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Finanzen Förderungen für barrierefreie Umbaumaßnahmen

Im Alter oder nach einem Unfall muss oft die Wohnung oder das Haus barrierefrei umgebaut werden, damit die Betroffenen weiterhin in ihren eigenen vier Wänden wohnen können. Diese Umbaumaßnahmen stellen in der Regel eine hohe finanzielle Belastung dar. Welche Förderungen es dafür gibt, weiß Finanzexperte Sebastian Hanisch. Hier sind seine Tipps.

Stand: 22.09.2020 13:38 Uhr

Barrierefreies Badezimmer | Bild: picture-alliance/dpa/Wolfram Kastl

Wenn Sie Ihr Haus oder Ihre Wohnung barrierefrei umbauen lassen, damit Sie auch bei eingeschränkter Mobilität im Alter oder nach einem Unfall weiter in Ihren eigenen vier Wänden leben können, können Sie verschiedene Förderungsmöglichkeiten nutzen.

Zuschuss der Pflegekassen

Die Pflegekassen können einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro pro Person gewähren für Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes. Darunter fallen auch bauliche Maßnahmen, wenn dadurch zum Beispiel die Pflege erleichtert wird oder der Pflegebedürftige die Möglichkeit bekommt, wieder selbständiger zu leben.
Voraussetzung: Der Antragsteller hat einen Pflegegrad.

Leben mehrere Pflegebedürftige in einer häuslichen Gemeinschaft (z. B. ein Ehepaar), kann jeder Einzelne einen Zuschuss von maximal 4.000 Euro gewährt bekommen, insgesamt jedoch maximal 16.000 Euro. Ändert sich die Pflegebedürftigkeit, kann nochmals ein Zuschuss beantragt werden. Bezuschusst werden können zum Beispiel:

  • Tür oder Gangverbreiterungen (Rollstuhl)
  • Rampen zur Überwindung von Stufen
  • Anbringung von technischen Hilfen (z. B. Treppenlift)
  • Anbringung von Handgriffen, z. B. im Badezimmer
  • Bau einer ebenerdigen Dusche
  • Verlegung von Lichtschaltern und Steckdosen

Übernahme der Kosten durch die gesetzliche Unfallversicherung

Sind barrierefreie Umbaumaßnahmen aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit notwendig, werden die Kosten dafür, unabhängig vom Einkommen, von der gesetzlichen Unfallversicherung bzw. der Berufsgenossenschaft übernommen.

Förderung für Berufstätige

Bei schwerbehinderten Menschen, die berufstätig sind, können zum Beispiel die Rentenversicherungen Zuschüsse oder Darlehen bei Umbaumaßnahmen gewähren, die den Betroffenen helfen, den Arbeitsplatz zu erreichen (z. B. Rampen vor der eigenen Haustür).
Voraussetzung: Es werden bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten und die betroffene Person hat wenigstens 15 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt.

Sind die 15 Jahre noch nicht erreicht, können Sie eine finanzielle Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit erhalten.

Schwerbehinderte Selbständige und Beamte können entsprechende Zuschüsse vom jeweils zuständigen Integrationsamt erhalten.

Kostenübernahme durch Versorgungsämter

Betroffene, die nach dem Bundesversorgungsgesetz Anspruch auf Leistungen haben, erhalten eine Übernahme der Kosten für Umbaumaßnahmen durch das zuständige Versorgungsamt (Fürsorgestelle).
Dazu zählen: Soldaten, Kriegsopfer und Opfer von Gewaltverbrechen.

Zuschüsse von Sozialhilfeträgern

Ist kein anderer Kostenträger zuständig, können die Sozialhilfeträger einen Zuschuss oder ein Darlehen für barrierefreie Umbaumaßnahmen gewähren. Dabei sind aber Einkommen und Vermögen des Antragstellers zu berücksichtigen.

Fördermöglichkeiten durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau

Die KfW-Förderbank fördert barrierefreie Umbauten mit einem Zuschuss oder Kredit:

  • bis zu 6.250 Euro Zuschuss pro Wohneinheit für barrierefreie Umbaumaßnahmen oder den Kauf von barrierefreiem Wohnraum
  • bis zu 50.000 Euro Kredit pro Wohneinheit bei 0,78 Prozent effektiver Jahreszins.

Der Kredit muss bei der Hausbank beantragt werden, wird aber von der KfW-Förderbank gewährt.

Absetzbarkeit bei der Steuer

Kosten für barrierefreie Umbaumaßnahmen sind unter gewissen Umständen steuerlich absetzbar als außergewöhnliche Belastung. Sie müssen eine Schwerbehinderung aber mit einem ärztlichen Attest vor Baubeginn nachweisen.


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