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Finanzen Tipps rund um die Risikolebensversicherung

Eine Risikolebensversicherung kann, je nach Lebensumstand, eine sinnvolle Angelegenheit sein. Was sie von einer Kapitallebensversicherung unterscheidet, für wen sie in Frage kommt, worauf beim Abschluss zu achten ist und welche Möglichkeiten sie bietet, erklärt der Finanzexperte Sebastian Hanisch.

Stand: 13.10.2020 11:42 Uhr

Der Tod schaut auf die Europakarte eines 50- Euroscheins, Symbolbild Eurokrise | Bild: picture alliance / imageBROKER

Eine Risikolebensversicherung kann besonders für junge Familien eine sinnvolle Absicherung sein - vor allem dann, wenn ein Partner in der Hauptsache oder ausschließlich das Familieneinkommen bestreitet. Auch wenn ein Immobilienkredit getilgt werden muss, kann der durch eine entsprechende Police abgesichert werden.

Was ist eine Risikolebensversicherung?

Kurz gesagt sichert eine Risikolebensversicherung das Risiko ab, dass die versicherte Person während der Laufzeit des Vertrages stirbt. Dann erhält die begünstigte Person einen vorher festgelegten Betrag ausbezahlt.

Bei einer Kapitallebensversicherung ist das Todesfallrisiko zwar auch abgedeckt, aber der wesentliche Bestandteil eines derartigen Vertrages ist der Vermögensaufbau. Der Tipp von Finanzexperte Sebastian Hanisch lautet aber: Meist sollte der Risikoschutz und der Vermögensaufbau voneinander getrennt angegangen werden. Das ist flexibler und oft auch günstiger.

Wann kommt eine Risikolebensversicherung in Frage?

Eine Risikolebensversicherung empfiehlt sich immer dann, wenn Sie im Falle Ihres Todes jemanden finanziell absichern wollen - meist Ihren Ehepartner und Ihre Kinder. Die Frage, die Sie sich hier stellen sollten: Wie steht meine Familie finanziell da, wenn mein Einkommen wegfällt? Muss sie dann zum Beispiel aus dem Haus ausziehen, das noch abbezahlt wird? In solchen Fällen empfiehlt es sich, das Risiko abzusichern. Wenn ich als kinderloser Single keine nennenswerten finanziellen Verpflichtungen eingegangen bin, ist der Schutz noch meist überflüssig.

Wie viel kostet eine Lebensversicherung?

Die Höhe der zu zahlenden Beiträge hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Die Höhe der Versicherungssumme
  • Das Alter der versicherten Person
  • Die Laufzeit
  • Bestimmte Risikofaktoren: Rauche ich? Habe ich Übergewicht? Betreibe ich besonders riskante Sportarten? etc.

Die Kosten können entsprechend von wenigen Hundert bis zu mehreren Tausend Euro im Jahr variieren.

Wichtig:

Bei manchen Verträgen ist ein Netto- und ein Bruttobetrag angegeben. Der zu zahlende Nettobetrag kann bei einer sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage der Versicherung bis zum angegeben Bruttobeitrag steigen.

Wie hoch sollte die Versicherungssumme sein?

Die Höhe der Versicherungssumme hängt immer vom konkreten Einzelfall ab. Soll durch den Vertrag ein Kredit abgesichert werden, gibt der die Höhe vor. Soll das fehlende Einkommen des versicherten Elternteils im Todesfall ersetzt werden, um den Lebensunterhalt der Familie zu gewährleisten, sollten Sie den finanziellen Bedarf überschlagen: Wie hoch wäre die finanzielle Lücke, wie hoch ist der Anteil, des Gehalts, das wirklich für den Lebensunterhalt benötigt wird? Rechnen Sie aber auch eine Witwenrente gegen und berücksichtigen Sie die Inflation! Im Zweifelsfall setzen Sie die Summe lieber etwas höher an!

 Hinweis:

Am üblichsten sind Verträge, die eine festgelegte Summe im Todesfall garantieren. Es gibt aber auch Verträge, bei der die Summe jährlich sinkt. Solche Verträge dienen meist dazu, einen Immobilienkredit abzusichern. Hier sinkt die zu tilgende Restschuld auch jährlich.

Wie lange sollte der Vertrag laufen?

Auch die Länge des Vertrages hängt von den jeweiligen Lebensumständen ab. Die Police sollte zum Beispiel so lange laufen, bis der Immobilienkredit abbezahlt ist, oder die Kinder mit der Ausbildung bzw. dem Studium fertig sein dürften. Rechnen Sie hier lieber großzügig! Je länger der Kredit läuft, desto höher werden natürlich die monatlichen Beiträge. Mit 75 Jahren ist bei den meisten Versicherungen dann aber Schluss. Älter dürfen Sie bei Vertragsende also nicht sein.

Möglichkeiten für Paare, sich gegenseitig abzusichern

Statt zweier getrennter Risikolebensversicherungen können (Ehe-)partner auch einen verbundenen Vertrag abschließen. Wenn ein Partner stirbt, erhält der andere die Versicherungssumme. Aber es gibt dabei Nachteile: Nach einer Trennung sind solche Verträge meist sinnlos und werden oft gekündigt. Und: Stirbt ein Partner, erhalten zum Beispiel die Kinder keine Leistung mehr, wenn der andere Elternteil auch stirbt.

Bei unverheirateten Paaren (oder einer sehr hohen Versicherungssumme) ist ein weiterer Punkt zu berücksichtigen: Die Erbschaftssteuer. Bei Leistungen aus der Risikolebensversicherung fällt grundsätzlich Erbschaftssteuer an. Bei verheirateten Paaren und eingetragenen Lebenspartnerschaften gilt ein Freibetrag von 500.000 Euro.

Bei Unverheirateten liegt der Freibetrag aber nur bei 20.000 Euro. Die Lösung können so genannte "Über-Kreuz-Verträge“ sein. Hier zahlt zum Beispiel eine Versicherungsnehmerin in ihren eigenen Vertrag ein. Wenn ihr Partner stirbt, erhält sie von ihrer Versicherung eine Summe ausgezahlt. Der Partner schließt auch einen entsprechenden zweiten Vertrag ab. In so einem Fall fällt keine Erbschaftssteuer an. Unter Umständen können solche Fälle nach einer Trennung des Paares auch wieder "abgetrennt" werden.

Anonyme Risikovoranfrage

Es kann vorkommen, dass eine Versicherung Sie aufgrund von Gesundheitsrisiken ablehnt. Das Problem: Solche Ablehnungen können in einer speziellen Datenbank gespeichert werden, auf die andere Versicherungen Zugriff haben. Das bedeutet, wenn ein Vertrag von einer Versicherung abgelehnt worden ist, könnten andere Unternehmen dann einen Vertrag "vorsichtshalber“ auch gleich ablehnen. Wenn Sie im Vorfeld wissen, dass eine Ablehnung droht, können Sie über einen Versicherungsmakler eine "anonyme Risikovoranfrage“ stellen lassen. Das bedeutet, der Makler schickt alle relevanten Angaben an mehrere Versicherer - allerdings, ohne Ihren Namen zu nennen. So können Sie den Versicherer wählen der Sie versichert - zu möglichst guten Konditionen.


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