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Service Gesundheit Was tun bei akuter Nebenhöhlenentzündung?

Haben Sie in letzter Zeit - gefühlt natürlich nur - den Jahresumsatz der Taschentuch-Industrie gesichert? Fühlen Sie sich schlapp und verspüren Sie ein Druckgefühl im Stirnbereich? Dann könnte eine akute Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung) dahinterstecken. Aber keine Sorge, denn unser HNO-Arzt Dr. Thomas Meier-Lenschow verrät, was Sie jetzt tun sollten.

Stand: 07.01.2020

Alle Jahre wieder: Husten und Schnupfen greifen um sich. | Bild: BR/Sylvia Bentele

Sinusitis-Formen

Die Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte Hohlräume im Gesichtsschädel und liegen - wie der Name schon sagt - in der Nachbarschaft der Nase. Sind sie entzündet, kann dies akut oder chronisch verlaufen:

  • Akute Sinusitis: Sie gehört zu den häufigen Krankheiten, entsteht meist im Rahmen eines Schnupfens und hält bis zu 30 Tage an.
  • Chronische Sinusitis: Hier treten die Symptome in Schüben auf, dazwischen verschwinden die Beschwerden aber nie völlig und dauern über 3 Monate im Jahr. Schuld können Nasenpolypen, Probleme mit den Nasenmuscheln oder eine Verkrümmung der Nasenscheidewand sein. Mitauslöser können auch sein: Arbeiten in Tiefkühleinrichtungen, ständiger Luftzug oder allergische Erkrankungen. Es gibt auch eine genetische Disposition dafür.

Ursachen

Eine Nebenhöhlenentzündung entsteht meist in Folge einer akuten Erkältung, die einen ungünstigen Verlauf nimmt. Während einer Erkältung schwellen die Schleimhäute an, die Belüftungsgänge der Nebenhöhlen sind verstopft und der sich bildende Schleim kann nicht mehr richtig abfließen. Durch die angestauten Sekrete und die fehlende Belüftung können sich Bakterien besser vermehren. Es kommt zu einer Entzündung, im Fachjargon "bakterielle Superinfektion" genannt.

Symptome

Akute Sinusitis:
Grundsätzlich gilt ein zu lang andauernder Schnupfen als Indikator einer Nebenhöhlenentzündung. Weitere Symptome können sein:

  • Fieber
  • Kopfschmerzen und Druckgefühl im Stirnbereich, vor allem beim Bücken
  • Müdigkeit
  • eitriger Ausfluss aus der Nase
  • Schmerzen im Gesicht, oft auch schmerzende Oberkieferzähne
  • Schwellungen im Stirn- und Gesichtsbereich
  • reduzierter Geruchs- und Geschmackssinn
  • vermindertes Hörvermögen durch mangelhaften Druckausgleich
  • Schwindel

Tipp: Selbsttest

Betroffene können auch selbst einen diagnostischen Kurztest machen. Dabei klopft man die betroffenen, schmerzenden Stellen im Gesicht ab bzw. übt leichten Druck auf sie aus. Bei einer Sinusitis müssten sich die Schmerzen dadurch verstärken.

Chronische Sinusitis:
Eine chronische Sinusitis geht oft mit weniger Symptomen einher. Die meisten Patienten leiden durchgehend an einer verstopften Nase, Riechstörungen, Kopfschmerzen und allgemeiner Abgeschlagenheit. Häufig kommt es zu immer wiederkehrenden Schüben, in denen sich diese Beschwerden verstärken und weitere von den oben genannten Symptomen dazukommen können.

Therapie

  • … bei akuter Sinusitis: Bei der Behandlung einer akuten Nebenhöhlenentzündung muss dafür gesorgt werden, dass die Schleimhäute abschwellen und der Sekret-Stau gelöst wird. Nur so kann die Entzündung wieder abklingen. Dabei helfen abschwellende Nasensprays und Schleimlöser. Bettruhe ist nur eingeschränkt zu empfehlen, da im Liegen die Schleimhäute noch mehr anschwellen. Wichtig ist, viel zu trinken (3-4 Liter pro Tag), damit der Schleim in den Atemwegen verflüssigt wird. Auch Inhalationen sind sinnvoll: Beugen Sie sich über einen Topf mit heißem Salzwasser und sekretolytischen Ölen (z. B. Thymian, Eukalyptus, Myrte) und legen Sie ein Handtuch über den Kopf. Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen verbessern die Belüftung der Nebenhöhlen, Schleimlöser auf pflanzlicher Basis fördern den Sekretabstransport. Ist die Nebenhöhlenentzündung besonders hartnäckig, kann es sich um eine bakterielle Entzündung handeln. Neueste Studien zeigen, dass der Einsatz von Antibiotika wesentlich seltener nötig ist, als allgemein üblich.
  • … bei chronischer Sinusitis: Abschwellende Nasensprays sollten nur kurzzeitig verwendet werden, da sie bei langfristiger Benutzung die Schleimhäute irreversibel schädigen. Stattdessen können kortisonhaltige Nasensprays helfen, die Entzündung zu lindern. Sind Nasenpolypen, vergrößerte Nasenmuscheln oder eine schiefe Nasenscheidewand Ursache für die chronischen Beschwerden, ist eine Operation nötig, bei der die Polypen entfernt bzw. die Nasenscheidewand begradigt werden. Bei Verdacht auf eine chronische Sinusitis sollten Sie in jedem Fall ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Vorbeugung

  • Rauchen sowie sehr trockene Räume schaden den Schleimhäuten.
  • Putzen Sie richtig Ihre Nase, d. h. nicht gleichzeitig und mit viel Kraft durch beide Nasenhälften schnäuzen, da dadurch das Sekret wieder in die Nasennebenhöhlen gepresst wird und dort eine Entzündung entstehen kann.
  • Unterdrücken Sie das Niesen nicht.
  • Achten Sie auf Hygiene und waschen Sie sich mit Seife die Hände, bevor Sie sich ins Gesicht langen oder etwas essen.
  • Teilen Sie Nasensprays und -tropfen nicht mit anderen Personen.
  • Verwenden Sie eine Nasendusche - aber nur als Prophylaxe.
  • Trinken Sie ausreichend, d. h. ca. zwei Liter am Tag. (Bei Vorerkrankungen wie beispielsweise einer Herzschwäche muss die Trinkmenge allerdings mit dem Arzt abgesprochen werden.)
  • Ernähren Sie sich ausgewogen und vitaminreich.
  • Achten Sie auf viel Bewegung.
  • Sorgen Sie für ausreichend Schlaf.

Wann zum Arzt?

  • bei starken Kopfschmerzen, Fieber und schwerem Krankheitsgefühl
  • bei pulsierenden Schmerzen im Stirnbereich
  • bei einem länger als zwei Wochen andauernden Riechverlust

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