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Garten Sie werden sie lieben: Historische Rosen

"Historische Rosen blühen zwar nur im Juni, doch wer sich mit ihnen beschäftigt, wird sie lieben!" schwärmt Gartenexpertin Brigitte Goss. Was es mit diesen Rosen auf sich hat und was sie so besonders macht, wollten wir von ihr genauer wissen. Vielleicht steckt sie uns ja mit ihrer Begeisterung an.

Stand: 29.05.2020

Rosa damascena Jaques Cartier | Bild: BR/Brigitte Goss

Historische Rosen sind Zeitzeugen unserer Kulturgeschichte. Schon im Altertum wurden sie angebaut - unter anderem zur Gewinnung des wertvollen Rosenöls, das zu medizinischen Zwecken verwendet wurde. Zur Zeit der Römischen Weltherrschaft galten Rosen als Zeichen von Luxus. Wer es sich leisten konnte, badete in Rosenblüten. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die ersten modernen Rosen gezüchtet.

Historische Rosen

Die weiße Rose (Rosa alba) oder auch weiße Bauernrose

Historisches: Um Albarosen ranken sich viele Geheimnisse. Sie wurden vermutlich schon in der Antike kultiviert. Funde und Untersuchungen belegen, dass es sich bei diesen alten Gartenrosen um besonders kräftige Naturhybriden handelt. Sie tragen eine große genetische Vielfalt in sich. Auch unsere Hundsrose (Rosa canina) ist im Erbgut vorhanden.
Alle Albarosen zeichnen sich durch einen besonderes kräftigen Wuchs und angenehm süßen Duft aus. Mit den Römern kam die "Rosa alba" nach Mitteleuropa und wurde hier heimisch.
Im Mittelalter wurden Albarosen vermutlich in größerem Stil angebaut und fanden sich in der Malerei und Baukunst wieder. In dieser Zeit wurden sie mit "Unschuld" und "Reinheit" assoziiert. Im 17. und 18. Jahrhundert waren sie äußerst beliebt. Im  19. Jahrhundert gab es bereits über 120 Sorten.

Die weiße Rose als Symbol

  • im 15. Jahrhundert für das Haus York (Rosenkriege)
  • im 2. Weltkrieg für die studentische Widerstandsgruppe der "Weißen Rose" (Geschwister Scholl u. a.)
  • der evangelisch-lutherischen Kirchen, die sog. Lutherrose

Eigenschaften: Albarosen bilden dichte Büsche mit überhängendem Wuchs. Einige Sorten können als Kletterpflanzen, andere als Heckenpflanzen verwendet werden. Sie sind sehr winterhart und kommen auch mit halbschattigen Standorten zurecht.

Sorten

  • Rosa suaveolens 'Nivea': weiß, halbgefüllt, gut duftend, über 1,50 m groß, wurde 1889 aus Bulgarien mitgebracht
  • Rosa alba 'Maidens Blush': zartrosa, üppig gefüllt, intensiv süß duftend, bis 1,5 m groß, eine sehr alte Sorte, vermutlich aus dem 15. Jahrhundert
  • 'Königin von Dänemark': karminrosa, große Blüte stark gefüllt, sehr stark duftend, größer als 1,50 m

Apothekerrose (Rosa gallica) oder Essigrose

Historisches: Diese Rose wird nachweislich seit 1310 angebaut und ist die häufigste Gartenrose von der Antike bis zur frühen Neuzeit. Der Legende nach brachten Kreuzfahrer die Rose aus Syrien und dem Vorderen Orient mit. In Zeiten unangenehmer Gerüche wurde das aus ihr gewonnene Duftöl sehr geschätzt. Die Blütenblätter enthalten den höchsten Ölgehalt aller Rosenarten. Die Hagebutten besitzen einen hohen Gehalt an Ascorbinsäure (dreimal so viel wie Zitronen).

Eigenschaften: Apothekerrosen können sehr alt werden und einen das ganze Leben begleiten. Sie werden 1,2 bis 1,5 m hoch, können Ausläufer bilden und eignen sich daher auch als niedrige Hecke. Apothekerrosen vertragen sogar karge, magere Böden und Halbschatten. Die Blüten halten dort auch länger. In der Regel ist die Essigrose sehr gesund. Sie kennt praktisch keinen Sternrußtau.

