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Gesundheit Was hilft gegen Schnarchen?

Für den Partner kann es zu einer großen Belastungsprobe werden. Nicht wenige ziehen deshalb für die Nachtruhe in ein anderes Zimmer um: Schnarchen. Es tritt häufig auf: Knapp 60 Prozent der Männer und 45 Prozent der Frauen schnarchen regelmäßig. HNO-Arzt Dr. Thomas Meier-Lenschow gibt Tipps, was Sie gegen das primäre (harmlose) Schnarchen tun können, damit Sie und Ihr Partner oder Ihre Partnerin ungestört durch die Nacht kommen.

Stand: 14.04.2021

Schnarchen gehört begrifflich zu den schlafbezogenen Atmungsstörungen. Es ist zunächst einmal keine Krankheit im eigentlichen Sinn. Zur Krankheit wird das Schnarchen erst dann, wenn gesundheitliche Schäden für den Schnarcher bzw. die Schnarcherin entstehen - vor allem durch die Verlegung der Atemwege mit nachfolgender Beeinträchtigung der Sauerstoffversorgung während der Nacht. Dann spricht man nicht mehr vom primären Schnarchen, sondern von einem Schlafapnoe-Syndrom.

Gestresst ist in der Regel der/die Bettpartner/in durch das nervende Geräusch, das die ersehnte Nachtruhe stört.

Gut zu wissen

Für den Schnarcher ist das "normale" Schnarchen harmlos. Eine Gefahr für die Gesundheit besteht aber dann, wenn außergewöhnlich laut, unregelmäßig und mit längeren Atemaussetzern geschnarcht wird. Das kann auf das unter Umständen lebensgefährliche Schlafapnoe-Syndrom hindeuten.

Häufigkeit

  • Knapp 60 Prozent der Männer und 45 Prozent der Frauen schnarchen regelmäßig.
  • Übergewichtige schnarchen wesentlich häufiger als Normalgewichtige.
  • Die Altersgruppe der 50 bis 65-Jährigen ist besonders davon betroffen.
  • Bei Frauen nimmt das Schnarchen nach den Wechseljahren zu.

Entstehung der Schnarchgeräusche

Schnarchgeräusche entstehen dort, wo der Atem-Luftstrom auf weiches und mobiles Gewebe trifft: besonders im Bereich des Gaumensegels und des Zungengrundes.

Hier treten meist tieffrequente Luftschwingungen auf, die Lautstärken von 80 dB und höher erreichen können. Da im Schlaf der Muskeltonus herabgesetzt ist und das flache Liegen ein Rücksinken des Unterkiefers bedingt, wird das Schnarchen zum nächtlichen Schlafbegleiter.

Eine Einengung der Nase kann zudem Luftverwirbelungen erzeugen, die zu den Schlafgeräuschen beitragen.

Risikofaktoren für das Schnarchen

Schnarchen kann durch mehrere Faktoren ausgelöst werden:

  • anatomischen Engen der oberen Luftwege wie Nasenscheidewandkrümmungen, Polypen und große Mandeln
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • spätes Essen
  • Alkoholgenuss vor dem Schlafen
  • muskelrelaxierende Medikamente

Diagnostik

Zwei Aufgaben hat der Arzt/die Ärztin zu lösen:

  • Handelt es sich um ein (medizinisch gesehen) harmloses Schnarchen oder ein Schlafapnoesyndrom?
  • Wo entstehen die Schnarchgeräusche?

Dabei helfen:

  • eine gezielte Befragung der Betroffenen und deren Bettgenossen
  • eine HNO-Untersuchung der oberen Luftwege
  • standardisierte Fragebögen

Danach folgen aufwändigere Diagnoseschritte wie nächtliche Messungen mittels eines Polygrafiegerätes, die Endoskopie der oberen Luftwege während (eines medikamentös induzierten) Schlafes und die stationäre Untersuchung im Schlaflabor.

Therapie

Mit der (versuchten) Behandlung des Schnarchens sind viele Anbieter von Hilfsmitteln, Firmen, Apotheker und Ärzte reich geworden und die Schnarcher ärmer, aber nicht leiser. Es werden zahlreiche Therapeutika angepriesen - bis hin zur Antischnarchpille auf Vitaminbasis.

Wissenschaftlich gesichert sind nur wenige Behandlungsoptionen.

  • Gewichtsabnahme und Schlafhygiene
  • Manchmal hilft die Verhinderung der nächtlichen Rückenlage mit speziellen Hilfsmitteln oder
  • die Stabilisierung des Unterkiefers mit Behebung der nächtlichen Rückverlagerung mit Protrusionschiene.
  • Bei sehr engem Naseneingang können Dilatoren ("Nasenschmetterlinge") nützlich sein.
  • Chirurgisch kann (!) die Verbesserung der Nasenatmung oder die Straffung des Gaumensegels das Schnarchen reduzieren.
  • Mittels nasaler Überdruckbeatmung verschwindet das Schnarchen sehr sicher - ist aber für Menschen mit nächtlicher Apnoe bestimmt und nicht angenehm.

Tipp

So hart es klingt: ein Bett im Nebenzimmer ist auch eine überlegenswerte Alternative! 

Geruhsamen Schlaf wünschen Dr. Thomas Meier-Lenschow und "Wir in Bayern"!


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