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Garten Gartenpflanzen, die sich selbst vermehren

Haben Sie schon mal etwas von "Blackbox-Gardening" gehört? Das hört sich zwar modern an, hat aber eine sehr lange Gartentradition. Zeit und Muße, Blumen vorzuziehen, hatten unsere Großmütter mit ihren Selbstversorger-Bauerngärten nämlich nicht. Sie bevorzugten Blumen, die sich von alleine vermehren. Gartenexpertin Brigitte Goss, erklärt, was es mit diesem "Gärtnern mit Überraschungseffekt" auf sich hat. Lassen Sie sich überraschen!

Stand: 24.07.2020

Blackbox-Gardening, u. a. mit Schmuckkörbchen | Bild: BR/Brigitte Goss

"Blackbox-Gardening" oder "Cultivating Chaos"

Die Blackbox, der schwarze Kasten, steht für ein geschlossenes System, in dem man nicht weiß, was im Inneren abläuft. Letztlich ist es traditionelles Gärtnern mit der Dynamik der Natur.

Den Pflanzplan erstellen die Pflanzen selbst!

Nur wenige, sogenannte Initialpflanzen, müssen gepflanzt werden. Sie haben aber ein hohes Maß an Reproduktionskraft und bilden viele Samen aus, die keimen und neue Pflanzen bilden. Dann kommt der Faktor Zeit ins Spiel: Jahr für Jahr kommen an anderen Stellen Pflanzen. Es lässt sich also nie vorhersagen, wie der Garten oder das Gartenbeet im nächsten Jahr aussieht.

Ganz ohne die gärtnerische Hand geht es nicht!

Wenn sich z. B. Sämlinge zu dicht an andere Pflanzen drängen, sollte durchaus eingegriffen werden.
Ideal wäre es, wenn immergrüne Formgehölze als optische Konstante fungieren. Auch eine feste Beetkante oder eine geschnittene Einfassung können einen schönen Rahmen bilden. Zwischen Solitärstauden, Rosen und anderen Gehölzen können diese Vagabundenpflanzen nicht nur Lücken füllen, sondern auch unerwartete schöne Kompositionen hervorbringen.
So nebenbei können diese ausbreitungsfreudigen Pflanzen unerwünschte Wildkräuter im Zaum halten, indem sie ihnen einfach Boden, Wasser, Licht und Luft nehmen. Die Herausforderung für den Gartenbesitzer ist dann, das "Gute" vom "Bösen" zu unterscheiden. Mit ein wenig Beobachtungsgabe und Geduld ist aber auch das zu meistern.

Wichtig

Solche invasive Neophyten, d. h. ausbreitungsfreudige Pflanzen, könnten durchaus den Sprung über den Gartenzaun schaffen. Naturschützer sehen mit Sorge, dass Gartenpflanzen als invasive Neophyten die heimische Flora be- und verdrängen könnten. Deshalb ist es wichtig, Pflanzenabfälle nicht auf Grüngutsammelplätzen oder unbedacht einfach in die Natur zu kippen.

Pflanzentipps

Die Einjährige: Schmuckkörbchen (Cosmea bipinnata)

Diese schönen Sommerblumen gehören einfach zu einem Sommergarten. Schmuckkörbchen blühen den ganzen Sommer und locken unzählige Insekten an.

Standort und Pflege:

  • Kosmeen gedeihen in der Sonne und im Halbschatten.
  • Sie brauchen einen nahrhaften Boden, der im Sommer nicht zu trocken sein sollte.
  • Damit sie den ganzen Sommer über Blüten bilden, sollten Sie Abgeblühtes immer ausschneiden. Damit sollten Sie aber im Spätsommer aufhören, sodass die Pflanzen Samen bilden können. Die ausgereiften Samen fallen zu Boden. Erstaunlicherweise überdauern viele Samen im Boden und keimen im nächsten Jahr wieder.

Wichtig

Im Frühjahr möglichst wenig harken und Unkraut jäten, damit die Keimlinge in Ruhe wachsen können.

Die Vielseitige: Duftnessel (Agastache rugosa)

Die Duftnessel ist nicht nur eine schöne Staude. Ihre Blüten und Blätter haben ein frisches Aroma und können für Tee, Salate und zur Aromatisierung von Getränken verwendet werden. Sie locken unzählige Insekten und vor allem Schmetterlinge an. Die Blütezeit ist von Juli bis in den Herbst.

