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Recht Geschwindigkeit überschritten - Was droht Ihnen?

Wer mit dem Auto zu schnell fährt und dabei erwischt wird, muss nicht nur mit einem Bußgeld rechnen. Geschwindigkeitsüberschreitungen können auch Punkte in Flensburg und sogar den Entzug des Führerscheins zur Folge haben. Rechtanwalt Markus Saller erklärt, welche Strafen bei Missachtung von Tempolimits drohen.

Stand: 16.02.2021

Polizist misst die Geschwindigkeit bei einem herankommenden Auto | Bild: BR/Fabian Stoffers

Falls nicht durch entsprechende Verkehrsschilder anders geregelt, gilt in Deutschland innerorts eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, auf Landstraßen 100 km/h. Doch es gibt zahlreiche abweichende Regelungen, z. B. Tempo-30-Zonen, Spielstraßen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen bei Nässe.

Welche Folgen die Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit hat, hängt von verschiedenen Faktoren ab. In einigen Fällen muss lediglich ein Bußgeld entrichtet werden, in anderen Fällen drohen zusätzlich Punkte beim Kraftfahrbundesamt in Flensburg oder sogar der Entzug des Führerscheins. Hier erfahren Sie, mit welchen Strafen Sie rechnen müssen, wenn Sie schneller fahren, als erlaubt ist.

Geschwindigkeit überschreiten innerhalb von geschlossenen Ortschaften

Grundsätzlich gilt in geschlossenen Ortschaften, wenn nicht durch entsprechende Verkehrsschilder anders geregelt, eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Wird diese überschritten, drohen folgende Bußgelder, Punkte und Fahrverbote.

Tempolimit überschrittenBußgeldPunkte    Fahrverbot
bis 10 km/h30 Euro
11 bis 15 km/h50 Euro
16 bis 20 km/h70 Euro
21 bis 25 km/h80 Euro11 Monat (im Wiederholungsfall)
26 bis 30km/h100 Euro11 Monat (im Wiederholungsfall)
31 bis 40km/h160 Euro21 Monat
41 bis 50km/h200 Euro21 Monat
51 bis 60 km/h280 Euro22 Monate
61 bis 70km/h480 Euro23 Monate
über 70 km/h680 Euro23 Monate

Dabei ist es unerheblich, ob Sie in einer Spielstraße, einer Tempo-30-Zohne oder auf einer Straße, auf der 60 km/h erlaubt ist, zu schnell fahren.
Auch, wenn Sie mit dem Fahrrad die Höchstgeschwindigkeit überschreiten, z. B. in einer Spielstraße, kann ein Bußgeld verhängt werden.

Übrigens: Aufgrund eines Formfehlers bei der StVO Novelle werden teilweise noch die alten Bußgelder verlangt.

Punkte in Flensburg:

Für Verstöße gegen das Verkehrsrecht werden Punkte beim Kraftfahrbundesamt in Flensburg vergeben. Hat ein Verkehrsteilnehmer 8 Punkte gesammelt, wird ihm die Fahrerlaubnis entzogen. Wann die Punkte gelöscht werden, ist von der Schwere des Vergehens abhängig.
1 Punkt (Ordnungswidrigkeit): 2 ½ Jahre
2 Punkte (Grobe Ordnungswidrigkeit mit Fahrverbot oder Straftat): 5 Jahre
3 Punkte (Straftat mit Fahrverbot): 10 Jahre
Durch die freiwillige Teilnahme an einem Fahreignungsseminar können Verkehrssünder einmal in 5 Jahren einen Punkt abbauen.

Geschwindigkeit überschreiten außerhalb von Ortschaften

Grundsätzlich gilt, wenn nicht durch Verkehrsschilder anders geregelt, außerhalb von geschlossenen Ortschaften ein Tempolimit von 100 km/h. Wird dieses überschritten, drohen folgende Bußgelder, Punkte und Fahrverbote.

