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Recht Die 6 größten Versicherungsirrtümer

Es gibt ja fast nichts, was wir Deutschen nicht versichern. Zu den einzelnen Versicherungen kursieren jedoch viele Irrtümer und Halbwahrheiten, die dann im Schadensfall für böse Überraschungen sorgen. Rechtsanwalt Markus Saller deckt sechs verbreitete Versicherungsirrtümer auf.

Stand: 26.11.2019

Markus Saller, Rechtsanwalt | Bild: BR

Irrtum 1: Eine private Haftpflichtversicherung übernimmt alle Schäden, die der Versicherte verursacht

Die Haftpflichtversicherung kommt nur für Schäden auf, wenn der Versicherte auch für den Schaden haften muss. Nicht haften muss er z. B. für einen Schaden, der im Zusammenhang mit einer Gefälligkeitshandlung entstanden ist. Unter Gefälligkeitshandlung versteht man eine unentgeltliche, freiwillige Erbringung von Arbeiten oder Dienstleistungen, z. B. Hilfe beim Umzug. Grundsätzlich muss der Helfer bei diesen "Freundschaftsdiensten" nicht für entstandene Schäden aufkommen, es sei denn, er hat diesen absichtlich oder grob fahrlässig verursacht. Folglich zahlt die Haftpflichtversicherung nicht bei Schäden, die durch Gefälligkeitshandlungen entstanden sind.

Auch bei grober Fahrlässigkeit zahlt die Haftpflichtversicherung nicht immer bzw. nicht immer den kompletten Schaden. Ein Schaden, der vorsätzlich herbeigeführt wurde, wird prinzipiell nicht übernommen.

Übrigens: Anders als die Hausratversicherung zahlt die Haftpflichtversicherung nur den Zeitwert einer beschädigten Sache, nicht den Neupreis bzw. Wiederbeschaffungswert.

Irrtum 2: Die KFZ-Versicherung zahlt für Schäden bei Unfällen mit Tieren

Haben Sie nur eine Haftpflichtversicherung für Ihr Auto abgeschlossen, müssen Sie für einen Wildunfall-Schaden selbst aufkommen.

Von der Teilkaskoversicherung sind Schäden durch Wildunfälle in der Regel abgedeckt, wenn diese von so genanntem Haarwild, z. B. Rehen, Hirschen, Wildschweinen, Dachsen, Mardern, Füchsen oder Feldhasen verursacht wurden. Nicht abgedeckt sind häufig Unfälle mit Federwild, Hunden, Katzen, Schafen, Kühen und Pferden. Es gibt aber auch Versicherungen, die sämtliche Tierunfälle beinhalten. Teilkaskoversicherungen zahlen in der Regel zudem nicht für Schäden, die durch Ausweichmanöver entstanden sind.

Wichtig: Sie benötigen eine amtliche Wildunfall-Bescheinigung zur Vorlage bei der Versicherung.

Bei der Vollkaskoversicherung sind alle Schäden abgedeckt, auch solche, die durch Ausweichmanöver entstanden sind. Aber Sie werden im Fall einer Beanspruchung in eine ungünstigere Schadensfreiheitsklasse zurückgestuft.

Achtung: Läuft Ihnen ein Kleintier (z. B. Hase) vor das Auto, dürfen Sie keine Vollbremsung machen. Falls Ihnen dabei jemand auffährt, können Sie die Schuld an dem Unfall bekommen.

Irrtum 3: Nur Versicherungsnehmer können eine Versicherung kündigen

Nach einem Schadensfall haben sowohl Versicherte, als auch Versicherungen ein außerordentliches Kündigungsrecht. Dazu zählen z. B. Rechtschutz-, KfZ-, Wohngebäude-, Hausrat oder private Haftpflichtversicherung.

Bei Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherungen hingegen gibt es kein Kündigungsrecht für Versicherungen.

Irrtum 4: Die Hausratversicherung zahlt grundsätzlich bei Fahrraddiebstahl

Ob die Hausratversicherung bei einem Fahrraddiebstahl zahlt, kommt darauf an, wann, wo und unter welchen Umständen das Fahrrad gestohlen wurde.

  • Wird das Fahrrad aus einem geschlossenen Raum (z. B. abgesperrter Keller oder Wohnung) gestohlen, kommen Hausratversicherungen für den Schaden auf, sofern der Raum Einbruchspuren aufweist. In der Regel zählt der Hausflur in Mehrparteienhäusern jedoch nicht als geschlossener Raum.
  • Viele Hausratversicherungen zahlen zudem, wenn das Fahrrad in Gebrauch war, also z. B. vor dem Supermarkt oder der Arbeitsstelle mit einem verkehrsüblichen Schloss abgeschlossen war. Allerdings ist bei einigen Versicherungen die Zeit zwischen 22 und 6 Uhr davon ausgenommen. In diesem Zeitraum kommen sie nur für den Schaden auf, wenn sich das gestohlene Fahrrad in einem abgeschlossenen Raum befunden hat.

Wichtig: Die Hausratversicherung kommt zudem nur für gestohlene Fahrräder auf, nicht für Schäden, die z. B. durch Vandalismus oder einen Unfall entstanden sind.

Irrtum 5: Die Rechtschutzversicherung springt auch bei einer Scheidung ein

In der Regel sind familienrechtliche Streitigkeiten vom Versicherungsschutz ausgenommen. Lediglich die Kosten für die Erstberatung beim Anwalt werden übernommen.

Es gibt auch Rechtschutzversicherungen, die Anwalts- und Gerichtskosten bei Scheidungen übernehmen. Diese sind aber in der Regel deutlich teurer. Zudem werden die Kosten erst dann übernommen, wenn die Versicherung bereits mindestens drei Jahre bestand.

Auch in erbrechtlichen Streitigkeiten, bei Vermögensanlagen und bei Bauvorhaben besteht in der Regel kein Deckungsschutz.

Irrtum 6: Wer im Winter mit Sommerreifen fährt, hat keinen Versicherungsschutz

Es ist ein gängiger Irrtum, dass Autofahrer ihren Versicherungsschutz verlieren, wenn sie im Winter mit Sommerreifen unterwegs sind. Hierzulande gibt es lediglich eine situative Winterreifenpflicht. D. h.: Es gibt keinen bestimmten Zeitraum, in dem Autos Winterreifen haben müssen. Sie verlieren lediglich den Versicherungsschutz, wenn Sie bei winterlichen Straßenverhältnissen (Schnee, Eis) mit Sommerreifen fahren. An einem warmen Wintertag mit trockenen Straßen hingegen dürfen Sie durchaus mit Sommerreifen fahren, ohne den Versicherungsschutz zu verlieren.


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