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Finanzen Weihnachtsgeschenke online umtauschen

Jedes Jahr setzt nach Weihnachten die große Umtauschwelle ein, weil das Geschenk nicht passt oder nicht gefällt. Doch was ist beim Umtausch von im Internet bestellten Geschenken zu beachten? Tipps von Finanzexperte Sebastian Hanisch.

Stand: 22.12.2020

Geschenke unter dem Weihnachtsbaum | Bild: BR/MEV/independent light

Umtausch fehlerfreier Ware

Bei Käufen, die online, per Fax, Brief, Postkarte oder am Telefon getätigt werden, handelt es sich um sogenannte Fernabsatzverträge. Der Kunde hat das Recht, diese Verträge innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt der Ware ohne Angabe von Gründen zu widerrufen.
Versandhändler müssen Kunden auf ihr Widerrufsrecht hinweisen. Wurden Sie bei der Bestellung nicht oder nicht richtig über Ihr Recht zum Widerruf informiert, haben Sie zwölf Monate und 14 Tage nach Erhalt der Ware Zeit, den Kauf rückgängig zu.

Hinweis: Manche großen Onlinehändler gewähren über Weihnachten übrigens eine deutlich verlängerte Frist - oft bis Ende Januar.

Übrigens: Die Widerrufsfrist beginnt erst, wenn Sie die Ware erhalten haben. Die Frist läuft also noch nicht, wenn Ihr Paket noch ein paar Tage bei der Post liegt oder beim Nachbarn, der die Sendung für Sie angenommen hat. Ausnahme: Sie haben den Nachbarn explizit benannt als Adresse, bei der Ware für Sie zugestellt werden darf.

Widerruf bei privaten Käufen im Internet

Privatverkäufer müssen kein Widerrufsrecht einräumen. Wenn diese allerdings falschen Angaben zur Beschaffenheit der Ware machen, können Sie die Sendung zurückschicken und den Kaufpreis zurückfordern.

Widerrufserklärung

Sie müssen bei einem Widerruf eines Fernabsatzvertrages zwar keine Gründe angeben, es reicht jedoch nicht aus, die Ware kommentarlos zurückzusenden. Sie müssen den Vertrag explizit mit einer Widerrufserklärung widerrufen. Das muss kein langer Text sein. Es reicht, formlos zu schreiben:

„Hiermit widerrufe ich den Kauf von WARE, die ich am DATUM bestellt habe.“

Sie können den Widerruf der Ware, die Sie zurücksenden, beilegen. Es ist aber sinnvoll, diesen zusätzlich per Mail zu versenden, damit Sie einen Beweis haben, dass Sie den Kauf widerrufen haben. Bei vielen großen Online-Händlern kann man den Widerruf online über sein Kundenkonto erledigen.

Wichtig:

Sie haben 14 Tage Zeit - ab der Widerrufserklärung - die Ware zurückzuschicken.

Kosten für den Rückversand

Die Kosten für den Rückversand übernehmen in der Praxis häufig die Onlineshops. Meist kann man sich einen entsprechenden Retourenschein ausdrucken und auf das Paket kleben, das man zurückschicken möchte. Dann muss es nicht frankiert werden. Onlineshops können die Portokosten aber auch den Kunden auferlegen. Überprüfen Sie vor der Bestellung die Bedingungen des Händlers.

Aber: Wenn Sie einen Kauf widerrufen, muss Ihnen der Händler den Kaufpreis inklusive der Versandkosten zu Ihnen erstatten, sofern es sich um einen "Standardversand" gehandelt hat. Haben Sie sich die Ware per Premium- oder Expressversand zuschicken lassen, müssen Sie die Mehrkosten selbst tragen.

Wertersatz für den Händler nach Nutzung eines Produkts?

Ob die bestellte Ware gefällt oder passt, stellt sich oft erst heraus, wenn sie ausgepackt und probiert wurde. Da dann eine Ware, zum Beispiel ein Handy, nicht mehr als Neuware verkauft werden kann, bedeutet das ein Wertverlust für den Händler, falls der Kunde das Produkt zurückschickt. Diesen Wertverlust muss jedoch der Händler tragen. Erst wenn Sie ein Produkt "übermäßig ausprobieren", Wanderschuhe zum Beispiel für mehrere Wanderungen nutzen, kann der Händler einen Ersatz für diese Nutzung verlangen. Darauf muss er Sie aber vor dem Kauf hinweisen.

Rückerstattung des Kaufpreises

Machen Sie von Ihrem Widerrufsrecht Gebrauch, muss der Versandhändler Ihnen das Geld zurückerstatten. Sie müssen keinen Gutschein bzw. keine Gutschrift auf Ihrem Kundenkonto akzeptieren.

Vom Umtausch ausgeschlossene Waren

Bestimmte Waren sind grundsätzlich vom Umtausch ausgeschlossen, es sei denn sie sind fehlerhaft. Dazu gehören unter anderem:

  • entsiegelte CDs, DVDs, Blu-ray Discs oder Computersoftware
  • geöffnete Hygiene-Artikel, etwa geöffnete Kosmetika
  • Sonderanfertigungen / personalisierte Artikel
  • verderbliche Waren wie frische Lebensmittel oder Blumen
  • Veranstaltungstickets mit festem Datum

Wichtig: Bei digitalen Inhalten, wie z. B. E-Books oder einem Streaming-Angebot kann der Widerruf vom Anbieter ausgeschlossen werden, sobald die (mögliche) Nutzung des Inhalts beginnt, also mit dem Herunterladen des E-Books oder mit dem Beginn des Streams. Der Kunde muss jedoch darauf hingewiesen werden.

Reklamation mangelhafter Ware

Bei mangelhafter Ware, z. B. einem defekten Elektrogerät, einem Kleidungsstück mit einem Loch etc., können Sie gegen den Händler Mängelansprüche gelten machen. Die Frist liegt bei Neuware grundsätzlich bei zwei Jahren.
In den ersten sechs Monaten nach dem Kauf trägt der Händler die Beweislast, dass die Ware bei Übergabe fehlerfrei war. Danach geht die Beweislast auf den Kunden über.
Der Händler kann Ihnen nun Ersatzware schicken oder die defekte Ware reparieren. Sollte die Reparatur nicht in angemessener Frist erfolgen oder der Händler keine Ersatzware liefern (können), haben Sie das Recht, vom Kauf zurückzutreten.

Gut zu wissen

Anders als häufig angenommen bzw. von Händlern behauptet, kann auch reduzierte Ware reklamiert werden, sofern sie mangelhaft ist. Nur für Fehler, die beim Kauf ausdrücklich aufgeführt wurden, ist ein Gewährleistungsausschluss möglich.
Auch die Annahme, dass Waren nur in der Originalverpackung zurückgegeben werden dürfen, ist weit verbreitet. Im Rahmen einer Reklamation müssen die Waren jedoch auch ohne Originalverpackung zurückgenommen werden.

Frohes Fest wünschen Ihnen Sebastian Hanisch und "Wir in Bayern"!


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