Standort und Pflege:

  • Die Duftnessel braucht einen sonnigen Standort.
  • Sie verträgt keine Staunässe. Obwohl die Duftnessel trockenheitsverträglich ist, sollte sie zur Blütezeit ausreichend Wasser erhalten. Problematisch sind nasskalte Winter. Diese überstehen die Pflanzen meist nicht.
  • Die Duftnessel blüht kontinuierlich nach, wenn verblühte Blüten ausgeschnitten werden. Hier sollten dennoch einige stehen bleiben, damit die Blütenstände die Samenreife erreichen. Die Agastache säht sich zuverlässig selbst aus.

Der Schattenverträgliche: Fingerhut (Digitalis ssp.)

Es gibt kaum eine stattlichere Pflanze im Schattengarten! Der Fingerhut ist zweijährig (viele Fingerhüte kommen allerdings auch mehrere Jahre wieder), wird 1 bis 1,5 m hoch und blüht von Juni bis Juli. Die im Sommer gekeimten Pflanzen überwintern und blühen im Jahr darauf. Die Pflanze erhält sich durch Selbstaussaat.

Standort und Pflege:

  • Die meisten Fingerhutarten brauchen einen frischen, kalkarmen Boden.
  • Sie vertragen schattige Plätze.
  • Dünger ist im Garten nicht notwendig.
  • Die heimische Staude ist absolut winterhart und die immergrünen Blattrosetten überwintern.

Achtung

Der Fingerhut ist in allen Teilen giftig! Die Blüten werden mit Vorliebe von Hummeln besucht.

Die Bauerngartenliebe: Stauden-Lupine (Lupinus polyphyllus)

Als Lückenfüller sät sie sich zuverlässig selbst aus. Sie wird 1,20 bis 1,50 m hoch. Sie kann von Mai bis Anfang August blühen. Die Farbenvielfalt ist außergewöhnlich: weiß, violett, rot, rosa, gelb oder sogar zweifarbig - bei Lupinen ist alles möglich. Und alle werden gerne von Hummeln besucht. Neuere Züchtungen sind kompakt und können gut im Kübel wachsen.

Standort und Pflege:

  • Lupinen wachsen an sonnigen Standorten. Im Schatten blühen sie kaum.
  • Sie gedeihen in kalkarmen, durchlässigen Böden. Kalkböden und Staunässe vertragen sie nicht.
  • Sie sind Leguminosen, die sich ihren Stickstoff selber sammeln. Sie sollten also nur wenig gedüngt, höchstens mit einem kalihaltigen Dünger versorgt werden, da Kali die Stabilität der Blüten fördert.

Die Lieblingspartnerin: Argentinisches Eisenkraut (Verbena bonariensis)

Eisenkraut passt zu Rosen und vielen anderen Stauden, füllt Lücken und ist zudem ein Insektenmagnet. Die zarten lila Blütenschirme schweben fast in der Luft und umgeben dominierende Pflanzen, wie Taglilien und Staudensonnenblumen, mit einem zarten Schleier. Die Pflanzen können bis zu 2 m hoch wachsen. Ihre Blütezeit ist von Juni bis in den Herbst hinein.

Standort und Pflege:

  • Das Argentinische Eisenkraut braucht einen sonnigen Standort und einen durchlässigen Boden, der auch mal trocken sein darf.
  • Es benötigt keinen Extra-Dünger, diese Pflanze wächst auch auf etwas mageren Standorten.
  • Leider ist diese Pflanze nicht langlebig und gerade deshalb typisch für das Blackbox-Gardening.
  • Kalte, nasse Winter überstehen große Verbena bonariensis-Pflanzen nicht. Aber ihre kleinen Nachkommen zeigen eine erstaunliche Widerstandskraft.
  • Lässt man die Pflanzen im Spätsommer versamen, können die Samen keimen. Der kleine Nachwuchs bildet bis zum Winter mehrere Blätter. Somit ist die Blüte im nächsten Jahr gesichert.

Wichtig

In der Zeit der Keimung und danach sollte der Boden nicht austrocknen!

Versuchen Sie das Blackbox-Gardening und lassen Sie sich überraschen!


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