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Pflanzen Sprossengemüse - Kresse, Rotklee & Co.

Vermissen Sie im Winter Ihr Gartengemüse? Wie wäre es mal mit Babygemüse aus Keimsaaten? Salate, Suppen, Brotzeit und vieles mehr kann man ganz leicht mit selbstgezogenen Sprossen und Grünkraut verfeinern und gleichzeitig die eigene Ernährung bereichern. Brigitte Goss zeigt, wie es geht, was man dazu braucht und was es zu beachten gibt.

Stand: 03.01.2019

Sprossengemüse - Kresse, Rotklee & Co. | Bild: Brigitte Goss

Sprossengemüse sind Sprossen und Grünkraut, die in jedem Klima und zu jeder Jahreszeit wachsen, dazu weder Boden noch Sonne brauchen, in drei bis fünf Tagen reif sind und keine Abfallprodukte beim Anbau verursachen. Sprossen werden samt Spross und Wurzel verwendet, bevor sich die Blätter deutlich ausfärben. Vom Grünkraut verwendet man den Spross mit den ersten Blättchen - die Keimblätter. Sie sind deshalb so wertvoll, weil sie voller Enzyme, Vitamine, Mineralien, Spurenelementen und hochwertiger Proteine sind. Sprossen sind eine ballaststoffreiche Nahrungsergänzung.

Saatgut

Verwenden Sie generell spezielles Keimsaatgut aus kontrolliert biologischem Anbau, denn es ist nicht chemisch behandelt oder gebeizt. Das Saatgut sollte außerdem eine hohe Keimfähigkeit aufweisen. Saatgut, das nicht keimt, fängt schnell an zu gären. Am besten jährlich frisches Saatgut im Reformhaus oder Bioladen kaufen. Die Ideale Keimtemperatur liegt zwischen 18 und 20 Grad, also bei nicht zu warmer Zimmertemperatur.

Keimsaaten und Hygiene

Es wird empfohlen, das Saatgut vor dem Ankeimen zu waschen. Spülen Sie die Keimsaaten weiterhin mindestens zweimal täglich. Menschen mit geschwächter Immunabwehr sollten vorsichtshalber auf den Anbau von Keimen verzichten. Grünkraut hingegen dürfte kein Problem darstellen. Reinigen Sie Gefäße, in denen Sprossen herangezogen werden, gründlich mit heißem Wasser.

Anzuchtgefäße und Anzuchtunterlagen

Sprossenglas

Sprossengläser eignen sich für alle nicht schleimenden Keimsaaten, wie Rettichsprossen, Mungbohnen und Brokkolisprossen.

Sprossenglas herstellen
Das Glas können Sie leicht selbst machen: Dazu nimmt man ein Gurkenglas ohne Deckel, ein Stück Fliegengitter aus Kunststoff oder eine Gaze und spannt sie mit einem festen Gummi über die Glasöffnung. Alle verwendeten Materialien sollten gewissenhaft gereinigt sein, das Glas am besten mit kochendem Wasser ausgespült sein.

Wie das Sprossenglas funktioniert
Keimsaat 8 -12 Stunden im Wasser einweichen:
1 Esslöffel für kleine Saaten wie Alfalfa, Radieschen, 2-3 Esslöffel für große Saaten, wie Mungbohnen.
Das "Einweichwasser" ausgießen und das Glas kopfüber aufstellen.
Morgens und abends müssen die Sprossen im Leitungswasser ausgespült und kopfüber aufgestellt werden, damit das Wasser gut abtropfen kann und die Keimlinge nicht im Wasser stehen. Nach 5 bis 8 Tagen kann man ernten.

Kressesieb

Kressesiebe eignen sich für die Anzucht von schleimenden Keimsaaten, wie Kresse, Senf, Rucola, Leinsamen, Radieschen und Rotklee.

Wie das Kressesieb funktioniert
Die schleimbildenden Samen ca. 30 Minuten quellen lassen und dann auf das Sieb streichen. Als Anzuchtgefäße, gerade für das Grünkraut, kann so manche Kunststoffverpackung wiederverwendet werden, Sushi-Schalen eignen sich zum Beispiel hervorragend.

Mehrstöckige Anzuchtgefäße

Im Handel gibt es Gefäße für die sogenannte Hydrokultur. Dabei werden die Gefäße übereinandergestellt und das Wasser läuft durch alle "Anzuchtetagen". Hier können Sprossen und Grünkraut gleichermaßen herangezogen werden. Sie sollten allerdings nach der Ernte immer intensiv gereinigt werden.

