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Allgemeinmedizin Selbsthilfe bei Beschwerden an den Feiertagen

Weihnachten steht vor der Tür und fast jeder hat es schon einmal erlebt: Man wird über die Feiertage krank, wenn Apotheken und Arztpraxen geschlossen sind. Gut, wenn man sich in solch einem Fall selbst helfen und auf eine gut bestückte Hausapotheke zurückgreifen kann. Tipps von Allgemeinarzt Dr. Klaus Tiedemann.

Stand: 16.12.2019

Kranke junge Frau | Bild: BR

Verbrennungen

  • Kühlen Sie kleinere Verbrennungen und Verbrühungen zunächst mindestens 15 bis 20 Minuten unter fließendem, kaltem Wasser.
  • Anschließend mit einem Gazeverband locker verbinden. Gazeverbände sind keimtötend mit Silber beschichtet und verhindern das Verkleben des Verbandes mit der Wunde.
  • Finger weg von Desinfektionsmitteln, Gels und Puder, da Sie damit der Wunde schaden und die Heilung behindern können.
  • Brandblasen nicht mit der Nadel aufstechen. Die Nadel ist meist nicht steril. Wenn tote Haut verbleibt, bilden sich feuchte Taschen, was Keime begünstigt.

Achtung: Bei großflächigen Verbrennungen sollten Sie sofort den Notarzt rufen.

Schnittwunden

  • Versuchen Sie, die Blutung mit einem Druckverband zu stillen. Wickeln Sie zur Not mehrere Taschentücher mit einer Mullbinde unter Druck um die Wunde.
  • Lagern Sie die betroffene Stelle hoch, um die Blutung zu stoppen.
  • Vermeiden Sie Berührungen mit der Wunde: Wischen Sie Schmutz nicht aus der Wunde, sondern halten Sie die betroffene Stelle unter fließendes, kaltes Wasser.
  • Verwenden Sie keine Salben, Puder, Öle oder Desinfektionssprays.
  • Bei kleineren Wunden kann das Auftragen von Jod zur Desinfektion durchaus sinnvoll sein. Bei großen Wundflächen hingegen ist Vorsicht geboten, da das Jod in die Blutbahn eindringen und eine Schilddrüsenüberfunktion verursachen kann.
  • Kleben Sie die Wundränder mit einem Pflaster eng aneinander.

Achtung

Lassen Sie tiefe oder lange Schnitte, die stark bluten, unbedingt vom Arzt behandeln. Dafür haben Sie 6 Stunden Zeit. Später ist eine Naht nicht mehr möglich.

Sodbrennen

Üppige, süße oder fette Speisen und Alkohol, also alles Dinge, die man an den Weihnachtsfeiertagen gerne genießt, können Sodbrennen auslösen. Dagegen helfen säurebindende Medikamente, z. B. Omep Hexal, Talcid, Pantoprazol oder Gaviscon.

Fieber

Fieber ist eine Abwehrreaktion des Körpers und muss nicht zwangsläufig gesenkt werden. Oftmals ist es sogar ratsamer, das Fieber nicht zu unterdrücken. Durch die Erhöhung der Temperatur werden nämlich Bakterien und Viren daran gehindert, sich weiter zu vermehren. Wer das Fieber unterdrückt, fühlt sich zwar fitter, ist es in Wirklichkeit aber nicht und überlastet sich eher.
Generell gilt: Junge und gesunde Menschen können mehr Fieber aushalten als schwache und chronisch kranke Personen. Eine Temperatur von 39,5°C ist tagsüber in Ordnung, sofern engmaschige Kontrollen möglich sind, keine Grunderkrankungen (z. B. Diabetes oder Epilepsie) bestehen und der Patient/die Patientin ausreichend trinkt. Pro Grad Fieber steigt der Flüssigkeitsverlust um 0,5 Liter an.
Als fiebersenkendes Medikament ist Ibuprofen am besten geeignet, da es nicht nur das Fieber senkt, sondern auch gegen Schmerzen und Entzündungen hilft. Zudem treten bei Ibuprofen - verglichen mit Acetylsalicylsäure (ASS) und Paracetamol - weniger Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich sowie der Blutgerinnung auf. Die max. Tagesdosis für Erwachsene beträgt 1200 mg Ibuprofen.

Achtung

Bei Fieber, das länger als drei Tage andauert oder über 40 Grad steigt, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Denn hinter dem Fieber könnte eine Lungenentzündung stecken, die behandelt werden muss. Mit kleinen Kindern sollten Sie bereits zum Arzt gehen, wenn das Fieber länger als einen Tag anhält.

Magen-Darm-Beschwerden

Verstopfung kommt aufgrund des vermehrten Konsums von Plätzchen, Kuchen und Schokolade an den Weihnachtsfeiertagen nicht selten vor. Dagegen helfen freiverkäufliche Abführmittel, wie z. B. Lactulose Sirup oder Laxoberal.
Achtung: Verwenden Sie Abführmittel (auch rein pflanzliche) nie länger als zwei Wochen ohne Absprache mit Ihrem Arzt.

Gegen Völlegefühl kann Iberogast helfen. Beide sind rein pflanzlich, schmecken zwar scheußlich, sind aber sehr wirkungsvoll.

Bei Blähungen kann Sab Simplex Abhilfe schaffen. Es hat keine Nebenwirkungen.

Eingeklemmter Nerv

Ist der Nerv eingeklemmt, gibt es ein paar Möglichkeiten, den Schmerz zu lindern:
Zunächst sollte die schmerzende Bewegung vermieden werden, da der Nerv sonst weiterhin gereizt wird. Allerdings sollte keine Schonhaltung eingenommen werden, weil sich die Muskeln - bei längerer Schonhaltung - nur noch weiter verkrampfen und noch mehr Schmerzen verursachen.
In den meisten Fällen bringt Wärme (Wärmflasche oder Kirschkernkissen) eine deutliche Schmerzlinderung. Am besten geeignet sind jedoch Wärmepflaster aus der Apotheke, die direkt auf die schmerzende Stelle aufgeklebt werden. Wärme fördert die Durchblutung der Muskulatur und somit auch die Entspannung des Muskels.
Auch Bewegung wärmt und lockert die verspannte Muskulatur, also warm einpacken und vorsichtig spazieren gehen.
Schmerzlindernde Cremes hingegen helfen nichts, da die Eindringtiefe der Salbenwirkstoffe max. 1 cm beträgt, die Nerven allerdings tiefer liegen.


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