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Geld Stromanbieter-Wechseldienste

Viele entscheiden sich einmal für einen Stromversorger und bleiben dort, auch wenn man durch einen Versorgerwechsel günstiger wegkommen könnte. Seit einiger Zeit bieten verschiedene Dienstleister einen Wechselservice an, der verspricht, einen günstigen Tarif zu sichern. Doch lohnt sich das wirklich? Finanzexperte Sebastian Hanisch informiert.

Stand: 08.05.2019

Sinn und Nutzen von Stromanbieter-Wechseldiensten | Bild: BR

Wer sich nicht selbst durch den Dschungel der verschiedenen Stromtarifangebote wühlen, aber stets einen günstigen Tarif nutzen möchte, kann einen Wechseldienst beauftragen. Sind solche Dienste zu empfehlen und worauf sollte man achten? Finanzexperte Sebastian Hanisch gibt Infos und Tipps rund um die neuen Dienstleistungen.

Was sind Stromanbieter-Wechseldienste?

Stromanbieter-Wechseldienste, die sich oft auch um Gasverträge kümmern, suchen für ihre Kunden einen günstigen Tarif heraus und übernehmen die Abwicklung des Anbieterwechsels, also die Kommunikation mit dem alten und dem neuen Anbieter - auf Wunsch auch langfristig.

Was unterscheidet die Wechseldienste von klassischen Vergleichsportalen, wie Check24 und Verivox?

Klassische Vergleichsportale informieren nicht nur über die günstigen Anbieter, sie bieten auch an, den Wechsel zu einem neuen Anbieter zu organisieren. Wechseldienste bieten noch einen zusätzlichen Service: sie versprechen den Kunden, sich langfristig um das Thema Strom- und Gasanbieter zu kümmern. Das heißt, nach Ablauf einer Mindestvertragslaufzeit (meist ein Jahr) suchen sie automatisch, ob es wieder ein günstigeres Angebot gibt. Dann übernehmen sie wiederum für ihre Kunden die Abwicklung des Anbieterwechsels. Außerdem versprechen sie nicht nur, auf den Preis zu achten, sondern auch auf die Qualität eines Anbieters, also ob etwa die Kundenzufriedenheit stimmt.

Was macht die Wechseldienste eigentlich interessant?

Viele Stromanbieter versuchen, Kunden mit hohen Wechselboni zu locken. Das Problem: diese Boni gelten meist nur im ersten Jahr nach einem Wechsel. Im zweiten Jahr steigt der Preis oft deutlich. Wer als Kunde verhindern möchte, diesen höheren Preis zu zahlen, hat die Möglichkeit, durch diese Services jedes Jahr aufs Neue in den Genuss von Neukundenboni zu gelangen. Insbesondere versprechen die Dienstleister, sich so rechtzeitig um einen neuen Anbieter zu kümmern, dass Kündigungsfristen nicht versäumt werden. Der Kunde soll so entlastet werden.

Was kostet es mich, einen Wechseldienst zu beauftragen?

Wechseldienste finanzieren sich unterschiedlich:

  • Manche Dienstleister verlangen eine feste Gebühr, etwa pro Wechsel des Stromanbieters.
  • Andere Services verlangen vom Kunden kein Geld. Sie erhalten stattdessen eine Provision vom neuen Stromanbieter. Das klingt zunächst gut, doch ist damit zu rechnen, dass der Stromanbieter diese Provision wiederum auf die Kosten für die Kunden umlegt.
  • Viele Wechseldienste verlangen eine "Erfolgsbeteiligung", oft in Höhe von 20 bis 30 Prozent der Ersparnis. Auch das klingt zunächst gut. Doch Vorsicht: Wenn ein Kunde in einen günstigen Tarif gewechselt hat, gilt für das 2. Vertragsjahr oft eine andere Berechnung der Ersparnis: es geht dann nicht um die effektive Ersparnis für den Kunden. Die Provision berechnet sich stattdessen in der Regel aus der Differenz der Kosten, die dem Kunden entstehen würden, wenn er bei seinem bisherigen Anbieter bleiben würde, und den Kosten, die er nach einem Wechsel zahlen würde. Im Klartext: Selbst, wenn der Kunde im neuen Tarif mehr zahlt, als er im abgelaufenen Jahr bei seinem alten Anbieter gezahlt hat, kann eine Provision fällig werden. Das Argument der Wechseldienste: würde der Kunde im alten Vertrag bleiben, würde er ja noch mehr zahlen.

