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Umwelt Sinn und Nutzen von Textilsiegeln

Nachhaltigkeit und Fairness bei der Mode? Ein wichtiges Thema, denn nach wie vor belastet die Produktion der Textil- und Modebranche unser Klima und die Umwelt schwer und sorgt mit Kinderarbeit und lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen immer wieder für Negativschlagzeilen. Nur, wie erkennen wir die Kleidungsstücke, die umweltschonend und "gut" produziert wurden? Und was bedeutet überhaupt "gut" produziert?

Stand: 07.06.2021

Verschiedene Textilsiegel | Bild: BR

Alexandra Achenbach:

"Für einen fairen und nachhaltigen Konsum von Kleidung müssen wir uns bewusstmachen, wie viele Arbeitsschritte überhaupt nötig sind, bis ein Shirt, eine Hose, oder eine Jacke für uns im Laden landet. Vom Acker bis zum Kleiderbügel müssen Samen gepflanzt, Rohstoffe geerntet, Fasern gesponnen und gewebt, Stoffe gefärbt und veredelt, Kleidung genäht, verpackt und schließlich transportiert werden. Und jeder einzelne dieser Schritte kann einen entscheidenden Unterschied für Menschen und Umwelt machen.

Wie viele Pestizide werden auf den Feldern eingesetzt? Mit welchen Chemikalien wird gefärbt? Wie viel Wasser wird verbraucht? Bekommen die in Landwirtschaft, Webereien und Nähereien Beschäftigten faire Löhne?

Das sind viele, meist offene Fragen. Hier kommen nun die Textilsiegel ins Spiel. Sie sollen für mehr Transparenz bei der Herstellung sorgen, und uns so helfen, im Laden die richtige Wahl zu treffen."

Die wichtigsten Textilsiegel im Überblick

OEKOTEX Standard 100

  • "Eines der häufigsten Textilsiegel in Deutschland, das an einer Vielzahl von Kleidungsstücken zu finden ist.
  • Dabei ist OEKOTEX Standard 100 allerdings weder ein Nachhaltigkeits- noch ein Fairness-Siegel, denn es wird lediglich das Endprodukt auf Schadstoffe geprüft!
  • Hier handelt es sich also um ein reines Verbraucherschutzsiegel."

Siegelgeber: Internationale Oeko-Tex®-Gemeinschaft, ein Zusammenschluss von Textilforschungs- und Prüfinstituten.

Fairtrade

  • "Das Fairtrade Cotton-Siegel ist vor allem eine Zertifizierung, die für soziale Standards und faire Arbeitsbedingungen beim Baumwollanbau steht.
  • Außerdem werden Kleinbauern beim Umstieg auf Biobaumwolle unterstützt, Gentechnik ist verboten und der Einsatz von synthetischen Pestiziden und Düngern eingeschränkt."

Siegelgeber: Dachverband FLO e. V. (Fairtrade Labelling Organizations International)

Fair Wear Foundation

  • "Der Fokus dieses Textilsiegels liegt ebenfalls klar auf wichtigen Sozialstandards, wie fairen Arbeitsbedingungen mit angemessener Bezahlung, einem Verbot von Kinder- oder Zwangsarbeit und sozialverträglichen Arbeitszeiten.
  • Die Standards gelten entlang der gesamten Produktionskette."

Siegelgeber: Stiftung Fair Wear Foundation (FWF)

EU Ecolabel

  • "Ein Verbraucherschutzsiegel mit sozialem und ökologischem Anspruch, das Wasserverbrauch, Luft- und Wasserverschmutzung bei der Herstellung reduzieren möchte.
  • Dabei sind soziale Standards und die Grenzwerte für Chemikalien allerdings eher niedrig."

Siegelgeber: Spezieller Siegel-Ausschuss der Europäischen Kommission.

Grüner Knopf

  • "Der Grüne Knopf ist das erste staatliche Textilsiegel in Deutschland, das ökologische und soziale Kriterien prüft, leider allerdings bislang noch nicht entlang der gesamten Produktionskette.
  • Die Bedingungen bei Rohstoffanbau, Fasergewinnung und dem Weben der Stoffe werden nicht berücksichtigt.
  • Bemerkenswert beim Grünen Knopf ist, dass der Fokus nicht nur auf dem Produkt liegt, sondern zusätzlich auf dem Unternehmen selbst und den dort herrschenden Arbeitsbedingungen."

Siegelgeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Global Organic Textile Standard

  • "Global Organic Textile Standard (kurz: GOTS) betrachtet anders als andere Siegel die gesamte Produktionskette.
  • Dabei steht es für ökologische und soziale Kriterien, die im ökologischen Bereich streng und im sozialen eher im Mittelfeld einzuordnen sind. Bei letzterem dienen lediglich die Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation als Richtschnur.
  • Die Textilien müssen bei GOTS mindestens zu 70 % aus biologisch produzierten Naturfasern bestehen."

Siegelgeber: gemeinnützige Global Standard GmbH

IVN zertifiziert BEST

  • "Das weltweit ökologisch strengste Siegel für nachhaltig produzierte Kleidung.
  • Wie der Name schon vermuten lässt (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft), bestehen die Stoffe bei IVN zertifiziert BEST zu 100% aus kontrolliert biologisch angebauten Naturfasern oder zu 100% aus kontrolliert biologischer Tierhaltung.
  • Synthetische Fasern sind ausgeschlossen und die Produkte sind somit biologisch abbaubar.
  • Dabei wird bei IVN BEST die gesamte Produktionskette geprüft und es gelten sowohl hohe Umwelt- als auch Sozialstandards."

Übrigens: Der IVN hat mit IVN Naturleder auch das einzige Ökoleder-Siegel in Europa.

Siegelgeber: Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft

Fazit

"Ein genauer Blick auf die Textilsiegel lohnt sich, denn oftmals ist es gar nicht so leicht zu erkennen, wofür die einzelne Zertifizierung eigentlich steht. Es kommt hinzu, dass nicht jedes Siegel alle Produktionsschritte betrachtet und sowohl soziale als auch ökologische Kriterien prüft. Wer sichergehen will, fährt meist mit einer Kombination am besten, wie zum Beispiel GOTS zusammen mit Fair Wear."

Viel Freude an nachhaltigen Textilien wünschen Ihnen Alexandra Achenbach und "Wir in Bayern"!


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