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Psychologie Tipps für ein besseres Selbstvertrauen

Der eine traut sich nichts zu, der andere hält sich für den Größten. Woran liegt das? Sich selbst vertrauen und sich selbst wertschätzen, liegt nicht jedem. Familientherapeutin Birgit Salewski erklärt, was Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl überhaupt bedeuten und gibt Tipps, wie sie sich aufbauen lassen.

Stand: 29.07.2019

Birgit Salewski, Familientherapeutin bei "Wir in Bayern" | Bild: Wir in Bayern

Familientherapeutin Birgit Salewski wird in der Sendung auf folgende Fragen eingehen:

Was bedeutet Selbstvertrauen und Selbstwert genau?

"Selbstwert ist so etwas wie der Oberbegriff für alles. Damit ist gemeint, welchen Wert oder welche Bewertung ein Mensch sich selbst gegenüber gibt oder vornimmt. Wie denke ich also über mich? Denke ich, dass ich ein kraftvoller, einflussreicher und gern gesehener Mensch bin oder finde ich mich selbst unattraktiv, langweilig und langsam? Diese Bewertungen über uns selbst geben uns unseren Selbstwert. Dabei spielt natürlich auch eine Rolle, wie sehr ich negative oder positive Rückmeldungen aus der Umwelt mit einfließen lasse und welche Bedeutung ich diesen gebe.

Selbstvertrauen meint eher einen Teilbereich des Selbstwertes, nämlich das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten. Deutlich wird das z. B. daran, ob sich jemand zutraut, mit den ihm gerade zur Verfügung stehenden Fähigkeiten eine bestimmte Herausforderung zu bewältigen. Traue ich mir den neuen Job zu? Kann ich darauf vertrauen, dass mein Können und meine Stärken ausreichend sind, um die neue oder anstrengende Situation zu bewältigen?“"

Wie wichtig ist ein gesundes Selbstvertrauen?

"Ein gutes Selbstvertrauen und ein guter Selbstwert ist in meinen Augen sehr wichtig, da ich mich so in Situationen behaupten und für meine Interessen einsetzen werde, weil ich es mir wert bin und daran glaube, dass ich etwas verändern kann. Das heißt, ich stehe für mich ein, was z. B. gegenüber dominanten Menschen im Beruf und auch z. B. für meine Gesundheit wichtig ist. Das Zweite heißt, ich traue mir mehr zu, traue mich auch in unbekannte Situationen und bin erfolgreich in dem, was ich anpacke. So erweitert der Mensch nach und nach seine Erfahrungen und Fähigkeiten, da er sich immer wieder selbst so einschätzt, dass er Herausforderungen bewältigen kann. Quasi eine Aufwärtsspirale positiver Erlebnisse, die mich selbstvertrauensvoller werden lassen für die nächste Herausforderung."

Was tun, wenn der Selbstwert im Keller ist? Wie kann ich ihn stärken?

"Dabei kann Folgendes hilfreich sein:

  • Wenn man sich selbst abwertet und nicht gut über sich denkt, dann sollte man anfangen, diese Gedanken zu hinterfragen und daran zu arbeiten, einen gnädigen, liebevollen und akzeptierenden Blick auf sich zu werfen. Dabei hilft z. B. Achtsamkeit, sodass wir langsam unser Wertesystem hinterfragen und korrigieren.
  • Auch hilfreich ist es anzufangen, für sich selbst gut zu sorgen. Das heißt, seine Bedürfnisse achtet man als Erstes selbst und man kümmert sich darum, dass die eigenen Bedürfnisse auch befriedigt werden. Das verhindert, dass man anderen die Schuld gibt und in belastende Abhängigkeit gerät.
  • Letztlich hilft Disziplin, um negative Gedanken über sich selbst aktiv zu stoppen und sich bewusst zu machen, welche automatischen Gedankenschleifen sich abspielen. Das kann anstrengend sein, ist aber eine wichtige Übung, nicht jedem Gedanken einfach freien Lauf zu lassen."

Wie kann ich andere, z. B. meine Kinder oder meinen Partner, in ihrem Selbstvertrauen stärken bzw. unterstützen?

"Heute wissen wir, dass es ein paar entscheidende Faktoren gibt, wie der Mensch ein gutes Selbstwertgefühl aufbaut:

Vertrauensvolle Bezugspersonen, die uns positive Rückmeldungen geben

Hier entwickelt sich das sog. Urvertrauen. Der Mensch fühlt, er ist willkommen, angekommen, wird geachtet und respektiert und seine Entwicklung wird gefördert und unterstützt. Hier erfahren wir Wertschätzung, Schutz, Sicherheit, Verbundenheit, Bestärkung und Wachstum.

Das Erleben von Wirksamkeit und Erfolg

So lernen Menschen, dass ihr Verhalten einen Unterschied machen kann im Leben und dass sie aktiv Einfluss nehmen können und nicht passiv das Leben über sich ergehen lassen. Wer die Erfahrung macht, dass er selbst etwas verändern oder zum Guten wenden kann, vertraut sich und seinen Fähigkeiten eher.

Freiheit in Verbundenheit

In der Lebensphase der Pubertät und Jugend werden Autonomie und Freiheit immer wichtiger für den jungen Menschen. Ziel ist aber nicht die plötzliche und schnelle Loslösung vom Elternhaus, sondern eine langsame Entwicklung hin zu mehr Freiheiten und somit auch zu weiteren und neuen, stabilen, sozialen Verbindungen. Ohne diese Verbundenheit leidet der Mensch, ohne Freiheit zum rechten Zeitpunkt jedoch auch. Es kommt also auf die Ausgewogenheit an.

Zentral ist, dass der Mensch lernt oder wiedererlernt, dass er selbst einen Unterschied machen kann und soll. Zu viel Schicksalsergebenheit und eigene Abwertungen nach dem Motto: 'Ich kann das einfach nicht, ich schaffe das nie.' sind nicht hilfreich, sondern schädlich."


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