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Erbrecht Testamentsänderungen - Darauf sollten Sie achten!

Ändern sich die Lebensumstände, macht es häufig Sinn, auch sein Testament zu ändern, z. B. wenn man heiratet, sich scheiden lässt oder sich mit dem eingesetzten Erben zerstreitet. Prof. Klaus Michael Groll, Fachanwalt für Erbrecht, gibt Tipps was Sie beachten müssen, damit Änderungen im Testament gültig sind.

Stand: 09.01.2019

Testament | Bild: picture-alliance/dpa

Privatschriftliches Testament ändern

Sofern er testierfähig ist, kann der Erblasser sein privatschriftliches (selbst handschriftlich verfasstes) Testament jederzeit in Teilen oder als Ganzes ändern. Alle Änderungen, Ergänzungen oder Streichungen müssen ebenfalls handschriftlich gemacht und mit Datum und Unterschrift versehen werden. Vor allem bei widersprüchlichen Anordnungen innerhalb eines Testaments ist die Datumsangabe wichtig, damit nachvollziehbar ist, welche Anordnung die aktuelle und damit die bindende ist.

Tipp

Wenn das Testament durch viele Streichungen und Ergänzungen unübersichtlich geworden ist, sollten Sie es neu schreiben und die alte Version vernichten.

Privatschriftliches Testament widerrufen

Wollen Sie ein privatschriftliches Testament widerrufen, können Sie es entweder vernichten oder ein abweichendes, neues Testament erstellen. Grundsätzlich gilt nämlich immer das jüngste Testament. Bei einem abweichenden, neuen besteht jedoch die Gefahr, dass das neue Testament eventuell nicht gefunden oder von einem benachteiligten Erben absichtlich zurückgehalten wird. Dann gilt das ursprüngliche Testament. Zudem stellt sich in der Praxis bei mehreren Testamenten häufig die Frage, ob die jüngeren die älteren ersetzen oder nur ergänzen. Das sollte im neuen Testament immer klargestellt werden.

Gemeinschaftliches Ehegattentestament ändern oder widerrufen

Ein gemeinschaftliches Ehegattentestament, z. B. das Berliner Testament (bei dem sich beide Ehepartner als Alleinerben und einen Dritten, z. B. die Kinder, als Schlusserben einsetzen), kann nur durch beide Partner einvernehmlich geändert oder widerrufen werden. D. h. bei einer Streichung oder Ergänzung müssen beide Partner unterschreiben.

Möchte sich nur ein Partner vom gemeinschaftlichen Testament lossagen, kann er das durch notariellen Widerruf tun. Dieser wird dem anderen Partner zugestellt. Damit sind auch dessen Verfügungen in dem Testament ungültig. Ein gemeinschaftliches Ehegattentestament hat also den Vorteil, dass beide Ehepartner immer wissen, wie die Verfügungen des anderen aussehen. Heimliche Änderungen, wie bei getrennten Testamenten, sind nicht möglich.

Verstirbt ein Partner, ist eine Änderung des gemeinschaftlichen Testaments in der Regel nicht mehr möglich. Beim Berliner Testament kann der Überlebende z. B. in der Regel nur dann die Schlusserbfolge ändern, wenn ihm eine solche Änderung im Testament vorbehalten war.

Ein Testament, in dem der Ehepartner zum Erben oder Vermächtnisnehmer eingesetzt wurde, verliert bei einer Scheidung automatisch seine Gültigkeit, es sei denn, dieser wurde ausdrücklich auch für den Fall der Scheidung eingesetzt, was natürlich selten vorkommt.

Notarielles Testament ändern oder widerrufen

Ein notarielles Testament kann entweder beim Notar geändert, aus der amtlichen Verwahrung genommen oder durch ein privatschriftliches Testament jüngeren Datums geändert oder aufgehoben werden. Anders als viele glauben, ist nämlich ein notarielles Testament nicht "gewichtiger" als ein privatschriftliches.


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