Tempolimit überschrittenBußgeldPunktePunkte
bis 10 km/h20 Euro
11 bis 15 km/h40 Euro
16 bis 20 km/h60 Euro
21 bis 25 km/h70 Euro1
26 bis 30 km/h80 Euro11 Monat (im Wiederholungsfall)
31 bis 40 km/h120 Euro11 Monat (im Wiederholungsfall)
41 bis 50 km/h160 Euro2  1 Monat
51 bis 60 km/h240 Euro2  1 Monat
61 bis 70 km/h440 Euro22 Monate
über 70 km/h600 Euro23 Monate

Gleiches gilt auf Autobahnen.

Geschwindigkeitsbegrenzung bei Nässe - Was bedeutet "nass"?

Manche Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten nur bei Nässe. Doch was bedeutet das konkret? Per Definition gilt eine Straße als nass, wenn sich darauf ein durchgängiger Wasserfilm befindet. Sind nur einzelne Pfützen vom vorangegangenen Schauer vorhanden, greift die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht. Auch alleine die Tatsache, dass es regnet und Sie den Scheibenwischer einschalten müssen, führt nicht automatisch dazu, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung gilt.
Tipp: Ob eine Straße per Definition nass oder lediglich feucht ist, können Sie daran erkennen, ob andere Fahrzeuge Wasser aufwirbeln (Sprühfahne).

Geschwindigkeitsüberschreitung während der Probezeit

In Deutschland gilt für Fahranfänger eine zweijährige Probezeit, in der Verstöße gegen das Verkehrsrecht weitreichendere Folgen haben können als für Fahrer, die die Probezeit hinter sich haben.

Grundsätzlich müssen Fahranfänger die gleichen Bußgelder zahlen wie nach der Probezeit.

Verstöße in der Probezeit werden in A und B-Verstöße eingeteilt. Begeht ein Fahrer in der Probezeit entweder einen A- oder zwei B-Verstöße, verlängert sich die Probezeit auf vier Jahre. Dazu muss ein kostenpflichtiges Aufbauseminar absolviert werden.

Bei Geschwindigkeitsüberschreitungen unter 20 km/h liegt ein B-Verstoß vor, bei Geschwindigkeitsüberschreitungen über 20 km/h liegt ein A-Verstoß vor.

Tachoanzeige und Toleranz

Bei Geschwindigkeitsüberschreitungen wird eine Toleranz von der gemessenen Geschwindigkeit abgezogen:

  • Unter 100 km/h werden 3 km/h abgezogen.
  • Über 100 km/h werden 3 % der gemessenen Geschwindigkeit abgezogen

Es spielt keine Rolle, ob die Missachtung des Tempolimits außerhalb oder innerhalb einer Ortschaft stattgefunden hat.

Verjährung

Die Verjährungsfrist von Geschwindigkeitsüberschreitungen beträgt drei Monate. Haben Sie also drei Monate nachdem Sie geblitzt wurden noch keinen Bußgeldbescheid erhalten, ist Ihre ordnungswidrige Handlung verjährt und Sie müssen mit keiner Strafe mehr rechnen.

Aber: Die Übersendung eines Anhörungsbogens, eine Vorladung bei der Polizei oder falls Sie von Polizisten aufgesucht werden, unterbrechen die Verjährung. Das bedeutet, dass die drei Monate von diesem Zeitpunkt an neu zu laufen beginnen. 

Einspruch

Sie haben das Recht, innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt des Bußgeldbescheids schriftlich Einspruch einzulegen. Das macht allerdings nur Sinn, wenn Sie tatsächlich nicht zu schnell gefahren sind und das beweisen können oder, wenn z. B. ein Blitzgerät verwendet wurde, das als nicht sehr zuverlässig gilt. Sie müssen dann aber in der Regel einen Anwalt einschalten, der die Verteidigung übernimmt. Die Anwaltskosten bekommen Sie nur bei einem erfolgreichen Einspruch erstattet. Oft besteht jedoch Kostenschutz durch die Rechtsschutzversicherung.   

Fazit

Zu schnelles Fahren kann teuer werden und sogar zum Verlust des Führerscheins führen. Bei einem Unfall riskieren Sie zudem Ihren Versicherungsschutz, wenn Ihnen eine grob fahrlässige oder vorsätzliche Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit vorgeworfen werden kann.


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