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Service Gesundheit Störung des Riechsinns

Wie wichtig der Riechsinn ist, merkt man meistens erst, wenn dieser eingeschränkt oder verloren gegangen ist. Der Verlust des Geruchssinns kann sogar richtig gefährlich werden, wenn man beispielsweise nicht merkt, wenn Lebensmittel verdorben sind oder z. B. Brandgeruch nicht wahrnimmt. Aber nicht nur deshalb muss der Verlust des Geruchssinns ernstgenommen werden. Er kann auch ein Hinweis auf eine noch nicht erkannte Krankheit sein. Informationen zu Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von HNO-Arzt Dr. Thomas Meier-Lenschow.

Stand: 11.12.2013

HNO-Arzt Dr. Thomas Meier-Lenschow | Bild: BR/ Wir in Bayern

Was versteht man unter einer Störung des Geruchssinns?

Es gibt verschiedene Arten der Geruchsstörung (Dysosmie). Man unterscheidet quantitative und qualitative Riechstörungen.

Zu den quantitativen Riechstörungen zählen unter anderem der vollständige Verlust des Geruchssinns (Anosmie) und die starke Einschränkung des Geruchssinns (Hyposmie).

Patienten, die an einer qualitativen Geruchsstörungen leiden, nehmen z. B. Gerüche anders, meist unangenehm wahr (Parosmie) oder bilden sich Gerüche ein, die nicht vorhanden sind (Phantosmie).

Wie funktioniert der Geruchssinn?

Alle Dinge, die duften, setzen Moleküle frei, die beim Einatmen mit der Luft durch die Nase oder beim Essen über den Mund- und Rachenraum in das Riechepithel im oberen Teil des Nasenraumes gelangen. Im Riechepithel befinden sich etwa 30 Millionen Riechzellen, von wo aus dann die Duftsignale über den Riechnerv zur Weiterverarbeitung an das Gehirn weitergeleitet werden.

Warum schmeckt man nichts mehr, wenn man den Geruchssinn verloren hat?

Die Geschmacksknospen auf der Zunge können nur zwischen salzig, sauer, süß und bitter unterscheiden. Dafür, dass wir die individuellen Nuancen eines Gerichtes wahrnehmen, sind die Riechzellen in unserer Nase verantwortlich. Essen oder trinken wir etwas, gelangen die Geruchsmoleküle über die Mundhöhle in das Riechepithel. Für den typischen Geschmack muss Geruch- und Geschmackssinn zusammenwirken.

Welche Ursachen können Riechstörungen haben?

Riechstörungen können verschiedene Ursachen haben, z. B.:

  • Virusinfekte der oberen Atemwege
  • Nasenpolypen oder schiefe Nasenscheidewand
  • Krankheiten, wie z. B. chronische Nasennebenhöhlen-Entzündung (Sinusitis), Parkinson, Diabetes, Multiple Sklerose, Schilddrüsenunterfunktion, Bluthochdruck, Alzheimer, Leber-, Nieren- und Zahnerkrankungen
  • Schädel-Hirn-Traumata, da dabei Nerven beschädigt werden können, die für die Geruchswahrnehmung wichtig sind.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten, beispielsweise bestimmter Antibiotika, Schmerzmittel, Blutdrucksenker oder Chemotherapeutika.
  • Kontakt mit Schadstoffen, z. B. Formaldehyd, Herbizide, Pestizide oder auch Kokain
  • Alter: ab einem Alter von ca. 65 Jahren erneuern sich die Riechzellen nicht mehr so schnell, was eine Einschränkung des Geruchssinnes zur Folge haben kann. So leiden etwa die Hälfte der über 80-Jährigen an Anosmie (vollständiger Verlust des Geruchssinns).
  • selten sind Riechstörungen auch angeboren

Wie kann man Störungen des Geruchssinns behandeln?

Wie eine Riechstörung behandelt wird, ist von der Ursache abhängig. Sind Medikamente dafür verantwortlich, hilft es in der Regel, diese durch andere zu ersetzen.

Liegt eine Krankheit zugrunde, muss diese behandelt werden, z. B. der Diabetes richtig eigestellt oder Medikamente gegen Bluthochdruck verabreicht werden.

Ist eine chronische Nasennebenhöhlen-Entzündung die Ursache, kann diese medikamentös behandelt werden.

Stecken Polypen oder eine krumme Nasenscheidewand dahinter, kann eine Operation Abhilfe schaffen, in der die Polypen entfernt oder die Nasenscheidewand begradigt wird.

Außerdem ist das Training des Riechsinns sowohl als Therapie als auch als Vorbeugung bei Riechstörungen sinnvoll und effektiv. Das "Riechtraining" hilft auch bei altersbedingten und teilweise auch nach verletzungsbedingten Riechstörungen, da man mit Nervenzellen in der Nase, die eigentlich für Gefühlseindrücke zuständig sind, etwas Riecheindruck antrainieren kann.

Riechtraining:
Schnuppern Sie mehrmals am Tag an den unten genannten Düften und versuchen Sie den Riecheindruck zu erkennen. Bei Fortschritten auch seitengetrennte Riechproben durchführen:

  • Rosenöl - Rosenduft
  • Eukalyptusöl - Eukalyptusduft
  • Zitronenöl - Zitronenduft
  • Nelkenöl - Gewürznelkenduft

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