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Garten Datteln, Feigen & Co. selber ziehen

In der Bibel kommt vielen Pflanzen eine symbolische Bedeutung zu. Der Friede wird mit einem Olivenzweig symbolisiert, die Heiligen Drei Könige beschenken das neugeborene Jesuskind mit Weihrauch und Myrrhe und Adam und Eva bedecken sich mit Feigenblättern. Diese biblischen Pflanzen können Sie ganz einfach selber ziehen. Gartenexperte Andreas Modery gibt Ihnen Tipps, wie es geht.

Stand: 15.12.2020

Feigen | Bild: BR

In der Heiligen Schrift werden rund 125 Pflanzen erwähnt. Ihre Bedeutung wurde nicht nur auf Nahrung, Gewürz und Heilwirkung begrenzt, sie besitzen auch symbolische Eigenschaften, z. B. die Dattelpalme, der Oliven-, der Weihrauch- oder der Feigenbaum. Hier erfahren Sie, wie Sie symbolträchtige Pflanzen, die jetzt zur Weihnachtszeit eine wichtige Rolle spielen, aus Samen oder Stecklingen selbst ziehen können.

Dattelpalme

Das Winken mit Palmenzweigen gilt als Ausdruck der Freude. "Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!" (Johannes 12,12-13)
Diese Symbolik hat sich sowohl im Judentum im Laubhüttenfest (Feststrauß "Lulaf"), als auch im Christentum am Palmsonntag erhalten.  Dattelpalmen sind zudem ein Symbol für Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit, da sie sich nach jedem noch so starken Wüstensturm wieder aufrichten.

Botanische Eigenschaften:

  • Höhe: ca. 25 m
  • Tiefwurzler: bis 5 m
  • Standort: Eine Dattelpalme fühlt sich wohl, "wenn sie ihren Fuß im kühlen Wasser und ihr Haupt im Feuer des Himmels baden kann", so Pflanzenexperte Andreas Modery.
  • Besonderheit: kommt auch mit Salzwasser zurecht
  • Dattelpalmen sind zweihäusig. Es gibt männliche und weibliche Palmen.
  • Erste Blüte: nach ca. 5 Jahren
  • Früchte: Datteln (fleischige Beeren mit nur einem Samen)

Verwendung:

  • Früchte: Kuchen, Saft, Sirup und Essig
  • Palmwedel: Hütten, Matten, Körbe und Besen
  • Dattelkerne: zerkleinert als Kaffee oder Viehfutter
  • Palmherzen: Gemüse
  • Saft: Palmwein

Dattelpalme vermehren - es gibt zwei Möglichkeiten:

  • Schösslingsvermehrung

Schösslinge (Seitensprossen) wachsen direkt an der Mutterpflanze. Diese werden von der Mutterpflanze getrennt und in einen eigenen Topf mit Anzuchterde oder Sand-Torf-Gemisch gesetzt.

  • Anzucht aus Samenkern

Dattelkerne haben eine Keimfähigkeit von bis zu zwei Jahren. In der Regel keimen die Kerne aus verpackten Früchten leichter als solche aus frischen Datteln. Die Samen 2 bis 3 Tage in lauwarmes Wasser legen, danach 1 bis 2 cm tief in die Erde drücken. Jetzt müssen Sie Geduld haben. Die Samen keimen an einem warmen, hellen Standort - je nach Alte r- nach 2 bis 6 Monaten. Nach einem Jahr sind die Pflänzchen ungefähr 20 cm groß. Dann ist der richtige Zeitpunkt für das erste Umpflanzen gekommen.

Feigenbaum

Der Feigenbaum ist der erste Baum, der in der Bibel erwähnt wird. Adam und Eva bedecken sich mit Feigenblättern, nachdem sie vom Baum der Erkenntnis gegessen und ihre Nacktheit bemerkt haben.

Botanische Eigenschaften:

  • Höhe: bis 10 m
  • laubabwerfend
  • Bestäubung durch Gallwespen
  • winterhart
  • Standort: magere, felsige Böden
  • benötigt keine künstliche Bewässerung
  • Achtung: Der Milchsaft kann zu allergischen Reaktionen führen.

