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Psychologie Trennungsstreit vermeiden

"Bis dass der Tod uns scheidet!" Das versprechen sich viele, doch dann geht die Beziehung in die Brüche. Nicht selten führt eine Trennung zu einem erbitterten Streit. Familientherapeutin Birgit Salewski gibt Tipps, wie sich eine Trennung möglichst friedlich über die Bühne bringen lässt.

Stand: 09.10.2018

Trennungsstreit | Bild: dpa-Bildfunk

Was sind die häufigsten Gründe für eine Trennung?

Birgit Salewski: "Eines der Top-Themen ist nach wie vor Vertrauensbruch in Form von Fremdgehen oder anderen Unehrlichkeiten. Danach kommen Themen wie häufige Streitereien und unlösbare Konflikte. Ein weiteres Thema ist zu wenig Anerkennung, Verständnis und Unterstützung durch den Partner oder das Gefühl, dass die Beziehung zu eintönig und routiniert geworden ist."

Welche Tipps hast Du für die Trennungsphase?

Birgit Salewski: "Wichtig ist zunächst, dass eine Trennung der Gipfel eines Prozesses ist. Dieser Prozess und eine vollzogene Trennung sind nie einfach und kosten immer Kraft und Energie. Auch verursacht eine Trennung meistens bei einem selbst, dem Partner und dem Umfeld unangenehme Gefühle.

Aus meiner Erfahrung in der Beratung sind folgende Schritte hilfreich:

  1. Sich selbst klarwerden: Dazu gehört sich alle ‚Für und Wieder‘ immer wieder vor Augen zu halten und auch mit nahestehenden Personen darüber zu sprechen. In Gedanken dürfen Sie alles durchspielen!
  2. Den Partner in die eigenen Gedanken einbeziehen: Sprechen Sie Ihren Partner an, wenn Sie sich vergewissert haben, dass Ihr Trennungsimpuls nicht nur flüchtig oder reaktiv nach einer Auseinandersetzung ist. Versuchen Sie, Ihrem Partner mit Respekt zu begegnen. Dazu gehört auch, ihn früh in Kenntnis über etwas zu setzen, was ihn maximal betrifft. Wenn Sie dies alleine nicht schaffen, oder negative Reaktionen befürchten, holen Sie sich von Familie und Freunden Unterstützung.
  3. Gefühle des anderen respektieren und aushalten: Ihr Partner ist unter Umständen traurig, wütend, verzweifelt, ratlos, hilflos oder im ersten Moment auch völlig perplex. All diese Gefühle sind in Ordnung und dürfen sein. Zeigen Sie Respekt für die Situation des anderen und sorgen Sie ggf. für eine Erleichterung. Das heißt nicht, dass Sie Ihre Trennungsabsichten zurücknehmen sollen, sondern dass sie evtl. gemeinsam überlegen, was derjenige braucht, der gerade mehr leidet.
  4. Trennung oder gemeinsames Anpacken: Wenn einer der Partner den Trennungsgedanken offengelegt hat, kommt oft Bewegung in eine Beziehung, auch zum Positiven. Dann ist es sinnvoll, offen und ehrlich darüber zu sprechen, ob man als Partner die Bedürfnisse und Wünsche gemeinsam befriedigen/erfüllen kann und will.
  5. Wenn Kinder im Spiel sind: Wenn Sie Kinder haben, müssen diese auch irgendwann informiert werden. Hier sollten Sie sich zuvor überlegen, wo und wie Sie mit den Kindern altersgemäß sprechen können. Stellen Sie sicher, dass Ihre Kinder auch die Chance bekommen, Nachfragen zu stellen und ausdrücklich die Erlaubnis bekommen, mit beiden Elternteilen guten Kontakt sowie eine enge Beziehung zu haben.
  6. Trennung vollziehen: Vollziehen Sie die Trennung möglichst geplant. Manchmal kann man nicht schnell in getrennten Wohnraum. Dann gilt es, nach einer erträglichen Zwischenlösung zu suchen. Wie regeln Sie Finanzen, Kinderbetreuung, Information des Umfeldes? Versuchen Sie, falls möglich, viele dieser Punkte im Gespräch zu klären."

Manche verspüren eine große Wut und wollen sie am anderen auslassen. Wie sollte man damit umgehen?

Birgit Salewski: "Wut in ihrer eruptiven und überschäumenden Äußerung ist gut zurückzuhalten. Oft machen Schimpftiraden, Vorwürfe oder fliegende Teller buchstäblich mehr kaputt, als sie nutzen. Das kurze Gefühl des sich Abreagierens weicht oft einer inneren Leere und Scham über das, was man gegebenenfalls angerichtet hat. Gehen Sie sich deshalb lieber körperlich abreagieren, z. B. durch Sport, Gartenarbeit, Keller ausmisten, Holz hacken.

Gleichzeitig wollen Sie Ihrem Partner ja etwas mitteilen, nämlich, dass Sie wütend, sauer, enttäuscht, hilflos etc. sind. Und das sollten Sie Ihren Partner auch wissen lassen. Entweder im Gespräch oder per Brief. Aber Vorsicht: Ihr Ex-Partner muss sich das nicht immer anhören."

Sollte ich eine neue Partnerschaft erstmal verschweigen?

Birgit Salewski: "Wenn Sie schon in einer neuen Partnerschaft sind, haben Sie in der Auseinandersetzung mit Ihrem Noch-Partner ein paar Schritte übersprungen! Das bedarf unter Umständen einer Aufklärung. Wann und wie man sagt, dass man einen neuen Partner hat, ist tatsächlich Abwägungssache. Wichtig ist hier der Respekt: Sagen Sie es Ihrem Ex-Partner persönlich, lassen Sie es ihn nicht selbst herausfinden oder ihn durch andere Personen informieren. Das kränkt in der Regel sehr. Ihr neuer Partner hingegen braucht etwas Geduld, da eine vorangegangene Beziehung eben Kraft und Zeit braucht, bis sie geklärt und abgeschlossen ist."

Ist eine räumliche Distanz hilfreich?

Birgit Salewski: "Aller Erfahrung nach ist eine räumliche Distanz durchaus hilfreich. Aber es wird für Paare und vor allem Familien (besonders in den teuren Großstädten) immer schwerer, das umzusetzen. In Zeiten von knappen und teuren Wohnungen, müssen hier Alternativen gesucht werden, die zusätzlich Stress verursachen, z. B. wenn man nach einer Trennung noch mehrere Monate in einer gemeinsamen Wohnung leben muss."

Wie gehe ich am besten mit den Familienangehörigen meines Ex-Partners um?

Birgit Salewski: "Mit Freundlichkeit und Respekt. Wenn Sie bisher ein zugewandtes und inniges Verhältnis hatten, besprechen Sie, welcher Umgang für ihren Ex-Partner möglich ist. Schließlich ist es seine bzw. ihre Familie. Gleichzeitig haben Sie in den letzten Jahren auch Bindungen aufgebaut, die zumindest besprochen gehören. Das gilt auch für den Freundeskreis."


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