Feuchte Unterlagen


Kressesorten können ganz einfach auf einer feuchten Unterlage, wie Watte, Papiertaschentuch oder Küchenkrepp gezogen werden. Die Unterlage gut durchfeuchten, bevor die Samen darauf verteilt werden.

Sprossen- und Grünkrautsorten

Mungbohnen

Infos

Mungbohnen (auch Mungobohnen) sind etwas für Anfänger bei der Sprossenanzucht. Sie sind zudem in vielen Keimsprossenmischungen enthalten. Mungbohnen enthalten, wie alle Hülsenfrüchte, viele Proteine, die beim Keimprozess in Aminosäuren umgewandelt werden. Während des Keimprozesses nimmt der Vitamingehalt deutlich zu. Mungbohnen gehören zur klassischen asiatischen Küche. Sie können roh, aber auch gekocht verwendet werden. Die im Handel befindlichen Sojasprossen sind übrigens meist nicht von der Sojabohne, sondern es handelt sich um Mungbohnensprossen.

Die Mungbohne steht hier als Beispiel für einige weitere aus der Bohnenfamilie, den Leguminosen. Es können auch Sojabohnen, Linsen, Kichererbsen, Luzerne (Alfalfa) und Erbsen im Sprossengarten angezogen werden. Die schwachen Gifte, die rohe Bohnen und Erbsen enthalten werden beim Keimprozess abgebaut.

Achtung: Bei den Leguminosen ist besondere Hygiene angebracht. Spülen Sie wirklich konsequent mit sauberem Trinkwasser und geben Sie immer ein wenig Samen von Rettich dazu. Durch die Senföle werden Keime in Schach gehalten.

Anzucht

Mungbohnen ca. zwölf Stunden vorher in reichlich Wasser einweichen.

Pflege

Im Sprossenglas mindestens zweimal am Tag spülen.

Ernte

Nach drei Tagen können sie verzehrt werden. Nach vier Tagen werden die Sprossen zartlila und etwas herber im Geschmack.

Rettichsprossen

Infos

Der Gesundheitswert des Rettichs liegt im hohen Gehalt der Senföle begründet. Rettichsprossen sind ein hilfreicher Bestandteil von Sprossenmischungen, denn sie behindern das Wachstum von Bakterien und wirken keimabtötend.

Anzucht

Rettichsamen ca. acht Stunden vorher einweichen.

Pflege

Im Sprossenglas zweimal am Tag spülen.

Ernte

Nach drei bis vier Tagen können Sprossen geerntet werden. Rettich ist ebenso gut als Grünkraut: nach sieben Tagen kann man die ersten grünen Rettichblättchen ernten.

Brokkolisprossen

Infos

Brokkoli ist ein Powerpaket an Vitaminen und Mineralstoffen, besonders Kalzium, und hat einen hohen Anteil an Antioxidantien, vor allem an Sulforaphan. Sulforaphan ist ein sekundärer Pflanzenstoff und soll bei vielen Krankheiten helfen, wie Arthritis, Atemwegserkrankungen und sogar Krebs. Die guten Eigenschaften gehen allerdings beim Kochen verloren.

Anzucht

Brokkolisamen ca. sechs bis acht Stunden vorher einweichen.

Pflege

Im Sprossenglas zwei- bis dreimal am Tag wässern, in der Keimschale bis zum Keimen immer feucht halten, in dem Sie die Samen mit einem passenden Teller abdecken.

Ernte

Nach drei bis fünf Tagen können Sprossen geerntet werden. Auch das danach kommende Grünkraut ist schmackhaft. Nach etwa sieben Tagen kann man die ersten Blättchen ernten.

Rotklee

Infos

Rotklee steigert das Wohlbefinden und enthält pflanzliche Hormone, die zum Beispiel gegen Beschwerden in den Wechseljahren helfen. Er eignet sich für Anfänger bei der Zucht von Grünkraut und auch Kinder mögen den milden Geschmack.

Anzucht

Rotkleesamen ca. sechs bis acht Stunden in Wasser einweichen und anschließend auf das Kressesieb streichen.

Pflege

Zweimal täglich wässern.

Ernte

Nach fünf bis acht Tagen kann man die Rotkleeblättchen ernten.

Kresse

Infos

Kresse enthält viel Vitamin C und Senföle, die gegen Erkältungskrankheiten wirken. Auch ungeübte Zimmergärtner können hier schnell Erfolge verbuchen.

Anzucht

Kressesamen auf feuchte Watte legen, sie müssen nicht vorher eingeweicht werden.

Pflege

Alle zwei Tage wässern.

Ernte

Nach sechs bis acht Tagen kann die Kresse geerntet werden.


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