Feigenbaum vermehren - es gibt zwei Möglichkeiten:

  • Samenvermehrung

Die reife Feige vorsichtig öffnen und die Samen mit einem Kaffeelöffel entnehmen. Eine Pflanzschale mit Anzuchterde füllen, die Samen auf die Erde bringen und vorsichtig andrücken. Die Pflanzschale zum Keimen an einen hellen, warmen Ort (mind. 20° C) stellen. Nach ca. 14 Tagen keimen die Samen. Wenn die Keimlinge ca. 5 cm groß sind, können sie vereinzelt werden.

  • Vermehrung durch Steckholzer

Im Herbst oder Winter einen verholzten, kräftigen Ast vom Vorjahr (!) abschneiden und in mehrere ca. 15 cm lange Stücke schneiden. Die Steckhölzer in ein Gemisch aus Anzuchterde und Sand stecken und an einen warmen Platz stellen.

Olivenbaum

Der immergrüne Ölbaum symbolisiert - aufgrund seiner Fähigkeit besonders alt zu werden - Stabilität, Sicherheit und Wohlstand.

In der Bibel wird erzählt, dass eine Taube mit einem Olivenzweig im Schnabel auf die Arche Noah zu flog. Der Zweig symbolisierte das Ende der Sintflut und kündigte an, dass Gott mit den Menschen wieder Frieden geschlossen hat. Daher ist der Olivenzweig auch heute noch ein Friedenssymbol.

Heute werden Olivenbäume gerne zu Hochzeiten verschenkt. Ehen, die unter diesem Zeichen geschlossen werden, sagt man nach, dass sie so langlebig sind wie der Ölbaum selbst.

Botanische Eigenschaften:

  • Höhe: 10 bis 18 m
  • Alter: problemlos 1000 Jahre
  • Früchte: ab dem 6. Jahr
  • bis etwa minus 5°C frostfest

Olivenbaum vermehren - es gibt zwei Möglichkeiten:

  • Anzucht aus einem Samenkern

Hierfür eignen sich nur die Kerne von vollreifen, frischen Oliven. Die Kerne eingelegter Oliven können nicht mehr keimen. Den Samenkern vom Fruchtfleisch befreien und die raue Schale mit Schleifpapier anschleifen. So wird der Kern durchlässiger. Den Kern für 24 Stunden in handwarmes Wasser legen. Anschließend ein Töpfchen mit Anzuchterde füllen, den Olivenkern mit der Spitze nach oben in die Erde drücken und etwa 1 cm hoch mit Erde bedecken. Das Pflanzgefäß an einen hellen, warmen Ort (mind. 20° C) stellen und feucht, aber nicht nass, halten. Das funktioniert am besten mit einem Wassersprüher. Dann müssen Sie Geduld haben. Nach etwa 4 bis 6 Wochen beginnt der Kern zu keimen. Nach rund 6 bis 8 Monaten bekommt er die Form eines Bäumchen und ist dann ca. 25-30 cm groß.

  • Vermehrung durch Stecklinge

Junge, nicht verholzte, ca. 7 bis 10 cm lange Triebe mit einigen Knospen (Augen) aus dem Baum schneiden. Die Schnittkante muss schräg sein, damit das Wasser leichter aufgenommen werden kann. Die untersten Blätter des Stecklings entfernen, diesen anschließend in ein Töpfchen mit Anzuchterde stecken und die Erde vorsichtig andrücken. Den Steckling an einen hellen, warmen Ort stellen und feucht, aber nicht nass, halten. Keinen Dünger einsetzen. Der Steckling hat Wurzeln geschlagen, sobald sich neue Blätter zeigen.

Tipp:

Wählen Sie keine zu großen Pflanzgefäße und topfen Sie den Olivenbaum frühestens nach 3 bis 4 Jahren um, da er sonst seine Kraft ins Wurzelwachstum statt in die Krone und Äste steckt.

Frohe Weihnachten und viel Erfolg mit Ihren selbstgezogenen, symbolträchtigen Pflanzen wünschen Andreas Modery und "Wir in Bayern"!


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