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Sicherheit Sicheres Baden in Seen und Flüssen

Warme Temperaturen locken uns in Scharen in Freibäder, an Seen und Flüsse. Aber das Baden in natürlichen Gewässern ist nicht ganz ungefährlich. Im vergangenen Jahr sind in Deutschland über 500 Menschen ertrunken. Die meisten davon in Seen und Flüssen. Tipps von Klaus Heimlich von der Berufsfeuerwehr München, wie Sie Badeunfälle vermeiden können.

Stand: 24.04.2019

20.04.2019, Bayern, Aitrang: Ausflügler schwimmen in dem noch kühlen Wasser des Elbsees. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Karl-Josef Hildenbrand

Tipps für sicheres Badevergnügen

  • Badeverbote beachten
  • Nie alleine schwimmen: Gehen Sie nie alleine in einem natürlichen Gewässer schwimmen, da es sonst unter Umständen niemanden gibt, der Ihnen zu Hilfe kommen bzw. den Rettungsdienst alarmieren kann, falls Sie in eine Notsituation geraten.
  • Kinder immer beaufsichtigen: Lassen Sie Kinder nie aus den Augen, auch nicht im seichten Wasser. Und bedenken Sie, dass Kinder selbst mit Schwimmflügeln untergehen können.
  • Langsam ans kalte Wasser gewöhnen: Wenn Sie aufgeheizt von der Sonne ins kalte Wasser springen, kann der Temperaturunterschied zu einem Schock oder sogar Herzversagen führen.
  • Unterkühlung vermeiden: Falls Ihnen kalt wird, sollten Sie das Wasser möglichst schnell verlassen. Droht der Körper zu unterkühlen, verwendet er nämlich die Energie dazu, die Körpertemperatur zu erhalten und lebenswichtige Organe zu schützen. Der Betroffene hat dann kaum mehr Kraft zu schwimmen. Ist er nicht in Ufernähe, kann das lebensgefährlich werden.
  • Nicht in unbekanntes Gewässer springen: Springen Sie nie in unbekanntes Gewässer, vor allem nicht mit einem Kopfsprung, da Sie nicht wissen, wie tief es ist oder ob sich z. B. unter der Wasseroberfläche Felsen befinden.
  • Bei Gewitter raus aus dem Wasser: Verlassen Sie sofort das Wasser, wenn ein Gewitter aufzieht, denn Wasser leitet Strom. Schlägt ein Blitz in das Gewässer ein, kann das bei Personen, die sich im Wasser befinden, zu Muskellähmungen führen.
  • Kraft gut einschätzen und einteilen: Eine große Gefahr besteht darin, die eigene Kraft und Leistungsfähigkeit zu überschätzen. Teilen Sie sich Ihre Kraft so ein, dass Sie auf jeden Fall noch gut für den Rückweg reicht. Sicherer als in die Mitte eines großen Sees zu schwimmen ist es, am Ufer entlang zu schwimmen.
  • Strömung nicht unterschätzen: Unterschätzen Sie, vor allem in größeren Flüssen, nicht die Strömung, denn diese kann eine enorme Kraft haben und auch geübte Schwimmer abtreiben.
  • Lebensgefährliche Strudel: In natürlichen Gewässern, vor allem in Flüssen, müssen Sie immer mit Strudeln rechnen, die Sie nach unten ziehen. Halten Sie Abstand zu Hindernissen im Wasser (z. B. Brückenpfeiler, Felsen), da sich dort Strudel bilden.
  • Nicht mit vollem Magen schwimmen: Wenn der Körper nach einer üppigen Mahlzeit verdaut, sinken Blutdruck und Herzfrequenz. Im kalten Wasser hingegen macht der Körper genau das Gegenteil: Blutdruck und Herzfrequenz steigen, damit die Muskeln gut durchblutet werden und der Körper nicht auskühlt. Bei gesunden Menschen sind diese gegenteiligen Körperreaktionen unproblematisch. Bei Menschen mit Vorerkrankungen (z. B. Bluthochdruck) kann das hingegen u. a. zu einer Ohnmacht und damit zum Ertrinken führen.

In brenzlichen Situationen richtig reagieren

  • Wenn Sie in einen Strudel geraten: Versuchen Sie auf keinen Fall, nach oben zu schwimmen. Sie würden immer wieder nach unten gezogen werden und wahrscheinlich ertrinken. Lassen Sie sich stattdessen vom Strudel nach unten ziehen bzw. tauchen Sie aktiv nach unten. Strudel sind nämlich trichterförmig, d. h. unten sind sie am schmalsten. Dort haben Sie die besten Chancen, aus dem Strudel seitlich herauszutauchen.
  • Wenn Ihnen die Kraft ausgeht: Bleiben Sie ruhig, drehen Sie sich flach auf den Rücken und versuchen Sie so wieder Kraft zu sammeln.
  • Wenn Sie einen Krampf bekommen: Drehen Sie sich auch in diesem Fall flach auf den Rücken und strecken Sie das betreffende Körperteil sanft.
  • Wenn Sie von der Strömung abgetrieben werden: Lassen Sie sich mit der Strömung treiben und versuchen Sie, seitlich herauszukommen.

Tipps für Ersthelfer

  • Alarmieren Sie die Wasserwacht, falls es vor Ort eine gibt.
  • Falls nicht, setzen Sie unverzüglich einen Notruf (112) ab. Auch dann, wenn ein beinahe Ertrunkener nach kurzer Wiederbelebung wieder atmet und zu Bewusstsein kommt, da sich der Zustand schnell wieder verschlechtern kann.
  • Bringen Sie sich selbst nicht in Gefahr. Werfen Sie dem Ertrinkenden einen Rettungsring, ein Seil oder eine andere Schwimmhilfen zu. Das ist sicherer, als Ertrinkende ohne Hilfsmittel aus dem Wasser zu ziehen, denn diese klammern sich häufig panisch an die Retter und ziehen diese mit unter Wasser, sodass beide ertrinken können. Alternative: Geben Sie einem panisch um sich schlagenden Ertrinkenden eine kräftige Ohrfeige, um ihn aus der Panik zu bekommen. Dann haben Sie eine Chance, ihn zu retten.

Leisten Sie, wenn nötig, bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes Erste Hilfe:

  • Ist der Verunglückte bewusstlos, atmet aber: stabile Seitenlage (Kopf überstrecken)
  • Atmet er nicht mehr: Beginnen Sie sofort mit der Herzdruckmassage. Halten Sie durch, bis der Rettungsdienst vor Ort ist, auch wenn Sie das Gefühl haben, es hat keinen Sinn mehr. Ziel ist nicht primär, das Herz wieder zum Schlagen zu bringen, sondern die Sauerstoffversorgung des Gehirns sicherzustellen bis die Rettungskräfte eintreffen.

Übrigens: Anders als viele glauben, schreien Ertrinkende meist weder, noch rudern sie wild mit den Armen. Sie gehen einfach still unter!


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