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Bücher Buchtipps für den Sommer

Ob in der Hängematte, am Strand oder gemütlich im Sessel - Buchhändlerin Sabine Abel gibt Tipps, welche Bücher Sie diesen Sommer unbedingt lesen sollten.

Stand: 02.05.2019

Buchtipps für den Sommer | Bild: Colourbox

Raffaella Romagnolo: Bella Ciao

Borgo di Dentro ist ein kleines Dorf im italienischen Piemont. Dort wachsen Giulia und Anita gemeinsam auf. Schon als junge Mädchen müssen beide in der Seidenspinnerei am Ort arbeiten, um sich und ihren Familien einen kargen Lebensunterhalt zu sichern. Während Giulia nur mit ihrer Mutter zusammenlebt, wird Anita in eine starke und nicht ganz so arme Großfamilie hineingeboren, die Weinberge gepachtet hat und diese bewirtschaftet. Als Giulia eines Abends sieht, wie ihre beste Freundin ihren Verlobten küsst, packt sie in einer Nacht- und Nebel-Aktion ihre Habseligkeiten und verlässt Italien. Sie wandert in die USA aus.

1946 kehrt sie zusammen mit ihrem Sohn für eine Nacht zurück in ihr Heimatdorf und natürlich holen sie die alten Erinnerungen schnell ein. In Rückblenden wird Giulias Leben erzählt, ihre Reise in die USA und wie sie in New York ihr Glück und Wohlstand findet. Während für Giulia der amerikanische Traum in Erfüllung geht, bleibt Anita ihr ganzes Leben in Borgo di Dentro. Auch über ihr Leben und das ihrer Familie erfährt der Leser viel. Raffaella Romagnolo erzählt von einem Leben, das von zwei Weltkriegen erschüttert wird. Sie schildert eindrucksvoll das harte, entbehrungsreiche Arbeiterleben. Aber sie erzählt auch von einer tiefen Verbundenheit unter den Familienmitgliedern, von bedingungslosem Zusammenhalt und Loyalität. Nur einmal erwähnt die Autorin das titelgebende Partisanenlied 'Bella Ciao' namentlich, doch spielen in Anitas Leben die sozialen und politischen Turbulenzen des beginnenden 20. Jahrhunderts eine entscheidende Rolle.

"Dieses Buch ist der perfekte Schmöker. Einmal damit angefangen, konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Trotz der vielen Personen (zur Sicherheit hat die Autorin zwei Stammbäume angehängt), wird die Geschichte nie unübersichtlich oder verwirrend. 'Bella Ciao' ist einer dieser Romane, die einem eine ganz neue Welt eröffnen, die man nicht mehr vergisst. Die Autorin schreibt mit viel Einfühlungsvermögen und schafft so komplexe Entwicklungen, in denen Menschen über sich hinauswachsen und auch Gut und Böse nicht immer klar zu trennen sind. Ein intensives Leseerlebnis!"

Sabine Abel, Buchhändlerin

Nikos Milonás: Kretische Feindschaft

April auf der griechischen Insel Kreta. Der wilde Thymian und der Oleander blühen, die Luft wird langsam warm. Noch sind kaum Touristen auf der Insel. Diese Zeit im Jahr liebt Kommissar Michalis Charisteas am meisten. Er ist auf Kreta geboren und aufgewachsen und kann sich eigentlich auch keinen besseren Platz zum Leben vorstellen. Seine große Familie ist ihm sehr wichtig und natürlich seine Freundin Hannah. Sie kommt aus Deutschland, arbeitet in ihrer Heimat als Kunsthistorikerin und ist so oft auf der Insel und bei Michalis, wie es ihr irgendwie möglich ist. Auch als die Geschichte beginnt, ist Hannah gerade auf dem Weg nach Kreta. Michalis kann es kaum erwarten, sie vom Flughafen abzuholen. Doch dann kommt ein Anruf aus dem Kommissariat und Michalis steckt mitten in einer neuen Ermittlung.

Der Bürgermeister des Nachbarortes ist wie vom Erdboden verschluckt und bald stellt sich heraus, dass er nicht einfach nur verschwunden ist. Er hatte einen Autounfall, bei dem nicht alles mit rechten Dingen zugegangen zu sein scheint. Michalis hat keine andere Wahl, er muss sich den Ermittlungen widmen und seine große Liebe Hannah hat zunächst das Nachsehen. Aber auch in Michalis Familie geht es turbulent zu. Michalis und Hannah wollen endlich in ihre eigene, gemeinsame Wohnung ziehen. Doch die Bauarbeiten verzögern sich immer wieder. Außerdem kämpft Michalis Bruder mit seiner pubertierenden Tochter und seine Eltern können das junge Liebesglück einfach nicht in Ruhe lassen. Zu gerne sind sie dabei und freuen sich mit ihrem Sohn und der Fast-Schwiegertochter.

"Dieses Buch ist der erste Teil einer neuen Krimireihe. Mir gefällt besonders gut die Mischung aus einer sehr spannenden und bis zur letzten Seite unklaren Krimihandlung und Michalis Familiengeschichte. Man merkt sofort, dass Nikos Milonás, der eigentlich Frank D. Müller heißt und aus Norddeutschland stammt, ein echter Kenner und Liebhaber der Insel Kreta ist. Egal ob er Landschaften, Städte mit ihren Gerüchen und Eindrücken oder auch den Geschmack des Essens beschreibt, man fühlt sich, als wäre man vor Ort. Schon bei seinem ersten Urlaub auf der Insel hat sich der Autor in Kreta und seine Bewohner verliebt. Das merkt man in jeder Zeile. Ich bin schon gespannt auf die nächsten Teile."

