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Geld So können pflegende Rentner die Rente erhöhen

In Deutschland wird ein Großteil der Pflegebedürftigen von Angehörigen betreut - nicht wenige von ihnen sind bereits im Ruhestand. Was viele jedoch nicht wissen: Auch Rentner, die jemanden regelmäßig pflegen, können damit ihre Rentenbezüge erhöhen. Wie das funktioniert, erklärt Finanzexperte Sebastian Hanisch.

Stand: 28.11.2018

Mehr Geld für Senioren | Bild: colourbox.com

Rentenansprüche durch Pflege aufbessern

Wer Angehörige, Nachbarn oder Freunde nicht erwerbsmäßig pflegt, kann unter bestimmten Voraussetzungen seinen Rentenanspruch erhöhen.

Voraussetzungen

  • Der Pflegebedürftige hat mindestens Pflegegrad 2.
  • Für die Pflege werden insgesamt mindestens zehn Stunden an mindestens zwei Tagen wöchentlich aufgewendet. Zu dieser Zeit zählen aber nicht nur rein pflegerische Tätigkeiten wie waschen oder beim Essen helfen. Auch soziale Betreuung wird angerechnet, d. h. auch die Zeit, die Sie sich z. B. für Gespräche oder Vorlesen nehmen. Die zehn Stunden können übrigens auch auf mehrere Pflegebedürftige verteilt sein.
  • Die Pflege findet regelmäßig statt, d. h. mindestens zwei Monate pro Kalenderjahr.
  • Die Pflege wird nicht erwerbsmäßig ausgeübt.
  • Die Pflegeperson arbeitet weniger als 30 Stunden in einem anderen Job.
  • Anders als bei Inanspruchnahme von Pflegezeit, muss die Pflegeperson nicht mit dem Pflegebedürftigen verwandt sein.

Um wie viel erhöht sich die Rente?

Um wie viel sich die Rente durch die Pflegetätigkeit erhöht, ist abhängig von ...

  • dem Pflegegrad
  • den Leistungen, die der Pflegebedürftige erhält: Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder eine Kombination aus Pflegegeld und -sachleistungen (Kombinationsleistung)
  • dem Wohnort des Pflegebedürftigen: alte oder neue Bundesländer

Das größte Rentenplus ergibt sich, wenn der Pflegebedürftige Pflegegrad 5 hat, nur Pflegegeld gezahlt wird und die Pflege in den alten Bundesländern stattfindet. Im besten Fall wird der Rentenanspruch für ein Jahr Pflegetätigkeit um etwa 29,94 Euro monatlich erhöht. Diese höhere Rente wird lebenslang gezahlt.

Die geringsten Beiträge (5,39 Euro) werden in den neuen Bundesländern bei Pflegestufe 2 gezahlt, wenn ausschließlich Pflegesachleistungen in Anspruch genommen werden.

Auch Rentner können ihre Rente durch Pflege erhöhen

Es gibt einen Personenkreis, der ausgeschlossen ist von der Erhöhung des Rentenanspruchs: Pflegende, die eine volle Altersrente beziehen, denn diese Personen sind nach dem Gesetz nicht mehr rentenversicherungspflichtig.

Anders sieht es aus, wenn Rentner nur eine Teilrente beziehen. Seit dem 1. Juli 2017 ist genau das durch das Flexirentengesetz möglich. D. h. Rentenbezieher können eine Teilrente zwischen 10 und 99 Prozent der Vollrente wählen.

Wer als Pflegeperson also auf ein Prozent der Rente monatlich verzichtet, für den zahlt die Pflegekasse Beiträge in die Rentenversicherung ein, was zu einer Erhöhung der Rente zum 1. Juli des Folgejahres führt. Und zwar lebenslang.

Stellt der Rentner später wieder auf Vollrente um, weil z. B. der Pflegebedürftige verstirbt oder in ein Pflegeheim kommt, erhält er wieder seine Vollrente plus die neu erworbenen Ansprüche.

Die Umstellung von Vollrente auf Teilrente und andersherum kann schriftlich beantragt werden und erfolgt jeweils zum Folgemonat der Antragstellung.

Für wen lohnt sich das Model Teilrente?

Je geringer die Rente und je höher die Versicherungsbeiträge sind, die für die Pflege gezahlt werden, desto eher lohnt es sich, auf Teilrente umzustellen und die Rentenansprüche durch die Pflege zu verbessern.

Beispiele:

Frau Meier ist 68, hat eine monatliche Rente von 800 Euro und pflegt ihren Mann (Pflegestufe 4) alleine zu Hause (neue Bundesländer). Stellt Frau Meier auf Teilrente um, d. h. verzichtet sie auf ein Prozent der Rente, erhält sie noch 792 Euro. Dafür erhöht sich ihr Rentenanspruch nach einem Jahr Pflege um 20,96 Euro. Sie kommt damit unterm Strich auf 812,96 Euro, also ein Plus von knapp 13 Euro monatlich.

Herr Müller ist 67 und bezieht monatlich 2.500 Euro Rente. Er pflegt seinen Bruder (Pflegegrad 3) zu Hause (in den neuen Bundesländern) an 2 Tagen die Woche für jeweils 5 Stunden. An den restlichen Tagen übernimmt ein ambulanter Pflegedienst die Pflegetätigkeiten. Verzichtet Herr Müller auf ein Prozent seiner Rente (Teilrente), bekommt er noch 2.475 Euro monatlich. Für ein Jahr Pflege bekommt er ab Mitte des nächsten Jahres ca. 9 Euro mehr Rente und kommt dann auf 2.484 Euro, also weniger als zuvor. Allerdings: Das Rentenplus bleibt Herrn Müller bis ans Lebensende.


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