Sorten

  • Rosa gallica 'Officinalis': rot, halbgefüllt, gut duftend, 1 bis 1,5 m
  • Rosa mundi 'Versicolor': rot-weiß gestreift; Der Legende nach wurde diese Rose nach Rosamund Clifford, der Geliebten Heinrichs II., König von England, benannt. Sie ist eine Mutation der Apothekerrose.
  • Rosa gallica 'Tuscany': purpurviolett, halbgefüllt, leicht duftend, 1,50 m; Sie ist eine der ältesten Sorten der Rosa gallica-Gruppe.
  • Rosa gallica 'Charles de Mills': karminrot, dicht gefüllt, sehr stark duftend, bis 1,50 m

Damaszener Rose (Rosa damascena)

Historisches: Wie der Name vermuten lässt, kommt die Damaszener Rose aus der Region um Damaskus, Naher und Mittlerer Osten. Vermutlich sind es Naturhybriden aus Rosa gallica, Rosa moschata und anderen Rosen, wie Rosa phoenicia, die mit den Kreuzzügen im 13. Jahrhundert nach Europa kamen.
Bis in das 18. Jahrhundert hinein waren sie äußerst beliebt, da es bis dahin nur unter den Damaszener Rosen bis in den Herbst blühende Rosen gab. Damaszener Rosen betören durch einen außerordentlichen Duft. Sie werden deshalb schon seit der Antike zur Gewinnung von Rosenöl und Rosenwasser angebaut. Echtes Rosenöl ist äußerst wertvoll, schließlich werden für 1 Liter Rosenöl 4 Tonnen Blüten benötigt.

Eigenschaften: Damascenerrosen sind sehr winterhart und können auch in Lagen über 500 m gedeihen. Sie sind kaum spätfrostgefährdet. Die sehr dicht gefüllten Blüten besitzen einen starken, schweren Duft. Sie können als Einzelpflanzen, aber auch als kompakte, niedrige Hecken verwendet werden.

Sorten

  • Rosa damascena 'Jacques Cartier' (1842): zartrosa, dicht gefüllt, starker Duft, öfter blühend, bis zu 1,50 m hoch
  • Rosa damascena 'Rose de Resht': öfter blühend, bis 1,20 m hoch, wird auch als Portlandrose geführt

Beide sind Herbstdamascener, die aus Rosa gallica und Rosa moschata gezüchtet wurden.

Pflege der historischen Rosen

  • Blüte: Historische Rosen bringen (bis auf wenige Ausnahmen) nur einen Blütenflor im Jahr hervor. Die Blütezeit ist überwiegend im Juni/Juli. Nur wenige Sorten bilden Blüten bis in den Herbst.
  • Standort: Historische Rosen sind robust. Sie vertragen auch Standorte unter hohen Bäumen im lichten Schatten. An sehr heißen Tagen ist das sogar von Vorteil. In der Regel ist trotz allem ein sonniger Standort am besten.
  • Dünger: Wenn nötig, wird im Frühjahr ab März mit einem organischen Volldünger oder ab Mai mit abgelagerten Kuh- oder Pferdemist gedüngt. Starkwachsende Rosen kommen sogar ohne Düngung und Wassergaben zurecht.
  • Schnitt: Die alten Rosen werden behutsam nur nach der Blüte geschnitten.

Ganz wichtig

Im Frühjahr erfolgt kein starker Schnitt! Die Rosen würden ansonsten nicht blühen.

Kauftipps historischer Rosen

Historische Rosen bekommt man nicht an jeder Ecke. Sie können Sie aber bei einer historischen Rosenbaumschule bestellen. Sehr gute Baumschulen in Bayern führen historische Rosen, aber sie sind einfach ein Randsortiment.

Rosen-Rezept aus der Römerzeit: Vinum rosatum

Zutaten

  • 1 Hand voll frischer Rosenblüten
  • Wein
  • Honig

Zubereitung
Die Rosenblätter zum Wein geben und eine Woche ziehen lassen. Danach die Blüten entfernen und durch neue Blüten ersetzen. Dies wiederholen, bis der Wein 4 Wochen gezogen hat. Bereits nach einer Woche hat der Wein ein Rosenaroma. Diesen Rosenwein mit Honig süßen und kalt, z. B. als Aperitif, servieren.

Richtig schön werden die historischen Rosen übrigens erst nach ein paar Jahren. Geben Sie Ihnen also etwas Zeit. Es wird sich lohnen!


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