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Buchtipps für den Sommer Gewinnen Sie eines von vier Büchern

Im Urlaub hat man endlich Zeit, um sich mal ganz in Ruhe einem guten Buch zu widmen. Buchhändlerin Sabine Abel stellt vier Bücher vor, die sich ihrer Meinung nach besonders gut als Urlaubslektüre eignen.

Stand: 05.07.2019

Hier können Sie an der Buchverlosung teilnehmen

Leider zu spät, die Aktion ist beendet. Aber schauen Sie bald wieder vorbei, wir rufen regelmäßig zum Mitmachen auf.

Mercè Rodoreda: Der Garten über dem Meer

Sabine Abel: "Mercé Rodoreda hat diesen Roman in den 60er Jahren geschrieben, aber erst 2014 wurde er das erste Mal ins Deutsche übersetzt. Die Autorin erzählt die Geschichte eines Paares, das aus einer sehr wohlhabenden spanischen Familie stammt und seine Ferien immer in einem wunderschönen Anwesen oberhalb der Küste verbringt.

Um diesen Besitz kümmert sich ein älterer Gärtner. Aus dessen Perspektive wird die Geschichte auch erzählt. Gleich zu Beginn des Romans erklärt er dem Leser, dass er sich nicht mehr an alle Details der Vergangenheit erinnern könne, er also nur mehr einzelne Szenen der vergangenen Geschehnisse berichten werde. Er erzählt einfühlsam und doch mit einer gewissen Distanz von seinen Arbeitgebern, die als frisch verliebtes Paar den Sommer im Haus über dem Meer verbringen. Er erzählt uns auch, wie sich deren Verhältnis von Jahr zu Jahr verändert, bis schließlich der Sommer kommt, in dem alles anders wird.

Auf dem Nachbargrundstück wird nach jahrelangem Bau endlich die Ferienvilla einer anderen Familie fertig. Als die Besitzer zu einem Besuch in den Garten kommen, wird schnell klar, dass sich zumindest ein Teil der Anwesenden schon lange kennt. Es sind Rosamaria und Eugeni, die beide aus armen Verhältnissen stammen, lange ein Paar waren und einander verlassen haben, um jeweils in finanziell und gesellschaftlich deutlich bessere Verhältnisse einzuheiraten. Diese Begegnung bleibt selbstverständlich nicht folgenlos.

Dieses Buch ist ein kleines Juwel, das es durchaus mit 'Der große Gatsby' aufnehmen kann. Auch die Themen und die Stimmung der Geschichte erinnern mich sehr an Fitzgerald. Es geht um Geld, Einfluss, Posen, Partys und Macht, um die innere Leere aufzufüllen. Eingebettet ist der Roman in die Zeit kurz vor Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs, was die Atmosphäre noch dichter macht."

Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah

"Die Hauptfigur der Geschichte ist Ifelmu, eine junge Frau aus Nigeria. Nach einem längeren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten kehrt sie in ihre Heimat zurück. Obwohl sie sich ihren nigerianischen Akzent bewahrt hat, ist sie eine Americanah - eine Frau, die ihr Heimatland verlassen hat, um den Traum vom besseren Leben in den USA zu verwirklichen. Als Ifelmu damals das Stipendium für eine große Universität bekommen hatte, musste sie sich entscheiden. Bleibt sie zu Hause und damit auch bei ihrer großen Jugendliebe Obzine oder wagt sie den großen Schritt ins Unbekannte?

Kaum in Amerika angekommen, bricht sie den Kontakt zu ihrer Familie und auch zu ihrem Freund ab, zu fordernd und beeindruckend ist ihr neues Leben. Schnell hat sie großen Erfolg als Bloggerin sowie Journalistin und ist politisch sehr aktiv. Für mehr als die ein oder andere Liebschaft ist in ihrem aufregenden Leben keine Zeit. Obzines Pläne, Ifelmu zu folgen, scheitern und er strandet als illegaler Einwanderer in England.

Ganz kann Ifelmu Nigeria und auch Obzine allerdings nicht vergessen. Sie kehrt zurück in ihre Heimat und trifft Obzine wieder. Auch er, mittlerweile erfolgreicher Immobilienmakler, ist ebenfalls zurückgekommen. Er ist unglücklich verheiratet mit einer Frau, die außer ihren dauernden Forderungen wenig zum gemeinsamen Leben beiträgt. Als Ifelmu und Obzine sich nach all den Jahren wiedersehen, ist schnell klar, dass sie sich immer noch sehr lieben. Völlig unklar ist dabei, wie es für die beiden weitergehen soll.

Für mich ist dieses Buch ein sehr wichtiges, da es viele soziale, politische und gesellschaftliche Themen anspricht. In Bezug auf Ifelmu geht es um Begriffe wie eigene Identität, Fremdsein, Heimat und nicht zuletzt um Verantwortung. Dauernd prallen die verschiedenen Welten in Nigeria und den USA aufeinander. Nigeria wird dabei nie als armes Entwicklungsland dargestellt, sondern als ein Land mit einer komplizierten, verunsicherten Gesellschaft. Die Autorin erzählt auch von den zahlreichen Missständen in Nigeria, bemüht dafür aber keine Klischees."