Lohnen sich die Wechseldienste unterm Strich?

Die Stiftung Warentest hat in der April-Ausgabe 2019 ihres Hefts "Finanztest" einigen der Wechseldienste ein gutes Zeugnis ausgestellt. Der große Vorteil für die Kunden: Sie kommen jedes Jahr aufs Neue in den Genuss der Wechselboni und können so tatsächlich Geld sparen - im Vergleich dazu, wenn sie bei ihrem alten Anbieter blieben. Die Ersparnis liegt teils bei mehreren Hundert Euro. Außerdem ist, so das Testergebnis, die Nutzung der Dienste meist recht komfortabel. Außerdem positiv: die Wechseldienste achten darauf, möglicherweise unseriöse Anbieter auszusortieren.

Finanzexperte Sebastian Hanisch weist aber auch auf Nachteile hin: Zunächst muss Kunden klar sein, dass die Wechseldienste nicht dafür sorgen, dass man jedes Jahr immer weniger für seinen Strom zahlt. Außerdem fressen Provisionen bei manchen Diensten einen Teil der Ersparnis wieder auf. Der Kunde hat zudem keine Garantie, dass die Dienste wirklich den "besten" und günstigsten Tarif finden. Außerdem ist es nicht so, dass sich Kunden wirklich um gar nichts mehr kümmern müssen: Preiserhöhungen ihres Stromanbieters müssen sie zum Beispiel schnell den Wechseldiensten mitteilen. Auch müssen Kunden die Vertragsunterlagen auf Richtigkeit prüfen. Sollte es mal haken beim Wechsel, müssen Kunden ebenfalls mitwirken, um Probleme schnell zu lösen.

Muss der Wechseldienst jedes Jahr neu beauftragt werden?

Wechseldienste unterbreiten Kunden regelmäßig Vorschläge zu neuen, "besseren" Tarifen. Manche Dienste bieten Kunden zudem an, auf Wunsch regelmäßig einen Wechsel "automatisch" zu veranlassen, also ohne Zutun des Kunden.

Wie genau nutze ich einen Wechseldienst?

Zunächst benötigen Sie Angaben zu ihrem Jahresverbrauch, ihren derzeitigen Versorger und den gewählten Tarif. Diese Daten (inkl. Wohnort) müssen Sie auf der Webseite eines Wechselanbieters angeben. Es gibt auch Anbieter, die Sie telefonisch beauftragen können. In der Folge erhalten Sie Tarifvorschläge (entsprechend Ihrer Vorgaben). Nun können Sie, wenn Sie mit einem Tarif einverstanden sind, den Dienst mit dem Wechsel des Anbieters beauftragen. Vor Ablauf der Kündigungsfrist (meist ein Jahr) bekommen Sie von Ihrem Wechseldienst neue Tarifvorschläge. Beachten Sie, dass Sie bei manchen Wechseldiensten aktiv zustimmen müssen, um einen neuen Tarif nutzen zu können, bei anderen wiederum wird der Wechseldienst automatisch für Sie tätig.

Wie lautet das Fazit von Finanzexperte Sebastian Hanisch zum Thema Wechseldienste?

Wechseldienste können tatsächlich helfen, relativ bequem beim Strom- oder Gastarif zu sparen. Allerdings lassen sich manche Dienste das durchaus gut bezahlen. Und komplett auf die faule Haut kann man sich trotz der Dienste auch nicht legen. Am meisten spart man unter Umständen, wenn man selbst aktiv wird, sich anhand von Vergleichsportalen den für sich besten Tarif heraussucht und selber regelmäßig wechselt. Das ist allerdings auch etwas aufwändiger.


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