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Geld Schutz vor Abzocke durch Schlüsseldienste

Es ist schnell passiert, dass man sich aus Versehen aussperrt. Oft bleibt einem dann nichts Anderes übrig, als einen Schlüsseldienst zu rufen. Leider gibt es darunter viele unseriöse Unternehmen, die mit miesen Tricks arbeiten. Finanzexperte Sebastian Hanisch gibt Tipps, wie Sie sich vor der Abzocke durch Schlüsseldienste schützen können.

Stand: 03.09.2019

Schlüsseldienst-Mitarbeiter an Türschloss | Bild: picture-alliance/dpa

Abzockmaschen:

Unseriöse Schlüsseldienste arbeiten mit diversen Tricks, z. B.

  • Das Schloss wird beim Öffnen absichtlich beschädigt, um hinterher einen neuen Schließzylinder einzubauen. Für diesen werden oft noch völlig überhöhte Materialosten berechnet. In der Regel kann jede Türe ohne Beschädigung geöffnet werden, wenn sie lediglich ins Schloss gefallen ist.
  • Doppelte und dreifache Abrechnung gleicher Tätigkeiten, z. B. Arbeitspauschale, Einsatzpauschale und Lohnkosten pro angefangene 15 Minuten.
  • Achtung, wenn Firmen einen Sofortzuschlag, Spezialwerkzeugzuschlag o. ä. berechnen. Viele dieser Zuschläge sind nicht rechtens. Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschläge bis zu 100 Prozent sind jedoch gerechtfertigt.
  • Die Ortsvorwahl gaukelt vor, dass es sich um ein ortsansässiges Unternehmen handelt. Es kann aber auch ein Callcenter dahinterstecken. Die Folge: extrem lange Anfahrtszeiten und somit hohe Anfahrtskosten.
  • Der Daumen wird so auf das EC-Kartenzahlgerät gelegt, dass der Kunde den eingegebenen Betrag nicht sehen kann, der deutlich höher als abgemacht ist.

Wucher:

Nach § 138 BGB liegt Wucher vor, wenn eine Notlage ausgenutzt und mindestens das doppelte des Normalpreises verlangt wird. Wucher ist nach § 291 StGB strafbar und kann mit Geldstrafen und Freiheitsstrafen bis zu 10 Jahren geahndet werden.

Darauf sollten Sie achten:

  • Meiden Sie Anbieter, die mit extrem billigen Pauschalen werben. Diese verlangen am Ende oft sehr hohe Preise.
  • Suchen Sie sich für den Notfall am besten schon im Vorfeld einen oder zwei ortsansässige Schlüsseldienste in der Nähe heraus. Verschaffen sie sich einen Eindruck vor Ort. Informieren Sie sich bei der Handwerkskammer oder bei Fachverbänden.
  • Achten Sie darauf, dass sowohl die Vorwahl, als auch die Adresse im Ort sind.
  • Fragen Sie nach, wann der Handwerker bei Ihnen sein wird und kündigen Sie an, dass Sie den Auftrag zurückziehen, falls dieser sehr viel später eintrifft.
  • Besprechen Sie im Vorfeld möglichst genau, was passiert ist und welche Leistung Sie von dem Unternehmen erwarten. Lassen Sie sich vorab zusichern, dass der Mitarbeiter in der Lage ist, Ihre Türe ohne Beschädigung zu öffnen.
  • Vereinbaren Sie einen verbindlichen Festpreis. Dieser sollte die Anfahrt, alle Zuschläge, die Arbeitszeit und die Umsatzsteuer beinhalten. Sie können auf den Festpreis bestehen.

Rückt der Schlüsseldienst vor Ort damit raus, dass es doch mehr kosten wird, haben Sie das Recht, den Auftrag zurückzuziehen und einen anderen Dienst zu beauftragen. Sie müssen in diesem Fall die Anfahrt nicht bezahlen.

Tipp: Telefonieren Sie unter Zeugen und lassen Sie sich die Pauschale per E-Mail. SMS oder WhatsApp bestätigen.

Bezahlen:

  • Bezahlen Sie die Rechnung nur, wenn Sie mit dem Betrag einverstanden sind. Falls nicht, legen Sie schriftlich Widerspruch ein.
  • Sie sind weder verpflichtet im Voraus zu bezahlen, noch nach dem Öffnen der Tür in bar oder mit EC-Karte. Will der Notdienst eine Lastschrift vornehmen, können Sie die Angaben ruhigen Gewissens machen. Sie können jede Lastschrift bei Ihrer Bank ohne Angabe von Gründen binnen zwei Wochen rückgängig machen.
  • Einige unseriöse Anbieter drohen, die Türe wieder zu schließen, wenn die Kunden nicht sofort bezahlen. Das ist jedoch je nach Fall Nötigung. Fühlen Sie sich bedroht, sollten Sie die Polizei rufen.
  • Lassen Sie sich in jedem Fall eine Rechnung aushändigen.
  • Unterschreiben Sie keine Rechnung. Es könnte sein, dass diese absurde AGBs enthält, z. B. dass es sich bei der Türöffnung um keinen Notfall nach § 291 StGB handelt. Damit wollen die Firmen verhindern, aufgrund einer Wucherrechnung belangt werden zu können.
  • Auch seriöse Firmen bevorzugen eine Zahlung vor Ort, um nicht ihrem Geld lange hinterherrennen zu müssen. Machen Sie schon bei der Auftragsvergabe aus, wie Sie zahlen wollen.
  • Wenn Sie die Arbeitskosten der Türöffnung als Handwerkerleistung bei der Steuererklärung geltend machen wolle, dürfen Sie nicht bar zahlen. Zahlen Sie per EC-Karte oder Überweisung.

Der wichtigste Tipp: Ersatzschlüssel hinterlegen

Hinterlegen Sie bei Nachbarn oder Freunden einen Ersatzschlüssel. Das spart Ihnen viel Geld, wenn Sie sich aussperren, denn auch das Öffnen der Türe durch einen seriösen Anbieter kann, je nach Tag und Uhrzeit gut 250 Euro oder sogar etwas mehr kosten.


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