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Recht Krankengeld - Wann zahlt die Krankenkasse?

Bei längeren Krankheiten haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf Krankengeld von ihrer Krankenkasse. Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein? Wie hoch ist das Krankengeld? Und wie lange wird es ausgezahlt? Fragen über Fragen. Rechtsanwalt Markus Saller hat die Antworten.

Stand: 26.10.2020

Geldscheine und Gesundheitskarte | Bild: BR/Julia Müller

Lohnfortzahlung bei Krankheit

Angestellte bekommen im Krankheitsfall eine Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber, wenn sie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt vorlegen. Der Betrag entspricht entweder dem festen Monatsgehalt oder bei leistungsabhängigen Einkommen dem monatlichen Durchschnittseinkommen.
Die Lohnfortzahlung beginnt am ersten Tag der Krankheit und endet nach maximal 6 Wochen, auch dann, wenn sich zwei unterschiedliche Krankheiten überlappen. Brechen Sie sich z. B. ein Bein, nachdem Sie bereits 5 Wochen aufgrund eines Bandscheibenvorfalls krankgeschrieben waren, verlängert sich die Lohnfortzahlung nicht um die Zeit, die Sie nun aufgrund der Fraktur krankgeschrieben werden. Sie endet nach maximal 6 Wochen, die Sie am Stück arbeitsunfähig waren.

Nach Ablauf der 6 Wochen haben gesetzlich Versicherte einen Anspruch auf Krankengeld von der Krankenkasse.

Übrigens: Auch Arbeitnehmer, die innerhalb der ersten 4 Wochen bei einem neuen Arbeitgeber arbeitsunfähig werden, haben Anspruch auf Krankengeld - und zwar bereits vom ersten Tag an. In dieser Zeit muss der Arbeitgeber nämlich keine Lohnfortzahlung leisten. 

Wiederholte Arbeitsunfähigkeit aufgrund der gleichen Erkrankung

Werden Angestellte aufgrund der gleichen Krankheit mehrfach arbeitsunfähig, werden die Krankheitstage addiert. Auch in diesem Fall erhalten sie insgesamt maximal 6 Wochen Lohnfortzahlung.

Ausnahmen:

  • Der Arbeitnehmer war in der Zwischenzeit 6 Monate nicht aufgrund dieser Krankheit arbeitsunfähig.
  • Seit Beginn der erstmaligen Arbeitsunfähigkeit durch diese Erkrankung sind 12 Monate vergangen.

Krankengeld der gesetzlichen Krankenversicherungen

Gesetzlich Vorsicherte, die arbeitsunfähig sind, bekommen ab der 7. Krankheitswoche Krankengeld von ihrer gesetzlichen Krankenversicherung. Sie müssen keinen gesonderten Antrag stellen. Es genügt, wenn sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung innerhalb einer Woche bei der Krankenkasse einreichen.

Anspruch auf Krankengeld haben:

  • Arbeitnehmer
  • Auszubildende
  • Bezieher von Arbeitslosengeld I
  • Selbstständige, die nicht den ermäßigten Satz zahlen

Keinen Anspruch auf Krankengeld haben:

  • Praktikanten
  • Studenten
  • Empfänger von Arbeitslosengeld II
  • Eltern in Elternzeit

Zudem zahlt die gesetzliche Krankenkasse kein Krankengeld bei einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit. In diesem Fall ist die Unfallkasse der Berufsgenossenschaften zuständig.

Höhe des Krankengeldes

Die Höhe des Krankentagegeldes richtet sich nach dem Einkommen und ist gesetzlich geregelt:

  • maximal 70 Prozent des beitragspflichtigen Bruttoverdienstes (einmalige Zahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld werden eingerechnet).
  • maximal 90 Prozent des Nettogehalts
  • Zudem ist das Krankengeld per Gesetz auf maximal 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt. Das entspricht derzeit 109,38 Euro brutto täglich.

Von diesem Betrag wird dann noch der Arbeitnehmeranteil der Sozialversicherung (Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung) abgezogen.

Gerade bei Gutverdienern, die hohe monatliche Ausgaben haben, kann die große Lücke zwischen Gehalt und Krankengeld zum Problem werden. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, zusätzlich eine private Krankentagegeldversicherung abzuschließen. Ab wann, wie lange und in welcher Höhe Krankentagegeld gezahlt wird, hängt von den jeweiligen Vertragsbedingungen ab. Je früher, länger und höher das Krankentagegeld ausgezahlt wird, desto teurer sind in der Regel die Versicherungen.

Auszahlungsdauer des Krankengeldes

Gesetzliche Krankenkassen zahlen innerhalb von 3 Jahren maximal 72 Wochen Krankengeld, unabhängig davon, ob es am Stück oder auf verschiedene Zeiträume verteilt in Anspruch genommen wird.

Besteht die Arbeitsunfähigkeit auch nach Auslaufen des Krankengeldes, kann eine Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung beantragt werden.

Tipp: Ist das Krankengeld bereits ausgelaufen, über den Antrag der Erwerbsminderungsrente jedoch noch nicht entschieden, haben die Patienten Anspruch auf Arbeitslosengeld I.

Krankengeld für Selbstständige

Freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige können bei Vertragsabschluss unter verschiedenen Möglichkeiten wählen:

  • Ermäßigter Beitragssatz: kein Krankengeld
  • Normaler Beitragssatz: analog zu Angestellten Krankengeld ab der 7. Krankheitswoche (43. Krankheitstag)
  • Wahltarif mit Krankengeldvor der 7. Woche, da Selbständige keine Lohnfortzahlung bekommen. Ab welchem Tag und in welcher Höhe das Geld ausgezahlt wird, ist vom Vertrag abhängig. Je früher Krankengeld gezahlt wird und je höher dieses ist, desto teurer ist in der Regel der Tarif.

Zudem gibt es die Möglichkeit, eine private Krankentagegeldversicherung abzuschließen. Welche Variante die sinnvollste ist, hängt vom Einzelfall ab.

Private Krankenversicherungen

Private Krankenkassen zahlen - je nach Vertrag - bis zu 100 Prozent des Nettoverdienstes als Krankengeld. Ab welchem Krankheitstag bei Selbstständigen Krankengeld gezahlt wird, hängt vom Vertrag ab. Je früher, desto teurer ist die Versicherung.

Krankengeld und Steuer

Krankengeld muss nicht versteuert werden. Es wird jedoch zum zu versteuernden Einkommen dazugerechnet und hat somit Einfluss auf den Steuersatz.


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