Alkohol. Je nach Anwendung können Sie sich Ihr Spezialmittel zum Desinfizieren, zum Entkalken oder zum Reinigen individuell zusammenmischen. Das spart Geld und ersetzt einen ganzen Schrank voll teurer und oftmals ungesunder Reinigungsmittel.

Für die Herstellung eines umweltfreundlichen Allzweckreinigers benötigen Sie

  • 1 Teil Essigessenz
  • 5 Teile Wasser
  • Sprühflasche

Zubereitung: Die flüssigen Zutaten einfach in der Sprühflasche mischen und fertig ist der Universalreiniger für Bad und Küche. Nur bei Natursteinoberflächen sollte man keine Säuren zur Reinigung verwenden.


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