Sonja Heiss: Rimini

"Die Autorin beschreibt eine ganz normale Familie. Da gibt es die Eltern, Barbara und Alexander, seit über 40 Jahren verheiratet. Sie führen eine Beziehung nach ganz klassischem Muster. Dann ist da noch ihr Sohn Hans, erfolgreicher Anwalt, sehr wohlhabend und verheiratet mit Ellen. Gemeinsam haben sie zwei wohlgeratene Kinder. Nur Tochter Masha tanzt aus der Reihe. Sie versucht sich mehr oder weniger erfolglos als Schauspielerin und erst kurz vor ihrem 40. Geburtstag macht sich bei ihr der Kinderwunsch bemerkbar.

Aber hinter dem Anschein einer fast perfekten Familie sieht die Realität ganz anders aus. Barbara und Alexander haben sich schon seit Jahren auseinandergelebt. Barbara fühlt sich von Alexander mehr und mehr eingeengt, Alexander fühlt sich alleingelassen. Aus Frust kauft er sich einen Wellensittich, während Barbara ihre Depression pflegt. Auch in der Ehe von Hans und Ellen ist ordentlich der Wurm drin. Außerdem kämpft Hans neuerdings mit einer noch nie gekannten Aggressivität, wegen der ihn seine Frau sogar in Therapie schickt. Mashas Kinderwunsch wird immer stärker, allerdings möchte sie das Kind lieber nicht mit ihrem langjährigen Freund bekommen, weshalb sie - auf der Suche nach einem passenden Kindsvater - durch die Betten flüchtiger Internetbekanntschaften tingelt.

Sonja Heiss kommt eigentlich vom Film und das erkennt man bei ihrem ersten Roman auch ab der ersten Seite. Sofort hat man Bilder von Familientreffen im Kopf und erinnert sich an skurrile Situationen aus dem eigenen Familienleben. Ihre Geschichte sprüht vor Witz und Situationskomik. Je mehr Zeit man mit ihren Figuren verbracht hat, umso lieber hat man sie, trotz aller Fehler. Bei all der Komik, hat dieser Roman aber auch eine sehr ernste Seite mit einem tiefen Blick in die Abgründe einer 'normalen' Familie. Dieses Buch mutet seinen Leserinnen und Lesern auf jeden Fall jede Menge zu: von lautem Lachen bis hin zum Fremdschämen ist alles dabei."

Abir Mukherjee: Ein notwendiges Übel

"Captain Sam Wyndham lebt und arbeitet bereits seit einem Jahr in Kalkutta. Er und sein Sergeant Surrender-not Banerjee sollen nun den Prinzen Adhir Singh Sai vom Königreich Smbalpur beschützen. Der Prinz hält sich in der Stadt auf, da er an einem Treffen souveräner Fürstenstaaten teilnimmt. Er wird ermordet, der Attentäter entkommt. Die ersten Spuren zeigen, dass es sich bei dem Attentäter um einen Mann aus der Heimat des Prinzen handelt. Deswegen sollen die Ermittlungen auch in erster Linie dort stattfinden.

Wyndham hat also keine Befugnisse. Er und sein Sergeant reisen aber trotzdem, natürlich rein privat, zur Beerdigung des Prinzen. Adhirs Vater hat schon viel von den beiden Engländern gehört und bittet sie daher, unauffällig im Palast zu ermitteln. Er vermutet, dass der Attentäter aus Palastkreisen stammt. Erschwert werden die Ermittlungen nicht nur durch die sehr beschränkten Befugnisse, der Monsun tobt und das ganze Land scheint in Schlamm und Matsch unterzugehen. Zum Palast des Fürsten gehören Unmengen an Personal, die Ehefrauen des Maharadschas leben in einer Art Harem. Wie und wo sollen Wyndham und sein Kollege mit Befragungen und Nachforschungen anfangen? So bleiben auch die Hintergründe für den Mord sehr lange im Dunkeln verborgen. War es ein Mord aus Eifersucht oder doch ein politisch und religiös motiviertes Attentat? Die Zeit drängt, Wyndham wird dringend in Kalkutta zurückerwartet.

Für mich sind die beiden Ermittler fast so wie Sherlock Holmes und Doktor Watson. Ein wenig verschroben und jeder der beiden kämpft mit seinen inneren Dämonen. Auch wenn dieser Roman bereits der zweite Teil über Captain Wyndham ist, kann man problemlos einsteigen. Die Geschichte ist nichts für Liebhaber blutspritzender Horrorgeschichten. Eher leise, aber sehr spannend in der Tradition englischer Krimiliteratur, wird hier eine Geschichte gesponnen, die noch viel mehr zu bieten hat. Opulent schildert Mukherjee die Dekadenz der Oberschicht in den 20er Jahren in Indien. Dabei spart er nicht an vielen Details der langen Kolonialgeschichte der Briten."


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