Sabine Abel, Buchhändlerin

Sarah Fischer: Zeilen ans Meer

Nach ihrem Abitur wollte Lena nur eines: weg aus Deutschland. Sie war abenteuerlustig und gespannt auf alles, was die weite Welt ihr zu bieten hat. Damals entschied sie sich für ein Jahr Work and Travel in Australien. Es war eine wunderbare Zeit. Zum Abschied warf sie damals eine Flaschenpost ins Meer. Darin eine Art Brief an sich selbst, in den sie alles geschrieben hat, was ihr gefallen hat, was sie nicht mochte, was sie in ihrem Leben noch erreichen will und was es unbedingt zu vermeiden gilt.

Es sind ungefähr 15 Jahre vergangen, als sie einen Brief aus Australien bekommt. Er ist von Sam, der auf seiner Joggingrunde am Strand die Flasche mit dem Brief gefunden hat. Ihm hat so gut gefallen, was in dem Brief stand, dass er der Aufforderung, einen Antwortbrief an die Versenderin der Flaschenpost zu schreiben, sofort nachkommt. Was zunächst als Spaß und kleine Brieffreundschaft beginnt, wird bei beiden schnell intensiver. Sie vertrauen sich gegenseitig Dinge an, die sie sonst niemandem erzählen. Und mit der Zeit wird aus dem Briefwechsel eine echte Freundschaft. Oder sogar noch mehr? Wären da nur nicht die Hürden und Probleme des Alltags und diese riesige Distanz. Sam und Lena stecken fest in ihrem beruflichen und familiären Trott und tausenden vermeintlichen Verpflichtungen. Hat ihre Liebe eine Chance? Ob sie sich jemals treffen werden und der Zauber dann noch der gleiche ist?"

"Ein Buch in Briefform ist immer wieder etwas ganz Besonderes. Diese Liebesgeschichte wird fast ausschließlich in Briefen erzählt. Dadurch erreicht Sarah Fischer, dass man sich als Leser besonders gut in den jeweiligen Briefeschreiber hineinversetzen kann. So ist man beim Lesen einmal in Australien, einmal in Deutschland. Die australische Natur, die Landschaften sind wunderbar, fast bildlich geschildert. Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist, dass man beim Lesen einmal die Liebesgeschichte aus der männlichen, einmal aus der weiblichen Perspektive erzählt bekommt. Ein toller Schmöker für alle, die ab und zu das Fernweh plagt."

Sabine Abel, Buchhändlerin

Harry Kämmerer: Drachenfliegen

Harry Kämmerer erzählt in seinem neuen Roman die Geschichte von Hans. Er ist 50 Jahre alt, Familienvater und in München zu Hause. Er hadert ein wenig mit dem Älterwerden und damit, wie schnell doch die Zeit vergangen ist. Ihm scheint es, als wäre es erst gestern gewesen, als er mit seinem besten Freund Elmar in Regensburg durch die Gegend gestromert ist, immer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. In Regensburg ist Hans aufgewachsen, ganz in der Nähe des Bunkerbergs, den Harry Kämmerer in seinem Buch als echten, manchmal recht gefährlichen Abenteuerspielplatz beschreibt. Dort bauen die Buben Lager, finden Schätze und auch sonst alles, was man als Junge so braucht. Der einzige, der Elmar und Hans stört, ist Maxi, der immer lästige und ein wenig zu aufdringliche Nachbarjunge. Auch an ihn erinnert sich Hans all die Jahre später auf einmal wieder. Eines Tages, als Elmar und Hans Maxi wieder einmal erfolgreich abgewimmelt hatten, war Maxi plötzlich verschwunden. Alles war wie im Fernsehen. Suchtrupps von der Polizei, alle Nachbarn und Freunde, Klassenkameraden wurden befragt. Wie konnte Hans diese Ereignisse einfach vergessen? Nach all der Zeit taucht auch plötzlich wieder die Frage auf, die Hans so lange erfolgreich verdrängt hat. Haben er und Elmar Mitschuld an Maxis spurlosem Verschwinden?

Bevor Harry Kämmerer diese Frage beantwortet, nimmt er den Leser mit auf eine Zeitreise zurück in die 70er und 80er Jahre. Wir begleiten Hans auf seinem Weg zum Erwachsenen. Hans Familie zieht nach Passau, wo er neue Freunde findet und sich das erste Mal unsterblich verliebt. Wir begleiten Hans auf Schulfeste und Partys, später dann nach München, wo er studiert und seine Familie gründet.

"Was ich an diesem Roman so gemocht habe, ist die unaufgeregte Art, in der Harry Kämmerer aus dem Leben von Hans erzählt. Viele Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend kommen beim Lesen wieder zum Vorschein. Hans liest 'Silberpfeil'-Comics und isst Cornetto-Eis. Er gruselt sich mit seinen Eltern jeden Freitag bei 'Aktenzeichen XY ungelöst'. Bei all den Kindheitserinnerungen bleibt aber immer die spannende und geheimnisvolle Geschichte um den verschwundenen Maxi, die sich beinahe wie ein Krimi liest. Und nicht zuletzt die Frage, wie zuverlässig die eigenen Erinnerungen sind oder auch nicht ..."

Sabine Abel, Buchhändlerin


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