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Recht Ihre Rechte bei Schadensabwicklung nach einem Autounfall

Wer schuldlos in einen Autounfall verwickelt ist, hat meist nicht nur den Schaden, sondern auch jede Menge Scherereien. Der Grund kann sein, dass die gegnerische Versicherung nicht für den Schaden aufkommt oder die Kosten drücken will. Doch dagegen können Sie sich wehren!

Stand: 29.01.2020

Durch Autounfall zerbrochener Scheinwerfer | Bild: BR/Christine Meder

Was tun nach einem Unfall?

Sofern es sich nicht um einen Bagatellschaden handelt, ist das Hinzuziehen eines Rechtsanwalts zu empfehlen. Schließlich kann kaum ein Laie das immer komplizierter werdende Schadensrecht durchblicken. Ab wann es sich um einen Bagatellschaden handelt, kann regional unterschiedlich sein. Die meisten Gerichte stufen Schäden bis zu 750 Euro als Bagatellschaden ein. 

Der Rechtanwalt kann Ihnen helfen, ihr Recht gegenüber der "gegnerischen" Versicherung durchzusetzen. Das gilt teilweise auch schon bei einfachen Verkehrsunfällen, denn zahlreiche Versicherer nehmen nur Teilregulierungen vor und verweisen auf Gegengutachten. Trifft Sie bei dem Unfall keine Schuld, muss die Versicherung des Unfallverursachers Ihre Anwaltskosten tragen. Ansonsten hilft der Verkehrsrechtsschutz, der auch die - leider immer häufiger notwendigen - Kosten einer gerichtlichen Auseinandersetzung übernimmt.

An diesen Stellen versuchen Versicherer gerne zu sparen

Abschleppen

Die Abschleppkosten müssen von der Versicherung übernommen werden. In der Regel wird vom Geschädigten auch nicht verlangt, unterschiedliche Preise miteinander zu vergleichen. Schließlich ist nach einem Unfall meist Eile geboten. Ist die Heimatwerkstatt, in der der Wagen bisher immer war, bis zu 120 km weit weg, darf er dorthin gebracht werden.

Werkstatt

Oftmals sind freie Werkstätten günstiger als Markenwerkstätten. Die Kosten für Letztere müssen Versicherer allerdings zahlen, wenn:

  • der Wagen nicht älter als drei Jahre ist
  • oder wenn das Auto des Geschädigten bisher immer in eine Markenwerkstatt sowohl zur Reparatur als auch zur Wartung gebracht wurde.

Verlangt der Versicherer eine freie Werkstatt, darf diese nicht weiter als 20 km entfernt sein.
Übrigens: Ersatzteile für ein älteres und schlecht gepflegtes Auto müssen nicht neu sein.

Gutachter

Handelt es sich nicht um einen Bagatellschaden, muss der Gutachter vom gegnerischen Versicherer bezahlt werden.

Vorsicht: Schlägt die Gegenseite einen Gutachter vor, ist dessen Unabhängigkeit nicht garantiert. Daher ist es empfehlenswert, sich einen eigenen Gutachter zu nehmen.

Kostenvoranschlag

Verlangt die Autowerkstatt für den erstellten Kostenvoranschlag Geld, muss dies vom Versicherer bezahlt werden.

Verbringungskosten

Manche Werkstätten haben keine eigene Lackiererei und müssen daher das Fahrzeug für die Lackierung wegbringen. Die Transportkosten hierfür müssen vom Versicherer erstattet werden.

Beilackierung

Braucht das beschädigte Auto eine neue Lackierung, ist der Farbton der anderen Karosserieteile oftmals ein etwas anderer, da sie über die Jahre ausgeblichen sind. In diesem Fall werden die Ränder mitlackiert, damit der farbliche Übergang nicht auffällt. Die Kosten für diese sogenannte "Beilackierung" müssen vom Versicherer übernommen werden.

Wertverlust

Auch wenn ein Fahrzeug nach dem Unfall repariert wurde, hat es dennoch einen Wertverlust gegenüber einem unfallfreien Auto. Dieser sogenannten "merkantile Minderwert" muss vom Versicherer ausgeglichen werden. Ist ein Auto jünger als drei Jahre, ist es besonders lohnenswert, die Wertminderung mit einrechnen zu lassen.

Achtung: Die Wertminderung wird nur erstattet, sofern sie ein Gutachter bescheinigt hat. Dieser Punkt taucht nicht auf dem Kostenvoranschlag einer Werkstatt auf.

Haushaltsführungsschaden

Hat sich der Geschädigte beim Auto-Unfall eine Verletzung zugezogen und benötigt daher Unterstützung im Haushalt, muss der Versicherer dafür zahlen. Das gilt auch, wenn keine fremde Haushaltshilfe eingestellt wurde, sondern jemand aus der Familie oder dem Freundeskreis unterstützt. Daneben können natürlich auch Schmerzensgeldansprüche bestehen.

Mietwagen

Kann der Unfallgeschädigte darlegen, dass er auf ein Fahrzeug angewiesen ist (z. B. um damit in die Arbeit zu fahren) muss die Versicherung die Kosten für einen Mietwagen ersetzen. Es darf grundsätzlich ein Auto angemietet werden, dass dem Unfallfahrzeug gleichwertig ist.
Nutzungsausfallentschädigung: Unter Umständen kann es sich allerdings lohnen, auf einen Mietwagen zu verzichten und sich stattdessen eine sogenannte "Nutzungsausfallentschädigung" zu verlangen. Hier erhält man pro Tag eine bestimmte Summe. Die Höhe bestimmt sich nach dem Wert des beschädigten Fahrzeugs. Die wahrscheinliche Reparaturdauer wird in der Regel auch im Schadensgutachten ausgewiesen.

Aufwandspauschale

Es ist in der Rechtsprechung anerkannt, dass der Geschädigte für seinen Aufwand bei der Schadensregulierung pauschale Unkosten in Höhe von 25 bis 30 Euro abrechnen kann, ohne diese nachweisen zu müssen.

Wirtschaftlicher Totalschaden

Übersteigen die Reparaturkosten den Wert des Fahrzeugs, spricht man von einem wirtschaftlichen Totalschaden. Im Schadensgutachten werden in diesem Fall Wiederbeschaffungskosten ausgewiesen, die von der Versicherung zu ersetzen sind. Hiervon wird ein Restwert abgezogen. Bei einem wirtschaftlichen Totalschaden gehören auch die Ab- und Anmeldekosten für ein Ersatzfahrzeug zum Schaden. Bei der Ermittlung des Restwerts versuchen Versicherer regelmäßig, diesen höher anzusetzen als im Gutachten ausgewiesen, indem sie Angebote von Restwertbörsen vorlegen. Oftmals sind diese Angebote aber nicht zu berücksichtigen, weil sie z. B. nicht der Ortsüblichtkeit entsprechen.

Abstrakte Schadensregulierung

Dem Geschädigten steht es frei, ob er das Fahrzeug reparieren lässt oder nicht bzw. ob er das Fahrzeug selbst repariert. Aufgrund des Schadensgutachtens kann auch ohne Reparatur eine Regulierung verlangt werden. Allerdings gibt es hier Nachteile: Mehrwertsteuer, Verbringungskosten und Nutzungsausfallentschädigung werden hier regelmäßig nicht erstattet. Dennoch kann es sich im Einzelfall für den Geschädigten rechnen. Immer häufiger versuchen Versicherer durch das Einholen von Gegengutachten, die Schadensfeststellungen des Sachverständigen zu drücken. Dabei bestehen bei der Bewertung durchaus Spielräume.


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