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Umwelt Nachhaltigkeit bei unserer Kleidung

Angesichts des Klimawandels ist Nachhaltigkeit eines der großen Themen unserer Zeit. Viele von uns fragen sich, was sie "im Kleinen" für den Klimaschutz tun können. Antworten hat die Biologin und Bloggerin Dr. Alexandra Achenbach. Sie gibt Tipps, wie sich Nachhaltigkeit bei unserer Kleidung praktizieren lässt.

Stand: 06.02.2020

Gruener Knopf, Symbolfoto fuer das neue staatliche Siegel fuer nachhaltig produzierte Textilien | Bild: BR

Die Textilindustrie ist eine der umweltschädlichsten Branchen überhaupt. Die Herstellung unserer Hemden, Hosen, T-Shirts und Co. produziert rund ein Fünftel der Abwässer weltweit und verursacht mehr Emissionen, als alle internationalen Flüge und Schifffahrten zusammen. Ganz zu schweigen von den oft menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen, unter denen vor allem die Textilarbeiter*innen im globalen Süden leiden müssen. Höchste Zeit, daran etwas zu "fairändern" und mehr Nachhaltigkeit in unseren Kleiderschrank zu bringen!

Tipp 1: Wertschätzung und gute Pflege

"Der erste Schritt zu mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank ist das wertzuschätzen, was wir bereits Zuhause haben. Lesen Sie die Pflegeanleitungen in Ihrer Kleidung sorgfältig, waschen Sie so wenig wie möglich und nur so heiß wie nötig. Hohe Temperaturen und häufige Waschgänge belasten nicht nur unsere Strom- und Wasserrechnung, sie sind auch schlecht für die Umwelt und führen schneller zu Verschleiß. Ebenso der Wäschetrockner: Die Wäsche einfach luftzutrocknen, ist eindeutig die nachhaltigere Wahl und so schonen Sie Fasern und den Geldbeutel.

Machen Sie sich wieder die Mühe, Ihre Kleidungsstücke anzupassen (oder ändern zu lassen) und zu reparieren. Unsere Omas wussten noch genau, wie viel Arbeit, Zeit und Rohstoffe in jedem einzelnen Teil stecken und Flicken und Stopfen gehörten für die ältere Generation ganz selbstverständlich zum Alltag."

Tipp 2: Weniger ist mehr

"Wie viele Kleidungsstücke braucht der Mensch? Eine schwierige Frage. Eines steht jedoch fest: Die Preise für Textilien sind unfassbar günstig und deshalb kaufen wir viel mehr, als wir brauchen und auch mehr, als wir nutzen können. Schnelllebige Trends tun ihr übriges. Das Ergebnis sind übervolle Kleiderschränke und unzählige Kleider, Mäntel und Co., die zwar aufwändig produziert wurden, aber nur selten oder sogar nie getragen werden.

Viel besser ist es, zu versuchen, schnelle und unüberlegte Spontankäufe komplett zu vermeiden. Das spart Geld und wertvolle Ressourcen. Schlafen Sie eine Nacht darüber und werfen Sie zuerst einen Blick in Ihren Schrank. Sie werden überrascht sein, was bewusstes Innehalten bewirken kann."

Tipp 3: Gebraucht kaufen, tauschen und leihen

"Gebrauchte Kleidung ist kostengünstig, modisch und individuell. Auf Flohmärkten und in Secondhandläden lässt sich schnell ein einzigartiger Vintage-Look kreieren, den sonst niemand hat. Ressourcenschonend, ökologisch und fair. Auch Kleidertauschpartys oder Klamotten zum Ausleihen sind eine tolle und nachhaltige Alternative zum Neukauf, die zudem den Geldbeutel schonen."

Tipp 4: Beim Neukauf auf Siegel achten

"Beim Kauf von neuer Kleidung unterstützt uns der Handel mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Siegeln, vom 'Grünen Knopf' bis zu 'Oekotex'. Zumindest theoretisch, denn kaum einer weiß, was genau gut für die Umwelt und unsere Gesundheit ist oder welches Siegel faire Arbeitsbedingungen sicherstellt. Für mehr Klarheit lohnt sich eine kleine Recherche bei den Verbraucherzentralen und Umweltschutzverbänden, denn hier werden die einzelnen Zertifikate und ihre Bedeutung genauer beleuchtet."

Tipp 5: Plastik vermeiden

"Viele unserer Textilien enthalten Fasern aus Kunststoff. Durch Reibung, Bewegung und beim Waschen lösen sich kleinste Teile dieser Fasern entweder als Faserstaub in die Luft, oder als Plastikfasern ins Waschwasser. Dieses Mikroplastik ist ein großes Problem, denn es ist biologisch nicht abbaubar und bleibt über sehr lange Zeiträume in unserer Umwelt bestehen. Doch nicht nur dort. Wir atmen mit dem Staub auch kleinste Kunststofffasern ein und essen sie mit. Mikroplastik gelangt nämlich mit den Abwässern unserer Waschmaschinen in Flüsse, Seen und ins Meer, wo es Teil der Nahrungskette wird.

Die einfache Lösung dieses Problems heißt, auf reine Naturfasern wie Baumwolle, Viskose, Wolle oder das relativ unbekannte Modal ohne Kunststoffbeimischung zu setzen."

Tipp 6: Bewusster Umgang mit Altkleidern

"Gründe fürs Aussortieren gibt es viele: von 'zu klein', über 'kaputt', bis zu 'absoluter Fehlkauf'. Doch was dann? Eines ist sicher: Gebrauchte Kleidung ist eindeutig zu schade und zu wertvoll für die Mülltonne und je länger wir Textilien nutzen, umso besser wird ihre Gesamtbilanz.

Viel besser als Wegschmeißen ist es, die Kleidungsstücke lokal zu verschenken, zu spenden oder ein Upcycling-Projekt zu starten. So verwandelt sich z. B. das olle Hemd schnell in ein praktisches Stoffsäckchen zum Einkaufen.

Bei Altkleidercontainern sollten Sie Vorsicht walten lassen und auf seriöse Anbieter, wie anerkannte Wohlfahrtsverbände, achten."


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