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Garten So vermehren Sie Pflanzen durch Stecklinge

Für viele Gehölze ist im Juli der Austrieb abgeschlossen. Diese jungen Triebe, die sich jetzt schon verfestigt haben, eignen sich hervorragend zur Aufzucht neuer Pflanzen. Bis in den Spätsommer lassen sich die meisten Sträucher und Kletterpflanzen so ganz einfach vermehren. Wie das geht, verrät Gartenexpertin Brigitte Goss. Wäre doch schade, wenn Sie darauf verzichten!

Stand: 24.06.2020

Stecklingsroulade | Bild: BR/Brigitte Goss

Der Hochsommer ist eine gute Zeit, um sogenannte Weichholz- und Grünholzstecklinge von holzigen Pflanzen zu schneiden und diese so zu vermehren.

Schauen Sie sich vor dem Schneiden der Stecklinge die Pflanze genau an:

  • Sie sollte unbedingt frei von Schädlingen oder Pilzerkrankungen sein.
  • Achten Sie auch darauf, dass die Pflanze gut ernährt und gut mit Wasser versorgt ist.

Auswahl und Vorbereitung der Stecklinge

Kräftige und schon leicht verholzte Neutriebe haben die besten Voraussetzungen, gut Wurzeln zu bilden. Je nach Pflanzenart sollte der Steckling eine Länge von 5 bis 8 cm aufweisen. Kräuter wie Lavendel, Salbei und Heiligenkraut, können auch länger sein. Die Stecklinge sollten aber mindestens zwei bis drei Blattpaare besitzen.
Der Steckling wird direkt unter einem Nodium, das ist die Verdickung an den Blattachseln, mit einer scharfen Schere oder einem Messer abgeschnitten.
Bis auf zwei bis vier Blätter an der Triebspitze des Stecklings sollten alle Blätter entfernt werden. Große Blätter (z. B. bei Hortensien) werden halbiert.

So bekommt der Steckling Wurzeln

Bei der Stecklingsvermehrung macht man sich zunutze, dass sich in den Nodien Zellen befinden, die noch nicht "programmiert" sind. Diese Zellen könnten sich also noch zu Stielen, Wurzeln, Blättern oder Blüten entwickeln. Dieses Nodium heißt es also so zu pflegen, dass dort Wurzeln wachsen.

Dafür können Sie aus zwei verschiedenen Möglichkeiten wählen:

  • In die Erde stecken:

Für die Bewurzelung in der Erde ist spezielle Anzuchterde notwendig. Diese Erde ist locker und enthält wenig Nährstoffe. Ein Zuviel an "Nahrung" könnte jungen, sprießenden Wurzeln schaden und sie verbrennen. Am besten wählen Sie einen Topf, füllen ihn mit der Anzuchterde und gießen kräftig an. Ideal ist es, wenn die Erde ein paar Stunden "durchziehen" kann. Anschließend die Stecklinge in die Erde stecken, leicht andrücken und mit einem durchsichtigen Kunststoffbeutel vor Austrocknung schützen.

  • In einer "Stecklingsroulade":

Eine ganz besondere Methode ist das Ziehen der Stecklinge in Moos. Dazu schneiden Sie ein Stück Maler- oder Abdeckvlies in einer Abmessung von 8 bis 10 cm Höhe und 30 bis 40 cm Länge. Darauf legen Sie lockeres, feuchtes Moos. Darauf wiederum legen Sie die vorbereiteten, entblätterten Stecklinge, sodass die Triebspitzen an der Oberkante herausschauen. Der Abstand zwischen den Stecklingen sollte etwa eine Handbreit betragen.
Nun das Vlies vorsichtig und nicht zu fest zusammenrollen und mit zwei Bindfäden zusammenbinden. Diese Stecklingsroulade nun aufrecht in ein Glas stellen. Damit die Stecklinge nicht faulen, sollten sich im Glas nur wenige Millimeter Wasser befinden - gerade so viel, dass die Stecklinge nicht austrocknen.

Für beide Varianten gilt:
Die Stecklinge brauchen jetzt Temperaturen von 18 bis 28 Grad sowie einen hellen Platz ohne direkte Sonneneinstrahlung. Die Stecklinge unter der Folienhaube und die Stecklinge in der Moosrolle sollten ein- bis zweimal in der Woche kontrolliert bzw. geöffnet werden, um faulende oder schimmelnde Stecklinge schnell zu entfernen.
Dann ist Geduld erforderlich: Die Stecklinge brauchen zwei bis vier Wochen, bis sich die ersten Wurzeln zeigen.

Auspflanzung

Setzen Sie ca. vier Wochen, nachdem sich die Wurzel gebildet hat, das junge Pflänzchen in einen Topf. Nach weiteren vier Wochen können Sie es schließlich auspflanzen.

Viel Erfolg bei der Vermehrung Ihrer Stecklinge!


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